Pflegestelle

zeitweise Haltung eines Tieres in der eigenen Wohnung im Sinne dies Tierschutzes From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Pflegestelle bezeichnet die Haltung eines Tieres in der eigenen Wohnung in Zusammenarbeit mit einem Tierheim oder Tierverein. Meist handelt es sich um eine übergangsweise Haltung von Tieren aus Tierheimen oder aus dem Auslandstierschutz im Hinblick auf eine Vermittlung des Tieres. Es handelt sich in den meisten Fällen um Hunde oder Katzen.[1]

Pflegestellen werden nicht nur für Haustiere und ihre Vermittlung eingesetzt, sondern auch für die temporäre Aufzucht von Fundtieren bestimmter Wildtierarten, etwa Eichhörnchen.[2]

Der Begriff ist in allen deutschsprachigen Staaten verbreitet und wird sowohl für die Tierhalter bzw. ihre Tätigkeit als auch für die Unterbringung verwendet: Man spricht von Aufgaben „als Pflegestelle“ und von Tieren „auf Pflegestellen“.

Beschreibung

Die Tätigkeit als Pflegestelle ist üblicherweise ehrenamtlich, wobei Einzelheiten in einem Pflegestellenvertrag geregelt sind, der mit der vermittelnden Tierschutzorganisation abgeschlossen wird. Die Anmeldung des Tieres bei der Gemeinde und gegebenenfalls die Vorschriften der Hundesteuer sind zu beachten.

Normalerweise regelt dieser Vertrag, dass die Tierschutzorganisation Eigentümer bleibt, die Pflegestelle Tierhalter auf Zeit ist und beispielsweise für Futter, Unterkunft, Pflege und artgerechte Haltung sorgt und die Rechte und Pflichten der Tierhaltung übernimmt. Er regelt unter anderem, wer für die Kosten für Transport, Tierarztkosten, Futter und Zubehör aufkommt, wer für Schäden haftet inwieweit eine Tierhalterhaftpflichtversicherung besteht oder abzuschließen ist, inwieweit bei Inkompatibilität oder in einem Notfall eine eventuelle Rücknahme bzw. einen Pflegestellenwechsel vorgesehen ist und ob die Möglichkeit besteht, das Tier dauerhaft zu übernehmen.

Die Tiere können sich auf ihrer Pflegestelle erholen, sich an neue Situationen gewöhnen und in ihrem Verhalten eingeschätzt werden. Die Pflegestelle kann das betreffende Tierheim oder den Tierschutzverein über den Charakter, Unverträglichkeiten und Gewohnheiten des Tieres aufklären und so bei der Vermittlung unterstützen.[3]

Organisationen vermitteln Hunde oder Katzen aus dem Ausland sowohl über Pflegestellen als auch zur Direktübernahme (durch die „Endstelle“). Tiere, die aus dem Ausland zur Pflegestelle gelangen, kommen im Allgemeinen aus privaten oder öffentlichen Tierheimen des Tierschutzes und werden durch die Organisation in Absprache mit der Pflegestelle ausgewählt. Tiere, die aus dem Inland zu einer Pflegestelle gelangen, sind teils Notfälle, die umgehend unterzubringen sind.[4] Wie lange das Tier auf seiner Pflegestelle bleibt, ist meist nicht abzusehen.

Wirkung auf Mensch und Tier

Für die ein Tier betreuenden Personen kann die Tätigkeit Forschungen zufolge sowohl positive Erfahrungen in Bezug auf persönliche Entwicklung und soziale Beziehungen als auch negative Erfahrungen in Bezug auf Stress und Mitgefühlserschöpfung (compassion fatigue) bedeuten.[5] Zudem wird von positiven Gesundheitsauswirkungen bei Mensch und Tier berichtet.[6] Forschungsergebnissen zufolge hat diese übergangsweise Tierhaltung sowohl für das Tier als auch die betreuende Person positive Kurzzeit- und Langzeitauswirkungen.[7] Personen, die Welpen oder Tiere mit besonderen Bedürfnissen betreut haben, berichten häufiger von eigenen Überlegungen, wegen Burn-outs mit der Tätigkeit aufzuhören.[8]

Gesetzliche Regelungen und Praxis in einzelnen Staaten

Deutschland

In Deutschland unterliegt eine nicht gewerbsmäßige Pflegestelle, in der die Tierhaltung Teil der Wohnnutzung ist und die Zahl der untergebrachten Hunde oder Katzen sich im Rahmen eines gängigen privaten Umgangs mit Haustieren bewegt, nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Oktober 2008 nicht der Erlaubnispflicht nach § 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 TierSchG, da sie keine tierheimähnliche Einrichtung im Sinne dieses Gesetzes ist.[9] Unabhängig davon sieht § 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 TierSchG eine Erlaubnispflicht vor, sofern Tiere aus dem Ausland nach Deutschland verbracht werden.[10]

Seit 2011 setzt der Verein „Omihunde-Netzwerk“ Senioren als Pflegestellen für ältere, in Not geratene Hunde ein.[11]

