Pietro Andreoletti

Italienischer Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Pietro Andreoletti (* 17. Mai 1860 in Porto Ceresio; † 24. März 1933 ebenda) war ein italienischer Bildhauer, der vor allem in der Schweiz tätig war. Seine bekanntesten Werke sind die Denkmäler für die verunglückten Arbeiter des Gotthardtunnels in Airolo und Göschenen.

Skulptur Andreolettis am Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnels in Göschenen (1889)

Leben

Über Andreolettis Privatleben ist kaum etwas bekannt. Er wurde 1860 in der italienischen Gemeinde Porto Ceresio am Luganersee, direkt an der Schweizer Grenze, geboren. Bereits 1880 ist er in der Tessiner Leventina dokumentiert, als er als 20-Jähriger den Hochaltar für die Kirche Santi Nazario e Celso in Airolo fertigte.[1] Zwischen 1884 und 1885 half er vielleicht seinem Vater Giovanni bei der Innengestaltung der Pfarrkirche Fiesch im Wallis: Ein Vertrag von 1885 legt seine Mitarbeit am Hochaltar nahe, seine Urheberschaft am Taufstein ist unklar.[2]

Im selben Jahrzehnt schuf er seine beiden Hauptwerke, die Denkmäler für die beim Bau des Gotthardtunnels umgekommenen Arbeiter beidseits der Alpen. Das erste wurde am 20. Juni 1886 in Airolo eingeweiht. Bemerkenswert ist insbesondere die Skulptur eines Arbeiters in Carrara-Marmor, der, mit einer Grubenlampe in der Linken und das Haupt mit seiner Rechten abgestützt, am Postament lehnt und erschöpft und traurig auf die den Opfern gewidmete Inschrift blickt. Das Denkmal wurde in der zeitgenössischen Presse sehr wohlwollend beurteilt. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb, das Werk des «wegen mancher schönen gelieferten Arbeit […] schon vortheilhaft bekannten Bildhauer[s] Andreoletti» sei «sehr hübsch in seiner Bescheidenheit» und «äußerst einfach, aber seine Formen sind gewählt und korrekt».[3] Im Bund war zu lesen, es sei ein «wahres Kleinod», das dem «jungen, hoffnungsvollen Bildhauer Andreoletti» zu «großer Ehre» gereiche.[4] Das zweite Denkmal wurde am 29. September 1889 in Göschenen enthüllt, wobei Andreoletti eine Rede hielt. Auch hier gestaltete er einen Arbeiter mit einer Lampe in der Hand, der nun aber neben dem Monument sitzt und zur Büste Louis Favres emporblickt. Die Neue Zürcher Zeitung empfand das Denkmal als ein «Werk, das als herrliches Kunstwerk und Zeichen christlicher Liebe Jedermann zur Besichtigung zu empfehlen ist», der Gesichtsausdruck des Mineurs sei «ergreifend und von hohem künstlerischen Werth».[5]

Andreoletti liess sich in Faido nieder und führte hier ein Atelier. Er war auf Grabmäler spezialisiert, die er ganz dem Zeitgeschmack dienend fertigte und als Serienprodukte verkaufte. Er gehörte zu jenen «mit Inspiration begabten» Steinmetzen des Tessins, die oft Vorbilder akademisch gebildeter Tessiner Künstler imitierten, die sich wiederum an bekannteren Werken Norditaliens orientierten.[6]

Andreoletti starb am 24. März 1933, mit 72 Jahren, in Porto Ceresio und wurde am 26. März auf dem dortigen Friedhof begraben. Er hinterliess seine Ehefrau und Kinder.[7]

Werke

  • 1880: Hochaltar, Kirche Santi Nazario e Celso, Airolo[1]
  • 1884/85: Hochaltar und Taufstein, Pfarrkirche Fiesch (unklar)[2]
  • 1886: Denkmal für die verunglückten Arbeiter des Gotthardtunnels, Friedhof Airolo[3]
  • 1889: Denkmal für die verunglückten Arbeiter des Gotthardtunnels («Favre-Denkmal»), Friedhof Göschenen[8]
  • 1910: Skulptur des auferstandenen Christus (Auferstehung Christi), Giebelnische über dem Eingang der Pfarrkirche Jonen[9]
  • 1919: Grabmal für die Familie Rusca, Friedhof Lugano (Sud 22)[10]
  • Büste von Luigi Caccia für den Kindergarten in Morcote[11]

Galerie

Literatur

  • Giulio Foletti: Arte nell'Ottocento: la pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Dadò, Locarno 2001.
  • Simona Martinoli: Guida d’Arte della Svizzera Italiana. GSK, Bellinzona 2007, S. 132, 133, 135, 138, 143, 144, 148, 316, 321.
Commons: Pietro Andreoletti – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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