Peter Vaupel

deutscher Arzt und Physiologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Peter W. Vaupel (* 21. August 1943 in Lemberg, Pfalz) ist ein deutscher Arzt und Physiologe/Pathophysiologe. 1989–2008 war er Leiter des Instituts für Physiologie und Pathophysiologie im Fachbereich Medizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, danach 2008–2019 Gastprofessor für Tumor-Pathophysiologie, Strategieberater an der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie sowie Expert Lecturer im Masterstudiengang Radiation Biology am Klinikum rechts der Isar der TU München tätig. Seit Oktober 2019 ist Peter Vaupel Gastprofessor an der Klinik für Strahlenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg/Br.

Leben

Erste Jahre

Nach dem Besuch der Volksschule seines Geburtsortes und des damaligen Staatlichen Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums in Pirmasens studierte Peter Vaupel von 1963 bis 1968 Medizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Von 1965 bis 1968 war er Doktorand und Wissenschaftliche Hilfskraft am Physiologischen Institut der Universität Mainz. Mit einer Dissertation zur Thermodiffusion von Ionen durch Zellmembranen wurde er 1969 zum Dr. med. promoviert. Nach der Medizinalassistentenzeit im Städtischen Krankenhaus in Pirmasens erhielt er 1970 die Approbation als Arzt. Im gleichen Jahr nahm er seine medizinisch-wissenschaftliche Tätigkeit bei Gerhard Thews am damaligen Institut für Physiologie der Universität auf. Unterbrochen wurde diese Forschungs- und Lehraktivität 1972/1977 durch Wehrdienste als Stabsarzt beziehungsweise Oberstabsarzt.

Professor

Im Frühjahr 1974 habilitierte er sich mit einer Schrift zur Sauerstoffversorgung bösartiger Tumoren und wurde gleichzeitig zum Professor an der Universität Mainz ernannt. 1979 nahm er eine Einladung als Gastprofessor an das Henry Ford Hospital in Detroit an. Die Ernennung zum Leiter der Abteilung für Angewandte Physiologie am Fachbereich Medizin der Universität Mainz folgte 1983. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auf dem Gebiet der Durchblutung und Sauerstoffverteilung und des Mikromilieus im Krebsgewebe erhielt er 1986 einen Ruf als Full Professor an die Harvard University. Während einer sehr produktiven Forschungsperiode in seiner Funktion als Andrew Werk Cook Professor für Strahlenbiologie, Tumorbiologie und Physiologie erhielt er einen Ruf an die Universität Münster, den er ablehnte, und einen nach Mainz. Nach Annahme des letzteren übernahm er 1989 den Lehrstuhl für Pathophysiologie im Fachbereich Medizin der Johannes Gutenberg-Universität, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 innehatte. Seit Oktober 2008 ist er in der Sektion Tumor-Pathophysiologie an der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie der Universitätsmedizin Mainz tätig. 2011 war Peter Vaupel Gastprofessor am Department of Physiology, Batterjee Medical College in Dschidda.

Peter Vaupel ist seit vielen Jahren ein Referent bei internationalen Kongressen und wissenschaftlicher Gutachter. Er war über viele Jahre Mitglied der Medizinischen Sachverständigenkommission des Instituts für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) und Fachgutachter des Projects Committee of Cancer Research von Großbritannien (CRUK). Zehn Jahre lang war er Vorsitzender des Bereichsausschusses Vorklinik des Fachbereichs Medizin in Mainz und Prodekan (1997 bis 1999). Seit 1998 ist Peter Vaupel Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz.[1] Von 1999 bis 2003 war er Vorsitzender deren Kommission für Medizinforschung.

Bekannt geworden ist Peter Vaupel unter anderem als Mitherausgeber der beiden Lehrbücher Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen (1980, mit Gerhard Thews und Ernst Mutschler; 7. Auflage mit Hans-Georg Schaible und Ernst Mutschler 2015) und Vegetative Physiologie (1981, mit Gerhard Thews; 5. Auflage 2005). Beide Bücher gelten als Standardwerke. Darüber hinaus ist er Autor/Koautor von 650 wissenschaftlichen Publikationen und 800 Vorträgen/Präsentationen, sowie (Mit-)Herausgeber von 17 Fachbüchern zur Pathophysiologie bösartiger Tumore. Die von Web of Science, Semantic Scholar bzw. ResearchGate erfassten Publikationen wurden über 38000-mal zitiert (davon 805 „highly influential citations“, gemäß Semantic Scholar). Vaupel ist damit einer der weltweit meistzitierten Pathophysiologen. Der aktuelle h-Index liegt bei 80. Zusammen mit Michael Höckel vom Universitätsklinikum Leipzig beschrieb Peter Vaupel 1993 erstmals den wegweisenden Mechanismus der Aggressionssteigerung (malignen Progression) bei Sauerstoff-verarmten (hypoxischen) Tumoren.[2]

Tätigkeiten in wissenschaftlichen Gesellschaften und Stiftungen

  • 1983–1984, 1991 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mikrozirkulation
  • 1988 Invited Nominator for the Nobel Prize in Physiology or Medicine for 1989, Letter of Invitation, The Nobel Committee for Physiology or Medicine, Stockholm, Sweden
  • 1991–1992 Präsident der International Society on Oxygen Transport to Tissue (ISOTT)
  • 1989–2008 Kommissionsvorsitzender des Boehringer-Ingelheim-Forschungspreises (Mainz)
  • seit 1993 Stiftungsrat der „Dr. med. h.c. Erwin Braun Stiftung“ (Basel)
  • 1996–2021 Vorsitzender der „Wulf Vater-Stiftung“ (Wulf Vater-Dihydropyridine-Forschungspreis, Mainz)
  • 2010 Gründungsmitglied der „International Society of Primo Vascular System[3]

Ehrungen

Das wissenschaftliche Wirken von Peter Vaupel wurde mit zahlreichen wissenschaftlichen Preisen/Ehrungen ausgezeichnet:

  • Boehringer-Ingelheim-Forschungspreis 1974,
  • Honorary Master’s Degree (M.A.) der Harvard University, 1988
  • Lund-Science-Award 1989,
  • Award der European Society of Hyperthermic Oncology (ESHO) 2004,
  • 1st Robert F. Kallman Memorial Lecture der Stanford University Medical School 2004,
  • Award of the Indian Association Hyperthermia Oncology and Medicine 2008,
  • 1st Lifetime Achievement Award der IAHOM, Indien 2012,
  • A. Kovach Memorial Lecture der International Society on Oxygen Transport to Tissue (ISOTT) 2012,
  • The Outstanding Research Award, International Conference on Tumor Microenvironment, Miami 2013,
  • Ehrenmitglied der Scientific Association of Swiss Radiation Oncology (SASRO) 2004,
  • Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) 2006,
  • Honorary Member of the Society for Radiation Research (SRR) 2015
  • DGHT-Award zur Würdigung besonderer Leistungen für die Hyperthermie 2016[4]
  • Establishment „Peter Vaupel Honorary Lecture“, International Society on Oxygen Transport to Tissue (ISOTT), 2016
  • Hon. Visiting Professor, Odessa National Medical University. Election and Appointment by Academic Council, June 24, 2019
  • 2nd Lifetime Achievement Award der IAHOM, Indien 2020[5]
  • Medal of Honor, Meritorious Service Award, International Society on Oxygen Transport to Tissue (ISOTT), Tokyo 2023
  • Award "Best Oral Presentation", Internatl. Congress Hyperthermic Oncology (ICHO), Seoul 2025 (Coauthor: M. Notter, Bern)
  • Altmetric Attention Score: Standardwerke zur Tumorhypoxie, zum Tumormikromilieu und zum Warburg-Effekt, 2025
  • Long-Term Member Appreciation Award, American Association for Cancer Research (AACR), 2026

Literatur

Einzelnachweise

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