Petersbergl

leichte Erhebung in der Altstadt von München From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Petersbergl ist eine natürliche Erhebung innerhalb der historischen Altstadt der Landeshauptstadt München in Bayern. Beherrscht wird die Anhöhe durch den Bau der Peterskirche, die von dem relativ engen Petersplatz umgeben ist.

Metzgerzeile am Viktualienmarkt mit Aufgang zum Petersbergl

Lage

Das Petersbergl liegt südlich des Marienplatzes und nördlich des Rosentals an der Hangkante der Altstadtterrasse an einer Stelle, wo diese einen Vorsprung nach Osten hat. Östlich der Hangkante liegen an dieser Stelle die Heilig-Geist-Kirche und der Viktualienmarkt. Im Westen zieht sich der Rindermarkt vom Marienplatz aus den Südhang des Petersbergls hinab zum Rosental.

Beschreibung

Nordseite des Petersplatzes

Als Erhebung ist das Petersbergl vor allem von Süden und Osten aus ersichtlich. So beträgt der Höhenunterschied vom Petersbergl hinunter zum Viktualienmarkt und zum Tal etwa drei Meter und zum Rosental etwa zwei Meter, zum Marienplatz hin dagegen nur etwa einen Meter.

Zentral auf dem Petersbergl steht die Pfarrkirche Sankt Peter, deren im Volksmund Alter Peter genannter Turm zu Münchens Wahrzeichen zählt. Sie ist die älteste Pfarrkirche Münchens. Umgeben wird die Kirche vom Petersplatz, dessen Nord- und Südseite dicht bebaut ist.

An der Nordseite des Petersplatzes stehen die Rückfronten der Häuser, deren Vorderfronten zum Marienplatz gerichtet sind. An der Ostseite wird der Petersplatz von der Terrasse des Café Rischart begrenzt, die vom Viktualienmarkt aus gesehen das Flachdach der an die Hangkante angebauten Metzgerzeile bildet. Im Südosten des Petersplatzes führt eine Fußgängerstraße hinunter zum Viktualienmarkt, in der Nordostecke des Platzes eine Freitreppe zum Turm des Alten Rathauses. Die Südseite des Platzes wird von den Fassaden vier- bis fünfgeschossiger Bauten gebildet, die größtenteils aus dem frühen 19. Jahrhundert stammen und von denen die meisten unter Denkmalschutz stehen (siehe unten).

Geschichte

Petersbergl im 16. Jahrhundert

Eine Besiedelung des Petersbergls vor der ersten Erwähnung Münchens 1158 ist nicht nachweisbar. Die oft vertretene Annahme einer vor der Stadtgründung existierenden Mönchssiedlung von Tegernseer Mönchen auf dem Petersbergl beruht auf einer falschen Deutung eines in Tegernseer Urkunden genannten München, was sich jedoch auf das heutige Ostermünchen bezieht.[1] Die ältesten archäologisch gesicherten Siedlungsbefunde auf dem Petersbergl sind drei Mauern eines rechteckigen Raums (sogenannter „Alter Raum“) unter der Peterskirche, die bei den 1952/53 von Erwin Schleich durchgeführten Ausgrabungen gefundenen wurden. Entgegen der Auffassung Schleichs, sie seien römischen Ursprungs, wird dies nach neuerem Kenntnisstand ausgeschlossen, und die Mauern werden etwa auf die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert.[2]

Häuserzeile am Osthang des Petersbergls, links die Fleischbank

Von Stadthistorikern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde auf dem Petersbergl ein Burgstall vermutet, wo eine von Heinrich dem Löwen errichtete Burg gestanden haben soll.[3] Dafür gibt es aber weder historische noch überzeugende archäologische Zeugnisse.[4] Der Alte Raum wird mittlerweile als Überrest einer Zollstation[5] angesehen. Die Burg Heinrichs des Löwen wird stattdessen an der Stelle des Alten Hofs verortet.[6] Jüngere archäologische Funde beziehen sich auf die Baugeschichte der Peterskirche, deren mehrmals erweiterter Vorgängerbau bereits im späten 12. Jahrhundert errichtet wurde.[2]

Karte mit der baulichen Situation um die Peterskirche in der Mitte des 19. Jahrhunderts

Die Kirche war ursprünglich von einem Friedhof umgeben, der 1789 aufgelöst wurde. Noch in den Adressbüchern zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird der Platz um die Kirche als „St. Peters Freithof“ bezeichnet. Erst im Adressbuch von 1818 findet sich die heutige Bezeichnung Petersplatz. Volkstümlich wird auch für den Platz die Bezeichnung „Petersbergl“ verwendet.[7]

