Phasenprophylaktikum
Psychopharmakon, das die Häufigkeit der Phasenwechsel bei Bipolarer Störung reduziert
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Ein Phasenprophylaktikum oder Stimmungsstabilisierer (engl. Mood Stabilizer) ist ein Psychopharmakon, welches die Häufigkeit und/oder Schwere von manisch-depressiven Krankheitsphasen reduziert.[1] Es wird zur vorbeugenden Behandlung bipolarer Störungen verwendet,[2] wo es manische und depressive Gemütsveränderungen mindert oder verhindert. Ebenso wird es beim bipolaren Typ der schizoaffektiven Störung eingesetzt.[3] Stimmungsstabilisierer spielen die wichtigste Rolle in der medikamentösen Behandlung der bipolaren Störung.[4]
Substanzgruppe
Im engeren Sinne sind Lithiumsalze sowie Carbamazepin, Valproinsäure und Lamotrigin etablierte (lange und viel eingesetzte) Phasenprophylaktika.[5] Die letztgenannten drei Medikamente gehören zur Gruppe der Antikonvulsiva. Wie häufiger in der Medizin, werden hier also einzelne Stoffe bei mehreren (ev. recht unterschiedlichen) Indikationen eingesetzt. Die herausragende Stellung innerhalb der Gruppe der Stimmungsstabilisierer hat Lithium[6] und gilt als Goldstandard.[4]
Im weiteren Sinne werden als Phasenprophylaktika jedoch auch atypische Antipsychotika eingesetzt (ev. in Kombination mit Phasenprophylaktika), ohne dass diese Medikamente zu der Klasse der Phasenprophylaktika im engeren Sinne gezählt wurden. Bei diesen Substanzen ist nur für Quetiapin (sowohl eine akuttherapeutische Wirkung wie auch) eine prophylaktische Wirksamkeit auf beide Pole der Erkrankung (Manie und Depression) nachgewiesen.[4]
Bei Versagen einen Monotherapie (Behandlung mit nur einer Substanz) werden Stimmungsstabilisierer untereinander kombiniert.
Stimmungsstabilisierer wirken also vorbeugend und werden nicht zur Behandlung der bereits eingetretenen depressiven, manischen oder gemischten Phase eingesetzt.
Indikation
Indiziert (angezeigt) ist der Einsatz der Substanzgruppe bei Vorliegen von 2 Episoden (Phasen) innerhalb von 4 Jahren. Nach dem Auftreten von bereits einer manischen Phase besteht ebenfalls eine Indikation.[7] Letzteres ergibt sich aus dem dann außerordentlich hohen Lebenszeit-Rezidivrisiko von 95 %.
Wirksamkeit und Dauer der Behandlung
Die Wirksamkeit kann erst nach längerem (ev. zwei Jahren) beurteilt werden.[7] Ein voller rezidivprophylaktischer Effekt ist oftmals erst nach Monaten (bis Jahren) feststellbar.[6] Die vorbeugende Wirksamkeit ist besonders gut, wenn weniger als drei Episoden aufgetreten sind.[6] Initial (anfangs) können auch unter Behandlung noch leichtere Krankheitsphasen auftreten, die sich bei längerer Dauer der Medikamentengabe dann nicht mehr zeigen.
Bei gesicherter Bipolar-1-Störung ist eine zumindest mehrjährige, wenn nicht lebenslange medikamentöse Stimmungsstabilisierung erforderlich.[4]
Regelhaft wird zur Überprüfung der Wirksamkeit das Führen eines Stimmungstagebuches (auch: Stimmungskalender) empfohlen, auch zum Erkennen von Frühwarnzeichen.
Weiterführende Literatur
Ulrich Vorderholzer: Therapie psychischer Erkrankungen (State Of The Art)[8]