Peter Reichelt
deutscher Autor, Publizist, Filmemacher, Ausstellungsmacher, Fotograf und Produzent sowie Künstleragent
From Wikipedia, the free encyclopedia
Leben
Peter Reichelt begann 1973 eine Ausbildung zum Konzertveranstalter bei der „Konzert- und Gastspieldirektion Hoffmeister“ in Mannheim. Er war dort verantwortlich für die Durchführung von etwa 100 Auftritten und Tourneen der Gastspieldirektion, u. a. von Herbert von Karajan, Maria Callas, Otto Waalkes, Roy Black, Marika Rökk, Caterina Valente, Gilbert Bécaud und der Comeback-Tournee von Udo Jürgens 1974. Jürgens betreute er auch zu seinem Auftritt vor Fürstin Gracia Patricia im Sommer 1975 in Monaco.[2] Im April 1976 hatte Reichelt erstmals Kontakt mit Albert Speer in Heidelberg und recherchierte mehrere Jahre im Auftrag Speers für das Buch Der Sklavenstaat.
Im Jahr 1978 gründete Reichelt zusammen mit Carsten Graab die erste Video-Einzelhandelskette in Europa „Videoland“ mit Filialen in Frankfurt, Hamburg und Mannheim. Nach dem Abitur auf dem Kurpfalz-Gymnasium in Mannheim 1979, studierte Reichelt zwischen 1979 und 1986 unter anderem an der Universität Mannheim Jura.
Parallel zum Studium begann er ab 1980 Werbe- und Musikvideoclips mit seiner zuvor gegründeten Filmproduktionsfirma Videomount u. a. für Ted Herold, zu produzieren.
1985 gründete er die Ausstellungsorganisationsgesellschaft Asia Team Communications in Hongkong und Deutschland, organisierte die erste chinesische Medienkommunikationsmesse China Mediacom in Peking sowie 1987 das „Festival der Kultur“ in Managua, Nicaragua.
Nicaragua-Kultur- und Hilfsprojekte
Im Jahr 1986 gründete er mit dem Schauspieler Dietmar Schönherr[5] in Mannheim die gemeinnützige Hilfsorganisation Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe Pronica e.V.[6], die vor allem in Nicaragua tätig ist. 1987 gründete er mit dem Kulturminister von Nicaragua Ernesto Cardenal und Dietmar Schönherr die Kulturstiftung Casa de los Tres Mundos[7][8] im nicaraguanischen Granada und organisierte Auftritte von Ute Lemper[9] und Wolfgang Niedecken[10] und seiner Band in Nicaragua.[11]
Später entwickelte er Fernsehunterhaltungssendungen für die ARD und den ORF, leistete journalistische Beiträge und Fotoarbeiten für den Stern[12], SPIEGEL[13], FAZ, DPA und Action Press. Es folgte 1986 eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Wiener Künstler Gottfried Helnwein, für den Reichelt ab 1987 dessen Multimediaprojekt „Faces – Idols of the 20th Century“ organisierte und sein Agent und Berater war.[14][15] Das Buch zu diesem Projekt erschien 1992. Eine jahrelange Ausstellungstour folgte. Die Zusammenarbeit von Helnwein und Reichelt endete nach sieben Jahren im März 1994.[16]
Im Oktober 1988 wurde Reichelt auf Veranlassung des Justizministeriums Baden-Württemberg für vier Jahre zum ehrenamtlichen Richter und Hauptschöffen am Landesgericht Mannheim – Straflandesgericht – für die Amtsperiode 1989 bis 1992 gewählt.
Kinderspiel
Kinderspiel,[17] die angedachte große Nachfolgeshow von Wünsch Dir was[18] des ORF, entwickelte Peter Reichelt 1990 und 1991 zusammen mit Dietmar Schönherr, Désirée Nosbusch, Manfred Deix,[19] Robert Hochner, Kuno Knöbl, Peter Behle und Gottfried Helnwein.[20] Sie gründeten eigens dafür die TV-Produktionsgesellschaft Dino Enterprise AG in der Schweiz. Es entstand ein sendefertiges Drehbuch. Schönherr und Reichelt präsentierten im Februar 1991 das Ergebnis dem damaligen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher. Bacher lehnte schließlich „aus Kostengründen“ ab. Das fertige Showkonzept wurde daher nie produziert und verschwand im ORF-Archiv in Wien.
