Peter Sylvester
deutscher Maler und Grafiker
From Wikipedia, the free encyclopedia
Leben
Nach seinem Grundschulabschluss absolvierte Sylvester von 1951 bis 1954 eine Facharbeiterausbildung zum Chemigrafen. Von 1954 bis 1957 war er in Erfurt und Jena in seinem Beruf tätig und bis 1964 auch in Leipzig, wohin er 1958 übergesiedelt war.
1952 erhielt er durch Karl Jüttner und Heinz Boesemann (1899–1962) erste Kontakte zur bildenden Kunst, und er beschäftigte sich aktiv mit den Werken von Hans Hartung, Pierre Soulages, Paul Klee und Wassily Kandinsky. In die Jahre 1955/56 fallen erste Versuche der Malerei, nicht zuletzt auch intensiviert durch einen Besuch im Atelier des Malers Max Ackermann in Stuttgart. In Jena begann Sylvester mit autodidaktischen Studien im Archäologischen Institut der Universität Jena, und von 1956 bis 1959 war er Gasthörer das Kunsthistorische Institut der Universität. Er unterhielt Kontakt zu Kurt Hanf, Emma Hübner und Lothar Zitzmann. Seine Malausbildung blieb jedoch autodidaktisch. Von 1960 bis 1962 belegte er bei Horst Arloth und Gerhard Eichhorn die Abendakademie der Hochschule für Grafik und Buchkunst und begann seine grafische Arbeit in ihren Werkstätten für Lithografie und Radierung.
Ab 1964 war Sylvester in Leipzig freischaffend tätig, wobei er anfangs vor allem Werbeaufträge für die Leipziger Messe abarbeitete. Er war ab 1963 Kandidat und von 1967 bis 1990 Mitglied des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands (ab 1970 Verband Bildender Künstler der DDR) und hatte ab 1962 in der Zeit der DDR im In- und Ausland eine außerordentlich große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1972 bis 1988 an der VII. bis X. Kunstausstellung der DDR in Dresden. 1972 gründete er mit weiteren Leipziger Künstlern die Leipziger Grafikbörse als erste jury- und damit zensurfreie Künstlervereinigung der DDR, die jährliche Grafikausstellungen durchführte und heute noch aktiv ist.[1] Anlässlich der 15. Ausstellung wurde Sylvester 1987 ihr Leiter und war nach der Umwandlung in einen eingetragenen Verein von 1991 bis zu seinem Tod dessen Vorsitzender.
Studienreisen führten ihn unter anderem nach Dalmatien, Mittelasien, Italien und Frankreich. Auf einer Frankreichreise 1981 begegnete er Victor Vasarely in dessen Landhaus in Gordes. Es folgten 1983, 1984 und 1985 Arbeitsaufenthalte als Gast in der Cité Internationale des Arts Paris und in Aix-en-Provence bzw. Morlans/Mont Ventoux (Provence).
1993 wurde er Mitglied der Association du Chemin Vert-Atelier Gravure, Paris. 1994 nahm er am Symposium „Naturwissenschaft und Kunst“ der Universität Leipzig teil. Er beteiligte sich auch mehrfach an den Gaterslebener Begegnungen, wo Naturwissenschaftler, Schriftsteller, Künstler, Publizisten und Politiker zu philosophischen Fragen aus Natur und Gesellschaft Stellung nehmen.[2]
Ehrungen
- 1974: Medaille der V. Internationalen Grafikbiennale Krakau
- 1976: Preis für Farbgrafik im Wettbewerb 100 ausgewählte Grafiken
- 1976 bis 1979: Preisträger im Wettbewerb 100 ausgewählte Grafiken
- 1977: 2. Preis im Wettbewerb 60. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution
- 1987: Kunstpreis der Stadt Leipzig.
Stil und Thematik

Sylvester begann als Grafiker zunächst mit der klassischen Radierung, wobei er schließlich die Flächen in Facetten zerlegte. Dann wandte er sich der Serigraphie zu und entwickelte sie zur fotomechanischen Drucktechnik in Perfektion. Er war bald der Serigraphiker in der DDR.[3]
Schließlich bezog er auch zunächst kunstferne Techniken in sein Instrumentarium ein. Ab 1976 benutzte er ein auf Videotechnik basierendes und im Zentralinstitut für Isotopen- und Strahlenforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR zur Auswertung wissenschaftlicher Bildvorlagen entwickeltes Gerät, das Densitron, um damit zum Beispiel flächige Grafiken wie Aquatinta zu bearbeiten. Bei flächigen Vorlagen ermöglichte das Densitron die Einführung von Farben und ein experimentelles „Spielen“ mit ihnen. Das war lange Zeit vor der Bildbearbeitung durch den Personal Computer. Schließlich kombinierte er verschiedene dieser Techniken und kam so zu seiner speziellen künstlerischen Ausdrucksweise.
