Pirner & Franz

Gießerei in Dresden, Sachsen From Wikipedia, the free encyclopedia

Pirner & Franz war eine 1881 in Dresden gegründete Kunst-[1] und Erzgießerei sowie Königlich Sächsische Hoflieferantin für Skulpturen und Geräte aus Bronze.[2]

Seniorenresidenz in der sanierten ehem. Kunstgießerei Pirner & Franz, Zustand 2009
Kunstgießerei Pirner & Franz, Zustand 2008

Geschichte

Denkmal von Johann Smidt in Bremerhaven
Das von Pirner & Franz unmittelbar nach dem Krieg hergestellte Sowjetische Ehrenmal in Dresden, 1947 aufgenommen von Abraham Pisarek
Das 1958 eingeweihte Ernst-Thälmann-Denkmal in Weimar stammt aus der Erzgießerei Pirner & Franz

Das Unternehmen wurde im Jahr 1881 gegründet und hatte seinen Sitz zeitweilig im – heutigen – Dresdener Stadtteil Löbtau.[1]

Nachdem das Unternehmen unter ihrem Inhaber J. E. Franz mit Exponaten im Jahr 1914 an der Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Köln teilgenommen hatte,[2] wurde die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende Kunstgießerei 1918 von dem seit 1911 in der Dresdner Neustadt produzierenden Kunstgießer Oswald Haberland übernommen.[1] Unter Haberland wandte sich das in einer Absatzkrise seiner bis dahin hauptsächlich vertriebenen Großplastiken leidenden Gießerei auch der Kleinplastik zu, wodurch der Absatzmarkt des Unternehmens bis nach Nord- und Südamerika erweitert wurde.[3]

In den frühen Jahren der Weimarer Republik beschäftigte Haberland bis zu 45 Arbeiter in seinem Unternehmen, löste die Dresdner Firma im Zuge der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1928 bis 1930 jedoch auf und siedelte zunächst in den Freihafen von Hamburg über.[1]

Dennoch produzierte Pirner & Franz weiterhin in der sächsischen Hauptstadt. Im Oktober 1931 wird Gertrud März, geb. Franz, als Inhaberin der Gießerei genannt.[4] Da durch die Luftangriffe auf Dresden während des Zweiten Weltkrieges der Betrieb in Teilen ein Opfer der Fliegerbomben wurde, die sowjetischen Militärbefehlshaber jedoch nach „ihrem Siegerdenkmal“ verlangten, veranlassten diese hierfür per Dekret zunächst die Reparatur des Hallendaches, damit die Firma Pirner & Franz dann das später vor dem Militärhistorischen Museum aufgestellte Denkmal herstellen konnte.[5]

Zur Zeit der Deutschen Demokratischen Republik wurde Pirner & Franz zunächst verstaatlicht und 1972 schließlich zwangsenteignet. Der Betrieb wurde mit den ehemals auf Grauguss spezialisierten Firmen Richter & Weise Maschinenfabrik Radeberg, den Aluminiumgießereien Schinder & Meisel und Frost aus Dresden sowie mit der in Dresden auf die Modellierung und Guss von Hutformen ausgerichtete Dresdner Hutfabrik, unter Einsparung von Personal zu VEB Formguß Radeberg zusammengelegt.[5] Dieser Betrieb gehörte bis 1990 zum Kombinat Mewa.

Nach der friedlichen Revolution im Herbst 1989 entwickelte sich daraus die 1990 neu gegründeten Formguß Dresden GmbH, die sich heute auf Aluminium-, Sand- und Kokillenguss für den Industriebereich spezialisiert hat.[5]

Bekannte Werke (Auswahl)

Literatur

  • Paul Schumann: Die Erzgiesserei Pirner & Franz (Inhaber Oswald Haberland) in Dresden, 30 Seiten, Dresden: Laubedruck, 1922
  • Paul Schumann: Moderne Bronzen. Zweite Ausgabe. Laubedruck, Dresden, 1925
  • Silvio John: „In Liebe und Treue.“ Die Erzgießerfamilie Haberland. In: Heimatkalender für das Land zwischen Elbe und Elster, Jahrgang 70, 2024, S. 247–260.

Archivalien

Archivalien von und über die Kunstgießerei Pirner & Franz finden sich beispielsweise

Siehe auch

Einzelnachweise

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