Anfang 1991 begann Reichelt anlässlich des bevorstehenden 65. Geburtstages von Dietmar Schönherr am 17. Mai 1991, als Gestalter, Co-Autor und Projektplaner mit der ORF-Produktion des Filmporträts Dietmar Schönherr – Der Mann aus Tirol, das schließlich am 15. November 1992 erstmals im ORF1 ausgestrahlt wurde.[21][22]
1991 war Reichelt verantwortlicher Producer der ARD/HR-Talkshows Zeil um Zehn[23][24][25][26] und Holgers Waschsalon.[27][28][29][30][31]
Jochen-Filser-Affäre beim Hessischen Rundfunk
In seiner Funktion als HR-Abteilungsleiter und Redaktionsleiter in der Fernsehabteilung, deckte Peter Reichelt Ende 1991 elnen Fernsehskandal beim Hessischen Rundfunk, auf. Als Folge seiner Veröffentlichungen wurde der Unterhaltungschef Jochen Filser im März 1992 entlassen sowie Programmdirektor Hans-Werner Conrad und Verwaltungsdirektor Artur Jerger im Oktober 1992 beurlaubt. HR-Intendant Hartwig Kelm trat auf Grund der Affäre im Sender im Dezember 1992 von seinem Amt zurück, ein bis dato einmaliger Vorgang in der deutschen Fernsehgeschichte.[32]
Tätigkeit als Agent und persönlicher Berater
Seit 1986 arbeitete Reichelt als Agent und persönlicher Berater über viele Jahre u. a. für Carl Barks,[33] Bert Stern,[34][35] Leni Riefenstahl,[36] Dietmar Schönherr,[37] Miles Davis, Bob Willoughby,[38] Gottfried Helnwein[39][40] und Manfred Deix.[41]
Ausstellungsproduktionen (Auszug)
Im Juni 2001 wurde das Leben des Schauspielers Klaus Kinski in der Ausstellung Ich bin so wie ich bin im Theatermuseum München erstmals umfassend gewürdigt und war seitdem in Deutschland und Österreich, u. a. im Reiss-Engelhorn-Museum der Stadt Mannheim, im Stadtmuseum Berlin, in der Kunsthalle zu Kiel, der Städtischen Galerie Klagenfurt und im Ludwig Museum Koblenz zu sehen.[42][43][44]
Anlässlich des 75. Geburtstages von Gunter Sachs vermittelten Reichelt und Brockmann die Sachs-Ausstellung in das Museum der bildenden Künste nach Leipzig. Das Museum stellte hierfür von März bis Juni 2008 die Sonderausstellungsfläche von 2200 Quadratmeter zur Verfügung.[45][46]
Ferner kuratierte und produzierte Peter Reichelt zusammen mit Ina Brockmann Museumsausstellungen u. a. über Walt Disney, Carl Barks, Frank Sinatra, Audrey Hepburn, Liz Taylor, Leni Riefenstahl, Brigitte Bardot, Peter Alexander, Sophie Marceau, Gottfried Helnwein, Grace Kelly, Frank Hurley, Ernest Shackleton, Miles Davis und Marlene Dietrich.[47] Am 11. Mai 2011 eröffnete die von Peter Reichelt kuratierte und produzierte weltweit erste museale Foto-Ausstellung über Michael Jackson im Museum Schmuckwelten Pforzheim.[48]
Rechtsstreit mit den Erben Klaus Kinskis
Um für eine Ausstellung über das Leben von Klaus Kinski[49][50][51][52] zu werben, hatten Reichelt und Brockmann sich die Domain „kinski-klaus.de“ reserviert. Darin sahen die Erben einen verbotenen Eingriff in ihr Recht, die geldwerten Bestandteile des Persönlichkeitsrechts des Verstorbenen verwerten zu können. Am 5. Oktober 2006 wurde vor dem Bundesgerichtshof[53] eine Auseinandersetzung zwischen Reichelt und Brockmann mit den Erben von Klaus Kinski um eine namensidentische Domain beendet. Der BGH rechtfertigte dabei die Konnektierung der Domain und wies die Klage auf „Freigabe“ von kinski-klaus.de durch Kinskis geschiedene Frau Minhoi und seinen Sohn Nikolai Kinski ab, da das Recht der Erben auf die geldwerte Verwertung der Rechte spätestens zehn Jahre nach dem Tod der Berühmtheit ende. Dabei zogen die Richter einen Vergleich zum Recht am eigenen Bild gemäß § 22 KunstUrhG, wonach Fotos von Verstorbenen zehn Jahre nach deren Tod auch ohne Einwilligung der Angehörigen veröffentlicht werden dürfen. Darüber hinaus machte der BGH klar, dass im Kampf um Domains verstorbener Berühmtheiten stets auch die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst zu berücksichtigen sind. Das Recht der Erben dürfe nicht dazu führen, „die öffentliche Auseinandersetzung mit Leben und Werk der Person zu kontrollieren oder gar zu steuern“.[54]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- 1997 – Helnwein und Scientology. Lüge und Verrat. Eine Organisation und ihr Geheimdienst, ISBN 3-923801-93-9
- 2000 – Helnwein and Scientology. Lies and Treason. An Organisation and its Secret Service – vollständige englische Version
- 2001 – Bert Stern – Marilyn Monroe 1962, ISBN 3-923801-92-0
- 2003 – Gezeichnet Walt Disney? – Barks, Taliaferro, Gottfredson – Drei Väter für Donald und Mickey, ISBN 3-923801-93-9
- 2003 – Klaus Kinski – „Ich bin so wie ich bin“, ISBN 3-423-30840-0
- 2012 – Leni Riefenstahl – „Realität interessiert mich nicht“, ISBN 3-923801-70-X
- 2012 – Dietmar Schönherr – „Von den phantastischen Abenteuern des Raumschiffes Orion zu Wünsch dir was“, ISBN 3-923801-60-2
- 2012 – „1,2,3 … Billy Wilder. Fotografien“ – Ein Leben, ISBN 3-923801-62-9
- 2013 – „Gezeichnet Walt Disney? - Donald, Micky und ihre Väter“ – Die Biografie, ISBN 3-923801-58-0
Quelle[55]
