Philipphof

ehemaliges Wohnhaus in Wien From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Philipphof war ein Zinshaus am Albertinaplatz 1 (ursprünglich Albrechtsplatz 1) im 1. Bezirk der österreichischen Hauptstadt Wien. Er wurde in den Jahren 1882–1884 durch den Bankier Wilhelm Zierer von dem Architekten Carl König im Neobarockstil erbaut. Im Jahr 1947 abgerissen, liegt heute an dieser Stelle der Helmut-Zilk-Platz.

Philipphof (Mitte)

Geschichte

Das Zinshaus lag gegenüber dem Palais Erzherzog Albrecht zwischen dem Albrechtsplatz (heute Albertinaplatz), der Augustinerstraße, dem Lobkowitzplatz, der Führichgasse und der Tegetthoffstraße. Er wurde im Auftrag des Bankiers Wilhelm Zierer in den Jahren 1882–1884 nach Entwurf des Architekten Carl König im Stil des Neobarock erbaut. Mit dem Erwerb durch den Industriellen Philipp Haas wurde der Ziererhof 1886 in Philipphof umbenannt.[1] Im Erdgeschoß waren ein Restaurant und Geschäfte angesiedelt, in den Obergeschoßen ein Jockeyclub und Wohnungen. Beim alliierten Bombenangriff am 12. März 1945, der mit schätzungsweise 300 Toten im Philipphof die höchste Zahl ziviler Opfer an einem Ort in Wien verzeichnete, brannte das Gebäude aus. Obwohl die Fassaden erhalten geblieben waren, wurde der Prachtbau 1947 abgerissen. Heute befindet sich an dieser Stelle der Helmut-Zilk-Platz.[2]

Beschreibung

„Ziererhof“

In einer zeitgenössischen Beschreibung des Architekten Carl König heißt es:

„Der ‚Ziererhof‘ ist auf einem Theile des Grundes errichtet, der durch die Abtragung des sogenannten ‚Bürgerspitals‘ gewonnen wurde. Die Hauptfaçade des Hauses liegt in der Augustinerstrasse, welche dort in einer Länge von ungefähr 200 Schritten den Josefsplatz mit dem Albrechtsplatze verbindet, dem Palais des Erzherzogs Albrecht gerade gegenüber. Das Gebäude enthält ein für Verkaufläden und eine Restauration eingerichtetes Parterre, einen Mezzanin und drei Stockwerke. In dem ersten Stockwerke, dem Hauptgeschosse des Hauses und in einem Theile des Mezzanins befinden sich die Lokalitäten des österreichischen Jockey-Clubs, zu denen eine besondere, nur für diese Lokalitäten bestimmte Treppe hinaufführt. Der übrigen Raum in sämmtlichen Stockwerken ist für grosse, möglichst bequem ausgestattete Wohnungen eingerichtet.

Zur Erklärung der ganzen Anlage mögen die nachfolgenden Bemerkungen dienen: In der Mitte der Augustinerstrassenfaçade ist die Einfahrt angelegt, an welche sich links eine der zu den Wohnungen führenden Treppen und rechts die Clubtreppe anschliesst. Von der Einfahrt gelangt man in den segmentförmig abgeschlossenen, in der Höhe des Mezzanins mit einem Glasdach versehenen Hof. Durch denselben führt mit einem entsprechenden Krümmungsradius die Fahrbahn nach der Ausfahrt, welche senkrecht gegen die rückwärtige Façade in die Führichgasse mündet. In der Mittellinie des Hofes befindet sich die zweite zu den Wohnungen führende Treppe, links von derselben eine nur für den Club bestimmte Diensttreppe und rechts, symmetrisch mit der Ausfahrt, ein kleiner Vorraum zu dem hydraulischen Personenaufzug. In den beiden Ecken des Hofes ist je eine Wohnung für einen Hausdiener untergebracht.

In den Stockwerken dienen grössere und kleinere Höfe zur Beleuchtung und Lüftung der angrenzenden Vorzimmer, Verbindungsgänge, Badezimmer und Closets. Alle Küchen und Feuerzimmer der Wohnungen liegen gegen den grossen Hof. Der in der einspringenden Ecke gegen den Albrechtsplatz gelegene Lichthof beginnt erst im II. Stocke und dient auch mittelst eines Oberlichts in der Decke des Foyers der Clublokalitäten zur bessern Beleuchtung dieses Raums. Der elliptische Saal am Albrechtsplatze und der Salon mit dem Erker gegen den Lobkowitzplatz sind in den obern Stockwerken durch Zwischenmauern in je drei Räume abgetheilt. Zur Beheizung der Clublokalitäten ist eine Niederdruckdampfheizung angelegt, die Beleuchtung wird mit elektrischem Lichte durchgeführt.

Die Architektur der Hauptfaçaden zeigt die beigegebene, nach dem Gypsmodelle angefertigte Abbildung, die im Wesentlichen mit den ausgeführten Façaden übereinstimmt. Bei dem Entwurfe derselben mussten die ungewöhnliche Figur des Bauplatzes, insbesondere aber die günstigen Prospekte, welche die Lage des Hauses darbot, dahin führen, die Masse nach Möglichkeit zu gliedern und einzelne Theile des Gebäudes besonders hervorzuheben. Als Vorbilder dienten mir hauptsächlich die Palastbauten aus der Zeit Leopold I. und Carl VI., die sich in einer Reihe von Beispielen in Wien und dessen Nähe erhalten haben, und die, so lange sie unversehrt bestehen, ihrer Zeit zum Ruhme und der Stadt zum Schmucke gereichen werden. Ein Versuch, den architektonischen Charakter jener Zeit nachzuahmen, lag nicht im entferntesten in meiner Absicht.“[3]

Siehe auch

Literatur

Commons: Philipphof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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