Österreich

Eine Pflegestelle betreibt, wer Tiere wiederholt aufnimmt, weitergibt, selbst vermittelt oder für andere vermittelt, ohne eine bewilligte Einrichtung zu sein. Diese Tätigkeit muss gemäß der Tierschutz-Sonderhaltungsverordnung der Aufnahme der Tätigkeit der zuständigen Behörde gemeldet werden. Das gilt auch für Personen, die vorübergehend die Pflege von fremden Tieren übernehmen.[12]

Schweiz

Kantonal gibt es unterschiedliche Auflagen für Pflegestellen. So ist laut dem Verein Schweizer AuslandTierschutz (VSAT) im Kanton Basel-Landschaft eine Ausbildung als Tierpfleger verpflichtend für die Aufnahme eines Pflegehundes, und in den Kantonen Aargau und Luzern ist es nicht erlaubt, Pflegehunde aufzunehmen.[13]

Frankreich

Das am 30. November 2021 verabschiedete Gesetz zur Bekämpfung von Tierquälerei und zur Stärkung der Beziehung zwischen Tieren und Menschen sieht vor, dass Vereine, die Pflegefamilien für die Vermittlung von Tieren einsetzen, dies dem Präfekten melden müssen. Eine Pflegefamilie ist dabei eine natürliche Person, die in ihrem Zuhause ohne Eigentumsübertragung ein Haustier aufnimmt, das ihr von einem Tierheim oder einem Verein ohne Tierheim anvertraut wurde. Jedes Tierheim oder jeder Verein ohne Tierheim, der Haustiere in Pflegefamilien unterbringt, muss dabei bestimmte Regeln erfüllen. Unter anderem muss er mit der Pflegefamilie einen Vertrag über die Aufnahme des Tieres aufstellen, ein Verzeichnis der an Pflegefamilien übergebenen Tiere führen und der Verwaltungsbehörde auf Anfrage Auskunft darüber erteilen. Zudem muss er die Schritte zur Adoption des Tieres fortsetzen, wenn die Unterbringung in einer Pflegefamilie gemäß den Bestimmungen des Pflegevertrags nicht endgültig ist.[14]

Vereinigtes Königreich

In Nordirland[15] setzt sich die Wohltätigkeitsorganisation „Rosie’s Trust“ seit 2015 für das Tierwohl sowie das Wohl von Senioren mit Mobilitätseinschränkungen und chronisch Kranken ein.[16] Sie bietet ihnen kostenlos an, dass Freiwillige mit ihrem Haustier spielen bzw. ihren Hund spazieren führen, ihr Haustier zum Tierarzt bringen oder es gegebenenfalls kurzzeitig oder für längere Zeit als Pflegestelle aufnehmen. Letzteres ist vor allem dann relevant, wenn die Person das Tier zeitweise nicht betreuen kann, etwa weil ein Krankenhausaufenthalt ansteht oder sie in ein Hospiz kommt.[15] Auf diese Weise soll die Bindung zwischen Hundehalter und Tier bewahrt werden. Die Beziehung zum Tier und der Kontakt unter den beteiligten Menschen sollen der Einsamkeit entgegenwirken. Zudem soll es den Senioren und Kranken so ermöglicht werden, sich den nötigen Operationen oder Behandlungen zu unterziehen, ohne sich um die Unterbringung ihres Haustieres sorgen zu müssen oder sich dauerhaft von ihm trennen zu müssen. Im Bedarfsfall oder im Todesfall kann das Haustier zur dauerhaften Übernahme weitervermittelt werden.[17]

Vereinigte Staaten

In den USA wird die temporäre Pflege von Tieren als pet fostering bezeichnet. Es können Gesetze auf der Bundesstaaten-, County- und Stadtebene anwendbar sein, darunter Sterilisations- und Impfvorschriften sowie Vorschriften zur Einfuhr von Tieren aus anderen Bundesstaaten. Auch Vorschriften zur Begrenzung der Anzahl der auf Privatgrundstücken zulässigen Haustiere können anwendbar sein, die der Vermeidung der Tierhortung dienen sollen. In einigen Bundesstaaten gelten die für Hundebesitzer geltenden Gesetze in genau derselben Weise für die Haltung von Tieren durch Tierheime und Pflegestellen.[18]

Beim pet fostering ist in den USA die Rolle der vermittelnden Organisation bisweilen auf die reine Vermittlung beschränkt – auch bei einer rein ehrenamtlichen Pflege. In diesem Fall handelt es sich um einen privaten Vertrag zwischen Eigentümer und caretaker des Tieres.

In den USA gibt es Initiativen wie Dogs on Deployment, Military Pets FOSTER Project, PACT For Animals und Guardian Angels for Soldier’s Pet, die temporäre Pflegestellen an Militärpersonal vermitteln.[19][20]

Im Zuge der COVID-19-Pandemie kam es dort zu einer Zunahme der Zahl der in temporäre Pflege genommenen Tiere. Überproportional viele der Freiwilligen waren von zuhause arbeitend, höher gebildet, männlich oder ohne eigenen Hund.[21]

Einzelnachweise

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