Peter Sattmann
deutscher Schauspieler und Musiker (1947–2025)
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Peter Sattmann (* 26. Dezember 1947 in Zwickau; † 25. Dezember 2025 in Stahnsdorf) war ein deutscher Schauspieler, Theaterregisseur und Bühnenautor. Seine Laufbahn startete 1969 am Deutschen Theater Göttingen. Erfolge auf der Bühne hatte er unter der Intendanz von Claus Peymann am Staatstheater Stuttgart. Von 1973 bis 2020 stand er in über 180 Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera.[1]
Leben und Wirken
Peter Sattmann, Sohn der Sängerin und Schauspielerin Gerda Sattmann und des Heizers Ferdinand Sattmann, übersiedelte im Jahr 1957 mit seiner Familie aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland nach Friedrichshafen am Bodensee.[2] Dort besuchte er das Graf-Zeppelin-Gymnasium.[2] In der elften Klasse verließ er das Gymnasium, um zunächst Auftritte mit einer Band als Gitarrist wahrzunehmen, bevor er letztlich zum Schauspielfach fand.[2] Er absolvierte daraufhin seine Schauspielausbildung an der Neuen Schauspielschule München.[2]
1967 heiratete Sattmann in München. Die Ehe, der eine gemeinsame Tochter (* 1970) entstammt, wurde einige Jahre später geschieden.[3] Von 1990 bis 1998 lebte er mit der Schauspielerin Katja Riemann zusammen, die er bei Dreharbeiten zu dem Fernsehfilm Von Gewalt keine Rede kennengelernt hatte und mit der er insgesamt neun Filme drehte. Ihre Ehe wurde allerdings in Deutschland nicht anerkannt, da sich das Paar von einem indischen Priester auf Mauritius trauen ließ.[4] Ihre 1993 geborene gemeinsame Tochter Paula Riemann ergriff ebenfalls den Schauspielberuf und arbeitet daneben auch als Filmemacherin. 2019 veröffentlichte Sattmann unter dem Titel Mein Leben ist kein Drehbuch seine Autobiografie.[5]
Peter Sattmann starb nach langer Krankheit am 25. Dezember 2025, einen Tag vor seinem 78. Geburtstag, in seinem Wohnort Stahnsdorf.[5][6] Sein Grab befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.[7]
Karriere
Theater
Sattmann debütierte 1969 am Deutschen Theater Göttingen, wo er vor allem mit dem Regisseur Roberto Ciulli zusammenarbeitete.[2] Von 1972 bis 1979 war er unter Claus Peymann am Staatstheater Stuttgart engagiert, wo er unter anderem den Romeo in William Shakespeares Romeo und Julia, den Clov in Samuel Beckett Endspiel und die Titelrolle in der Uraufführung von Thomas Bernhards Komödie Immanuel Kant spielte. In den Jahren 1975 und 1977 wurde er zum „Schauspieler des Jahres“ gewählt. Im April 1979 wurde in Stuttgart mit Open End seine erste eigene Bühneninszenierung über eine fingierte Fernseh-Talkshow uraufgeführt. Danach verfasste er auch einige weitere Bühnenstücke, wie die Tragikomödie Der Erzbischof ist da, die Wissenschaftssatire Brave New Man oder die Satire Der Fallschirmspringer.[8] Ab der Spielzeit 1979/80 spielte Sattmann – erneut unter Claus Peymann – am Schauspielhaus Bochum. 1984 hatte er ein Gastengagement an der Freien Volksbühne Berlin.[9]
Film und Fernsehen