Im Mittelpunkt seines Schaffens stand die Natur. Aber bereits 1965 entwarf er erste abstrahierte Landschaften aus Architektur- und Landschaftsmotiven. Es fanden sich auch Ähnlichkeiten mit den surrealen Landschaftsformen der geschundenen Natur der Abraumfelder in den Braunkohletagebauen des Leipziger Südraums. Aber die Abstraktion ging über das Irdische hinaus. 1968 entstanden erste kosmische Landschaften. Es wurden immer mehr Prozesse des Entstehens und Vergehens phantastischer Landschaften einbezogen. Er selbst sagte dazu:
„Hier verband sich meine Ursehnsucht, von bekannten Landschaftsräumen weg zu sehr befremdend wirkenden Welten zu kommen – zu Chaoslandschaften, wo alles in einem ungeheuren Fluß ist, wo Bedrohliches darüber steht, wo man die Natur noch in einem kleinen Winkel ahnt […] – ist das noch Naturwelt oder kommende oder vergangene Welt …?“

Rezeption
"Sylvester ist einer der experimentierfreudigsten und technisch souveränsten Graphiker der DDR."
Einzelausstellungen (unvollständig)
- Leipzig 1962 – Galerie Engewald,
- Stuttgart 1970 – Kunstkreis Leinfelden
- Altenburg 1980 – Lindenau-Museum
- Jena 1981 – Carl-Zeiss-Stiftung
- Leipzig 1983 – Kulturbundgalerie Technische Hochschule
- Berlin 1984 – Galerie Unter den Linden
- Ratzeburg 1989 – A. Paul Weber Museum
- Berlin 1991 – Blue Point Gallery
- Aalborg/Dänemark 1993 – Kunsthalle
- Leipzig 1994 – Kustodie der Universität
- Leipzig 1995 – Antikenmuseum der Universität
- Chemnitz 1998 – Neue Sächsische Galerie
- Leipzig 2007 – Hochschule für Telekommunikation
- Bad Steben 2008 – Grafik-Museum Stiftung Schreiner
- Dessau 2008 – Orangerie des Schlosses Georgium
- Leipzig 2011 – Hotel Mercure
- Rostock 2018/2019 – Kunsthalle Rostock[5]
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Sylvesters (unvollständig)
Der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) verzeichnete folgende Einrichtungen, in denen sich Arbeiten von Peter Sylvester in öffentlichem Besitz befinden:[6]
Aalborg, KUNSTEN – Museum of modern art | Altenburg, Lindenau-Museum | Berlin, Kupferstichkabinett | Dresden, Städtische Galerie Grafische Sammlung | Erfurt, Angermuseum | Leipzig, Museum der bildenden Künste | Halle (Saale), Kunstmuseum Moritzburg | Oberhausen, Ludwig Galerie Schloss Oberhausen | Paris, Nationalbibliothek | Prag, Nationalgalerie | Quedlinburg, Lyonel-Feininger-Galerie | Rostock, Kunsthalle | Schwerin, Staatliches Museum | Warschau, Nationalmuseum.
Weitere
- Berlin: Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank
- Dresden: Kunstgewerbemuseum
- Gera: Kunstsammlung Gera in der Orangerie
- Leipzig: Kunsthalle der Sparkasse Leipzig[7]
- Saalfeld: Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
Literatur (chronologisch)
- Renate Hartleb: Künstler in Leipzig. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, 1976, S. 15 und passim
- Lothar Lang: Malerei und Graphik in der DDR. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1983, S. 385 und passim
- Susann Hoch: Peter Sylvester, in Lust und Last – Leipziger Kunst seit 1945, (Hrsg. Herwig Guratzsch, Georg Ulrich Großmann), Cantz Verlag, Ostfildern 1997, ISBN 3-89322-907-8, S. 385–386
- Ulrike Bernard, Claus Baumann, Rainer Behrends, Dieter Gleisberg: Peter Sylvester.Raumzeit-Visionen – Malerei und Grafik aus vier Jahrzehnten. Passage-Verlag, Leipzig 1999, ISBN 978-3-932900-10-5
- Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. PROLEIPZIG, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8, S. 583–584
- Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 939/940
Weblinks
- Website Peter Sylvester ( vom 8. Februar 2021 im Internet Archive)
- Bildindex der Kunst & Architektur - Startseite Bildindex
- Peter Sylvester | Galerie Koenitz
- Künstler S: Sylvester, Peter
- künstler_peter_sylvester | GALERIE SUED
- Sylvester, Peter Kunstausstellung Kühl