Pinta-Riesenschildkröte
Art der Gattung Chelonoidis
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Die Pinta-Riesenschildkröte (Chelonoidis niger abingdonii), auch bekannt als Pinta-Inselschildkröte, Abingdon-Inselschildkröte oder Abingdon-Insel-Riesenschildkröte ist eine 2012 ausgestorbene Unterart der Galápagos-Schildkröte, die auf der ecuadorianischen Insel Pinta heimisch war. Verschiedene Autoren sehen die Pinta-Riesenschildkröte als eigene Art Chelonoidis abingdonii.[1]
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Lonesome George (2006) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Chelonoidis niger abingdonii | ||||||||||||
| Günther, 1877 |
Aussterben und mögliche Wiederansiedlung
Bereits im 19. Jahrhundert waren die Pinta-Schildkröten durch die Jagd von Walfängern und anderen Seefahrern stark dezimiert. Die wenigen übrigen Tiere wurden teilweise weiter bejagt, ihr Lebensraum durch die Einführung von Ziegen 1959 zerstört. Mitte des 20. Jahrhunderts galt die Unterart als ausgestorben, bis 1971 ein einzelnes Männchen auf der Insel entdeckt wurde.[1] Man versuchte das Männchen namens Lonesome George mit zwei Weibchen aus der Gegend des Wolf-Vulkan auf der Insel Isabela zu paaren, aber es entstanden keine lebensfähigen Eier.[2] Lonesome George starb am 24. Juni 2012, die Roten Liste der IUCN führt die Pinta-Riesenschildkröte damit als ausgestorben (Extinct, EX).[1]
2012 wurden während einer Reise von Forschern der Yale University 17 Hybriden der ersten Generation vom Wolf-Vulkan auf der Insel Isabela gemeldet. Diese Tiere sind allerdings enger mit der Española-Riesenschildkröte (Chelonoidis hoodensis) verwandt als mit der Pinta-Riesenschildkröte. Die Häufung der Hybriden in der Gegend der Banks Bay könnte daher rühren, dass der natürliche Hafen Puerto Bravo von Marine- und Walfangschiffen genutzt wurde und dort nicht mehr benötigte Schildkröten über Bord geworfen wurden. Da die Stichproben lediglich 20 % der Population umfassen und die Tiere 100 Jahre alt werden können ist es möglich, dass reinrassige Elterntiere noch am Leben sind.[3]
Taxonomie

Die Pinta-Riesenschildkröte wurde erstmals 1877 vom deutschen Herpetologen Albert Günther als Testudo abingdonii in seinem Buch The Gigantic Land-tortoises (Living and Extinct) in the Collection of the British Museum beschrieben.[4][5] Der Name abingdonii leitet sich von der Abingdon-Insel, heute meist als Pinta-Insel bekannt, ab. Ihr Vorkommen wurde aus kurzen Berichten der Reisen von Kapitän James Colnett (1798) und Basil Hall (1822) bekannt. 1876 brachte Kommandant William Cookson drei männliche Exemplare (zusammen mit anderen Unterarten der Galápagos-Schildkröte) an Bord des britischen Marineschiffs HMS Peterel nach London.[6]

Evolution
Die Herkunft und systematische Einordnung sind bis heute nicht abschließend geklärt und faszinierten bereits Charles Darwin. Ergebnisse von DNA-Analysen deuten darauf hin, dass die drei nächsten lebenden Verwandten der Galápagos-Riesenschildkröten aus Südamerika stammen: Es handelt sich um die Waldschildkröte (Geochelone denticulata), die Köhlerschildkröte (Geochelone carbonaria) und die Chaco-Schildkröte (Geochelone chilensis).[7][8]
Merkmale
Günther beschrieb die Art nach drei männlichen Museumsexemplaren. Die größte Carapaxlänge betrug 97,8 cm, das größte Körpergewicht 91,2 kg. Den Rückenpanzer beschrieb er als fast gerade im Profil. Der vordere Teil ist stark eingedrückt, auf beiden Seiten konkav und mit stark zurückgebogenem, sattelförmigen Vorderrand, den er nach dem Aussehen als „Spanish saddle“ („spanischer Sattel“) bezeichnete. Der Carapax verbreitert sich nach hinten, der hintere Rand ist rundlich. Im Profil fällt der hintere Teil steil ab, das Schwanzschild ist in Richtung Körper gebogen. Der Bauchpanzer (Plastron) ist tief konkav. Der Schwanz ist nicht sehr lang und ohne Endnagel.[9]
Lebensraum und Lebensweise
Der Lebensraum auf Pinta war vor den durch verwilderte Ziegen verursachten Veränderungen größtenteils in niedrigen Lagen durch trockene, xerophile Busch- und Graslandschaft und in höheren Lagen durch begrenzte, feuchtere Waldgebiete geprägt. Opuntien, eine wichtige Nahrungsquelle für Schildkröten, dominieren weite Teile der Übergangszonen und der Trockengebiete. Nach der Ausrottung der Ziegen erholen sich die Lebensräume wieder[1], das ökologische Gleichgewicht der Insel ist jedoch weiterhin ohne die Schildkröten bedroht. Die Galápagos-Riesenschildkröten sind die wichtigsten Pflanzenfresser auf den Galápagos-Inseln und prägten das gesamte Ökosystem der Insel. Sie verbreiteten zum Beispiel Samen.[10][11]
In freier Wildbahn ruhten Galápagos-Schildkröten, einschließlich der Unterart der Pinta-Insel, etwa 16 Stunden am Tag. Galápagos-Schildkröten sind Pflanzenfresser und ernähren sich hauptsächlich von Grünpflanzen, Gräsern, einheimischen Früchten und Kaktusblättern. Sie tranken große Mengen Wasser, das sie für lange Zeit in ihrem Körper als Reserve speichern konnten. Berichten zufolge können sie bis zu sechs Monate ohne Nahrung oder Wasser überleben.[12]
Zur Fortpflanzung waren die Schildkröten während der heißen Jahreszeit (Januar bis Mai) am aktivsten. Während der kühlen Jahreszeit (Juni bis November) wanderten die weiblichen Schildkröten in Nistgebiete, um dort ihre Eier abzulegen.