Sattmann stand in einer Gastrolle als Walter in der ARD-Krimiserie Sonderdezernat K1 erstmals vor der Kamera. 1977 gab er sein Filmdebüt in Wolf Gremms Liebesdrama Die Brüder in der Rolle des Roman Fachmin an der Seite von Klaus Löwitsch und Doris Kunstmann. Seitdem wirkte er in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen. Im ARD-Zehnteiler Das Rätsel der Sandbank spielte er 1984 neben Burghart Klaußner und Isabel Varell den jungen Engländer Conway Carruthers. Doris Dörrie besetzte ihn 1985 als besorgten Vater Erwin Frank in ihrem Roadmovie Im Innern des Wals.[10] In Die glückliche Familie spielte er 1987 den Archäologen Dr. David Lang. 1989 war er in Franz Peter Wirths Karambolage an der Seite von Constanze Engelbrecht als deren Filmehemann Tom Maiwald zu sehen. 1989 war er zudem in einer Hauptrolle der internationalen Co-Produktion Das große Geheimnis, einer Polit-Science-Fiction nach dem Roman von René Barjavel, zu sehen: als Wissenschaftler Roland Fournier, der in den 14 Jahren seines Verschwindens um keinen Tag gealtert ist. 2001 spielte er neben Suzanne von Borsody unter Christine Hartmann in der Filmkomödie Wie buchstabiert man Liebe? den Star-Schriftsteller Tom Dellwig. Wiederholt übernahm er Gastrollen in Krimiformaten, u. a. in Auf Achse, Der Alte, Tatort, Polizeiruf 110 und Wilsberg sowie weiteren Fernsehreihen wie Das Traumschiff, Rosamunde Pilcher, Inga Lindström und Bella.[11] Von 2016 bis 2019 spielte er neben Simone Thomalla den Klinikleiter Professor Gabriel in der ZDF-Fernsehserie Frühling.[12]
Filmmusik
Neben seiner Arbeit als Regisseur und Autor war er auch als Komponist tätig. Er schrieb beispielsweise die Titelmusik zum Fernsehfilm Kerbels Flucht (1984).[13] Der Film erhielt 1985 eine lobende Erwähnung im Rahmen des Bundesfilmpreises (heute „Deutscher Filmpreis“). Weitere Filmmusiken komponierte er für die Fernsehspiele Willkommen im Paradies (1991) sowie die ARD-Vorabendserien Der Prins muß her (1987) und Das Familienfest.[14]
Hörspiel
In den 1970er Jahren wirkte Peter Sattmann in mehreren Hörspielen mit, die meist vom Süddeutschen Rundfunk produziert wurden. 1976 und 1978 erschienen zudem Schallplatten unter seiner Mitwirkung, die Mitschnitte von Theaterproduktionen präsentierten.[15]
Filmografie
Filme
- 1976: Die Brüder
- 1977: Tod oder Freiheit
- 1979: Kotte
- 1980: Das Ziel (Regie: Hartmut Griesmayr, Buch: Karl Heinz Willschrei)
- 1981: Der Fall Maurizius (Fünfteiler)
- 1984: Feuer für den großen Drachen
- 1984: Kerbels Flucht
- 1984: Das leise Gift
- 1985: Im Innern des Wals
- 1987: Das Haus im Nebel
- 1988: Ein naheliegender Mord
- 1989: Jenseits von Blau
- 1989: Zugzwang
- 1989: Der Geschichtenerzähler
- 1989: Das große Geheimnis (Sechsteiler)
- 1989: Bastard (Dreiteiler)
- 1989: Karambolage
- 1989: Der Geschichtenerzähler – Regie: Rainer Boldt
- 1991: Von Gewalt keine Rede
- 1991: Bis zum bitteren Ende (Ao Fim da Noite)
- 1991: Willkommen im Paradies
- 1992: Ihr glücklichen Augen
- 1992: Geboren 1999
- 1992: Einer stirbt bestimmt
- 1992: Der absurde Mord
- 1993: Wo warst Du in jener Nacht (Zweiteiler)
- 1993: Abgeschminkt!
- 1993: Gefährliche Verbindung
- 1994: Ich klage an (Zweiteiler)
- 1994: Nur eine kleine Affäre (Fünfteiler)
- 1994: Tod in Miami
- 1994: Lauras Entscheidung (Regie: Uwe Janson)
- 1994: Glück im Grünen
- 1995: Eine Frau will nach oben
- 1995: Eingeschlossen – Die Nacht mit einem Mörder
- 1995: Nur der Sieg zählt
- 1995: Verliebte Feinde
- 1996: Schuldig auf Verdacht
- 1996: Angst hat eine kalte Hand
- 1996: Alte Freunde küsst man nicht
- 1997: Simones Entscheidung
- 1997: Bandits
- 1997: Virus X – Der Atem des Todes
- 1998: Frauen lügen nicht
- 1999: St. Pauli Nacht
- 1999: Verführt – Eine gefährliche Affäre
- 1999: Männer sind wie Schokolade
- 2001: Küss mich, Tiger!
- 2001: Engel sucht Flügel
- 2001: Wie buchstabiert man Liebe?
- 2001: Aszendent Liebe
- 2003: Die Eltern der Braut
- 2003: Tochter meines Herzens
- 2003: Liebe zartbitter
- 2004: Ein Gauner Gottes
- 2004: Schöne Witwen küssen besser
- 2005: Der letzte Tanz
- 2005: Liebe wie am ersten Tag
- 2006: Die Liebe kommt selten allein
- 2007: Noch einmal zwanzig sein …
- 2007: Der Sonnenhof
- 2007: Ich heirate meine Frau
- 2008: Mein Traum von Venedig
- 2008: 1:0 für das Glück
- 2008: Was glücklich macht
- 2008: Einmal Toskana und zurück
- 2009: Bleib bei mir
- 2009: Heute keine Entlassung
- 2011: Die Samenhändlerin
- 2011: Löwenzahn – Das Kinoabenteuer
- 2012: Mann tut was Mann kann
- 2012: Zu schön um wahr zu sein
- 2013: Die Erfinderbraut
- 2015: Kubanisch für Fortgeschrittene
- 2016: Ein Sommer in Dänemark
- 2019: Wenn’s um Liebe geht
Fernsehserien und -reihen
- 1973: Sonderdezernat K1 (Folge Ganoven-Rallye)
- 1975: Eurogang (Folge Die letzte Lieferung)
- 1983: Ein Fall für zwei (Folge Zwielicht)
- 1984: Das Rätsel der Sandbank (10 Folgen)
- 1984–1986: Der Prins muß her (12 Folgen)
- 1986: Auf Achse (Folge Duell in Eldorado)
- 1986, 1990: Der Alte (Folgen Tödliche Freundschaft, Der Nachfolger)
- 1987: Das Rätsel der Sandbank
- 1987: Die Krimistunde (Folge Der Schlaf des Gerechten)
- 1987: Die glückliche Familie (6 Folgen)
- 1988: Die Männer vom K3 – (Folge Schützenfest)
- 1991: Die Männer vom K3 – (Folge Auge um Auge)
- 1996: Unser Mann (3 Folgen)
- 1997: Liebling Kreuzberg (Folge Unter uns Machos)
- 1999: Das Traumschiff – Namibia
- 1999: Tatort – Traumhaus
- 1999: Polizeiruf 110 – Mordsfreunde
- 1999: Polizeiruf 110 – Kopfgeldjäger
- 2000: Die Motorrad Cops (Folge Ghetto-Kids)
- 2000: Der Havelkaiser (2 Folgen)
- 2000: Adelheid und ihre Mörder (Folge Glas in Gelee)
- 2001: Ein starkes Team – Lug und Trug
- 2002: Tatort: Schatten
- 2002: Blond: Eva Blond! – Der Mörder spricht das Urteil
- 2004: Der Bulle von Tölz – Der Tölzi
- 2006: Pfarrer Braun – Drei Särge und ein Baby
- 2008: Das Traumschiff – Kilimandscharo-Malediven-Indien
- 2008: Wilsberg – Das Jubiläum
- 2008: Im Tal der wilden Rosen – Fluss der Liebe
- 2009: Mord in bester Gesellschaft – Der süße Duft des Bösen
- 2009–2010: Unser Charly
- 2009: Utta Danella – Schokolade im Sommer
- 2009: Inga Lindström – Mia und ihre Schwestern
- 2009: Rosamunde Pilcher: Lass es Liebe sein
- 2009: Kreuzfahrt ins Glück – Hochzeitsreise nach Marrakesh
- 2010: SOKO Kitzbühel (Folge Ganz in weiß)
- 2011: Das Traumschiff – Kambodscha
- 2011: Dora Heldt: Tante Inge haut ab
- 2013: Kreuzfahrt ins Glück – Hochzeitsreise nach Sizilien
- 2013: Utta Danella – Wer küsst den Doc?
- 2013: Bella (Folge: Umtausch ausgeschlossen)
- 2014: Dora Heldt – Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!
- 2014: Bella (Folge Hier zieht keiner aus!)
- 2014: Inga Lindström – Sterne über Öland
- 2014: Katie Fforde – Wie Feuer und Wasser
- 2015: Tatort: Roomservice
- 2016–2019: Frühling (8 Folgen)
- 2016: Zeit für Frühling
- 2016: Hundertmal Frühling
- 2017: Schritt ins Licht
- 2017: Zu früh geträumt
- 2017: Nichts gegen Papa
- 2018: Wenn Kraniche fliegen
- 2019: Sand unter den Füßen
- 2019: Weihnachtswunder
- 2016: Emma nach Mitternacht – Frau Hölle
- 2018: Tatort: Kopper
- 2019: Katie Fforde – Wachgeküsst
- 2019: Das Traumschiff – Sambia
- 2020: Lucie. Läuft doch! (8 Folgen)
Hörspiele
- 1974: Trau schau wem (Louis C. Thomas); Fabrice; SDR
- 1976' Dr. Enteklemmer (Thaddäus Troll); Eugen; SDR
- 1976: Glory glory halleluja oder Das Soldatengewerbe (Heinz von Cramer); SDR
- 1977: Morgen um diese Zeit (Ngũgĩ wa Thiong’o); Dritter Kunde; SDR
- 1978: … dicker als Wasser (Henry Slesar); Rowdy; SDR
- 1978: Immanuel Kant (Thomas Bernhard); DLR[16]
- 1978: Nür-Üls traurige Reise ins große Fabrikland (Peter Steinbach); Ibrahim Bostaci; SWF
- 1979: Keine Stimme in der Welt (Helmut Walbert); SDR
- 1979: Paris schweigt (Albert Camus); SDR
- 1984: Die chinesische Schale (Roderick Wilkinson); David Laidlaw; SDR
- 2018: Der nasse Fisch. Die Hörspielserie zu Babylon Berlin (Volker Kutscher); Ernst Gennat (Kriminalrat); RB / WDR / RBB
Auszeichnungen
- 1975, 1977: Schauspieler des Jahres am Staatstheater Stuttgart
Autobiografie
- Peter Sattmann: Mein Leben ist kein Drehbuch – Zeitpfeiler. Droemer, München 2019, ISBN 978-3-426-27789-8.
Literatur
- Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 861.
Weblinks
- Literatur von und über Peter Sattmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Peter Sattmann bei IMDb