Physochlaina
Pflanzengattung aus der Familie der Nachtschattengewächse
From Wikipedia, the free encyclopedia
Physochlaina ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Die acht bis elf Arten sind von Westasien bis zum Himalaja und China verbreitet.
| Physochlaina | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Physochlaina | ||||||||||||
| G.Don |
Beschreibung

Vegetative Merkmale
Physochlaina-Arten sind ausdauernde, krautige Pflanzen und erreichen Wuchshöhen von meist 0,3 bis 0,7 (0,1 bis 1) Metern. Als Überdauerungsorgane dienen robuste, fleischige, knollenbildende Wurzeln. Die aufrechten oder aufsteigenden Stängel sind verzweigt, gewinkelt und mit einfachen oder mit ein- oder mehrzelligen Köpfen versehenen, drüsigen Trichomen behaart.
Die Laubblätter in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die Blattstiele sind 1 bis 8 Zentimeter lang. Die Blattspreiten sind bei einer Länge von 4 bis 22 Zentimetern sowie einer Breite von 2 bis 12 Zentimetern eiförmig-elliptisch, dreieckig oder eiförmig-dreieckig. Der Blattrand kann ganzrandig, gewellt oder mit wenigen unregelmäßigen Zähnen besetzt sein.
Blütenstände und Blüten
Die rispigen Blütenstände stehen endständig oder achselständig und enthalten drei bis vierzehn Blüten, die von schuppenförmigen oder laubblattartigen Tragblättern begleitet werden. Die Blüten sind nahezu sitzend oder stehen an 2 bis 20 mm langen Blütenstielen. Der Kelch ist radiärsymmetrisch und bei einer Länge von 6 bis 11, selten auch bis zu 15 Millimetern glockenförmig, röhrenförmig-glockenförmig oder röhrenförmig-urnenförmig. Der Kelch endet mit fünf dreieckigen, meist gleichgestaltigen Kelchzipfeln, die ein Drittel bis ein Viertel (selten die Hälfte) der Länge der Kelchröhre erreichen. Die Krone ist radiärsymmetrisch, ist 15 bis 30 mm lang und besteht aus einem basalen, röhrenförmigen Abschnitt, der sich nach oben verbreitert und mit dreieckigen bis breit eiförmigen Kronzipfeln besetzt ist, die ein Viertel bis ein Fünftel der Länge der Kronröhre erreichen. Die Färbung der Krone kann violett, purpurfarben oder gelb mit purpurfarbener Aderung sein.
Die Staubblätter können über die Krone hinaus stehen oder von ihr umgeben werden. Die Staubfäden sind deutlich länger als die Staubbeutel. Der Ansatzpunkt der Staubfäden liegt in der Mitte der Kronröhre, die Staubbeutel sind dorsal (rückseitig) an den Staubfäden fixiert und sind 1,9 bis 2,6 (selten nur 1,5) mm lang. Die Pollenkörner sind mit einer Größe von 35 bis 36 µm mittelgroß, ihre Form ist nahezu kugelförmig, sie sind pentacolporat oder öfters auch tetracolporat. Die Narbe ist scheibenförmig. Es wird ein hervortretendes, ringförmiges Nektarium gebildet.
Früchte und Samen
Die Früchte sind nahezu kugelförmige oder langgestreckte Pyxidien, Deckelkapseln, die in einem stark vergrößerten, aufgeblasenen und auf 15 bis 20 (selten bis 23) mm vergrößerten Kelch mit spitzen Zipfeln verborgen sind.[1] Die Samen sind bei einer Länge von 2,2 bis 2,8 Millimetern sowie einem Durchmesser von 1,2 bis 2,5 Millimetern entweder eiförmig, kugelförmig oder elliptisch, sie können eingedrückt, nur leicht eingedrückt oder ausgeprägt eingedrückt sein. Das relativ große Hilum ist basal angeordnet und herausstehend bis stark herausstehend. Die Oberfläche der Samen ist meist netzartig, gelegentlich hirnförmig und nur in der Nähe des Hilums netzartig.[2] Der Embryo ist fast schraubenförmig und Endosperm wird reichlich ausgebildet.[1]
Inhaltsstoffe und Chromosomensätze
Das Alkaloid Physochlaina wurde bisher ausschließlich in Arten der Gattung Physochlaina nachgewiesen, zudem enthalten sie unter anderem Hyoscyamin, Scopolamin und Cuscohygrin. Karyologische Studien an zwei Arten ergaben eine Chromosomengrundzahl von x = 14.
Verbreitung und Standorte
Die Arten der Gattung Physochlaina sind in Asien verbreitet und kommen dort in Tälern und Bergwäldern in Höhenlagen zwischen 800 und 4500 m vor.




Systematik und Verbreitung
Taxonomie
Die Gattung Physochlaina wurde 1838 durch George Don in A General History of the Dichlamydeous Plants, Band 4, Seite 470 aufgestellt. Die Typusart ist Physochlaina physaloides. Der Gattungsname Physochlaina setzt sich aus den altgriechischen Wörtern physa für „Blase“ und chlaina, das eine äußere Hülle bezeichnet, ab.[3]
Äußere Systematik
Innerhalb der Nachtschattengewächse (Solanaceae) wird die Gattung Physochlaina in die Hyoscyaminae eingeordnet, die zunächst als Subtribus, später als Tribus geführt wurden. Sowohl die morphologisch begründete Systematik von Armando Hunziker[1] als auch die molekularbiologisch begründete Systematik Richard Olmsteads[4] ordnen die Tribus Hyoscyaminae in die Unterfamilie Solanoideae ein. Neben Physochlaina zählt Olmstead die Gattungen Anisodus, Archihyoscyamus, Atropa, Atropanthe, Hyoscyamus, Przewalskia und Scopolia in die Tribus Hyoscyaminae, Hunziker ordnet die Gattung Atropa in eine eigenständige Tribus Atropeae, Archihyoscyamus ordnet er als Synonym den Hyoscyamus zu.[2]
Arten und ihre Verbreitung
Je nach Autor wird die Anzahl der Arten in modernen Bearbeitungen mit acht[1] oder elf[4] angegeben.:[5]
- Physochlaina alaica Korotkova: Sie kommt in Zentralasien vor.[5]
- Physochlaina albiflora Grubov: Sie kommt in der Mongolei vor.[5]
- Physochlaina capitata A.M.Lu: Sie kommt in Xinjiang nur im Xinyuan Xian sowie Gongliu Xian vor.[5]
- Physochlaina infundibularis Kuang
- Physochlaina macrocalyx Pascher
- Physochlaina macrophylla Bonati
- Physochlaina orientalis (M.Bieb.) G.Don
- Physochlaina physaloides (L.) G.Don
- Physochlaina praealta (Decne.) Miers (Syn.: Physochlaina dubia Pascher)
- Physochlaina semenowi Regel: Sie kommt in Zentralasien in Kasachstan sowie Kirgisistan vor.[5]