Pfauenthron

Sessel der Afschariden From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Pfauenthron (persisch تخت طاووس, DMG Taḫt-e Tāvūs, ‚Tacht-e Tavus‘) war ein aus Gold und angeblich 26.733 Edelsteinen verzierter Thronsessel der Großmoguln des indo-islamischen Mogulreiches in Nordindien.

Der indische Großmogul Shah Jahan auf einem Thron, möglicherweise dem Pfauenthron. Gemälde des Malers Govardhan, um 1635.
Nader Schah auf dem Pfauenthron

Er wurde im frühen 17. Jahrhundert im Auftrag von Shah Jahan angefertigt und stand im Audienzsaal des Roten Forts in Delhi. Gefertigt aus 1150 kg massivem Gold und Silber soll er mit 230 kg Edelsteinen und Perlen, darunter Diamanten, Saphiren, Rubinen und Smaragden[1] geschmückt gewesen sein, auch die berühmten Steine Koh-i-Noor und Timur-Rubin waren darunter (beide sind heute im Besitz der britischen Royal Collection). Daher soll dieser Thron Shah Jahan doppelt so viel gekostet haben wie das Grabmal seiner Frau, das Taj Mahal.[2]

Der Thron hatte die klassische Form eines orientalischen Liegesitzes, überdacht von einem Baldachin. Er stand auf goldenen, juwelenbesetzen Füßen, einige Stufen führten zur Sitzfläche empor. Im Hintergrund befanden sich Darstellungen von zwei Pfauen mit zum Rad geöffneten Pfauenschwänzen, vergoldet, emailliert und mit Diamanten, Rubinen und anderen Steinen besetzt.[3] Um die Pfauen herum befanden sich naturgetreue Darstellungen anderer Tiere, darunter Löwen, Tiger und Adler, alle mit Juwelen geschmückt. Der Thron wurde allerdings ursprünglich nicht „Pfauenthron“ genannt, sondern war zunächst als „Juwelenthron“ oder „Verzierter Thron“ (Takht-Murassa) bekannt. Er wurde am 22. März 1635 in einer prunkvollen Zeremonie enthüllt, einem Datum, das von den Hofastrologen ausgewählt war und zugleich mit dem Ende des Ramadan und dem persischen Neujahrsfest zusammenfiel.[4]

Nader Schah, der Begründer der iranischen Afschariden-Dynastie, soll den Pfauenthron auf einem 1739 durchgeführten Feldzug gegen die Mogul-Dynastie in Indien erbeutet und nach Persien gebracht haben. Bevor er Indien verließ, ließ er einen Diwan im gleichen Stil anfertigen und brachte beide Pfauenthrone zurück in den Iran, nur um sie beide anschließend in einem Krieg mit den Kurden zu verlieren, welche die Throne dann offenbar zerlegten und die Edelsteine und Metalle unter sich aufteilten.[5] Es wird vermutet, dass der Thron nach der Ermordung Nader Schahs 1747, als sein Reich zerfiel und von verschiedenen Warlords aufgeteilt wurde, in deren Hände gefallen sei.[6] Jedenfalls ist er seither verschollen.

Die Abbildung des indischen Großmoguls Shah Jahan auf einem kleinen Thron um 1635 gibt einen Eindruck von der vermuteten Form des originalen Pfauenthrons. Die erhaltenen Bilder sollen allerdings nur eine Replik darstellen, welche im Mogulreich nach dem Raub angefertigt wurde.[7]

Fath-Ali Schah (1771–1834) aus der iranischen Kadscharen-Dynastie gab in Isfahan einen neuen Thron in Auftrag, der in Anlehnung an seine Lieblingsfrau, die Tavus („Pfau“) hieß, wieder Pfauenthron genannt wurde. Es gibt Hinweise, dass für diesen zweiten Pfauenthron Fragmente des Originals verwendet wurden. Gesichert ist dies jedoch nicht. Dieses Exemplar gehört zur Sammlung des Nationalen Juwelenmuseums in Teheran, das sich im Untergeschoss der Nationalbank im Zentrum Teherans befindet.

Zu Zeiten der Kadscharen (1779–1925) und später der Pahlavi (1925–1979) wurde die Krönung des neuen Schahs von Persien auf dem sogenannten „Nader-Thron“ persisch تخت نادر, DMG Taḫt-e Nāder, ‚Tacht-e Nader‘ durchgeführt, der nach europäischem Vorbild als Sitzthron gestaltet ist.

Der Name „Pfauenthron“ wurde trotz des Verlustes des originalen Möbels zum Synonym für die iranische Monarchie. Soraya Esfandiary Bachtiyārī wurde von der Regenbogenpresse regelmäßig als die „Deutsche auf dem Pfauenthron“ bezeichnet, weil ihre Mutter Eva Carl eine Deutsche war (Ehefrau des damaligen iranischen Botschafters in Deutschland, Khalil Esfandiary Bakhtiary). Ihre Krönung fand allerdings auf einem schlichten, achämenidischen Vorbildern nachempfundenen Thronsessel statt.

Commons: Pfauenthron – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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