Bebauung an der Ostseite des Petersplatzes um 1805

Der Petersplatz war vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert auf der Nord- und Ostseite enger bebaut als gegenwärtig. Das Eckhaus Marienplatz 21 reichte mit seiner Rückfront schon im 19. Jahrhundert bis zum Petersplatz. Östlich davon standen auf der Nordseite des Petersplatzes zwei schmale dreigeschossige Walmdachhäuser. Die Nordostecke des Platzes wurde durch das L-förmige Kleine Rathaus gebildet. Diese Bauten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wiederaufgebaut.[8]

Bebauung an der Ostseite des Petersplatzes um 1879

Südlich schloss sich an das Kleine Rathaus eine langgestreckte Bebauung mit zwei- bis dreigeschossigen Häusern an der Hangkante des Petersbergls an, die die östliche Begrenzung des Petersplatzes bildeten. Dort stand zwischen zwei höheren Häusern eingespannt die sogenannte Wieskapelle aus dem 14. Jahrhundert. Der südlichste Bau dieser Reihe war die Petersschule, an deren Südende eine Durchfahrt den Hang hinunter über den Roßschwemmbach zum Heilig-Geist-Spital führte. Dieser Teil des Gebäudes wurde im 19. Jahrhundert abgerissen, um einen offenen Durchgang zum neu errichteten Viktualienmarkt zu schaffen.

Nachdem 1870 die Fleischbank am Fuß des Petersbergls abgebrochen worden war, wurde 1880 auch die gesamte Ostbebauung des Petersplatzes zum Bau der neuen Metzgerzeile abgerissen. Die Dachterrasse der Metzgerzeile bildet seither den östlichen Abschluss des Petersplatzes. Durch den Verzicht auf eine höhere Bebauung wurde damit eine offene Sichtverbindung zwischen Petersbergl und Viktualienmarkt geschaffen, die einerseits vom Viktualienmarkt aus gesehen den hochgelegenen Dreikonchenchor der Peterskirche dominant über der Metzgerzeile erscheinen ließ und andererseits den Blick vom Petersbergl auf die Heilig-Geist-Kirche freigab, die 1885/88 um drei Joche nach Westen erweitert und mit einer neobarocken Westfassade versehen wurde.[8]

Die ursprünglich der Pfarrei gehörenden Bauten auf der Südseite des Platzes, darunter auch das südlich der Petersschule gelegene bisherige Pfarrhaus und die benachbarte mittelalterliche Nikolauskapelle, wurden 1806 nach der Säkularisation in Bayern versteigert. Neues Pfarrhaus wurde das bereits 1788 neu errichtete Eckhaus zum Rindermarkt. Die baufälligen Häuser wurden abgerissen und durch eine vier- bis fünfgeschossige Bebauung im klassizistischen Stil ersetzt. Durch einen konkaven Knick zwischen dem Eckbau zum Viktualienmarkt und den Fassaden der übrigen Bauten ist der Südteil des Petersplatzes leicht erweitert. Diese Häuserzeile wurde teilweise verändert und in der Fassadengestaltung vereinfacht, ist aber im Wesentlichen erhalten geblieben. Sie bildet eine der wenigen noch bestehenden zusammenhängenden Altstadthäusergruppen Münchens.[9]

Denkmalschutz

Südseite des Petersplatzes mit (von links) Nr. 8–11 und Rindermarkt 1

Das Petersbergl ist Teil des Denkmalensembles Altstadt. Außerdem sind die Kirche St. Peter und die Häuser Petersplatz 8, Petersplatz 9 und Petersplatz 10 auf der Südseite des Petersplatzes einzeln als Baudenkmäler in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.[10]

Denkmalgeschützt sind auch das Pfarrhaus an der Ecke zum Rindermarkt, das mit seiner Rückseite am Petersplatz liegende Wohn- und Geschäftshaus Marienplatz 21 sowie der dem Haus Petersplatz 8 am Abgang vom Petersbergl zum Viktualienmarkt gegenüberliegende Südteil der Metzgerzeile.[11]

Literarische Verarbeitung

Das Petersbergl wird im ersten Vers der von dem Münchner Volkssänger Michl Huber verfassten „Stadthymne“ Münchens Solang der alte Peter genannt, wo es heißt: „Solang der alte Peter am Petersbergerl steht“.

Literatur

  • Gerhard Ongyerth: Petersbergl. In: Münchner Bergführer. 100 Stadtberge, Bergl und Berganstiege. Franz Schiermeier Verlag, München 2015, ISBN 978-3-943866-32-2, Kap. A.9.
  • Petersplatz. In: Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München – Mitte (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.2/1). Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 759772.
Commons: Petersbergl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI