Plagionit

seltenes Mineral, Blei-Antimon-Sulfosalz From Wikipedia, the free encyclopedia

Plagionit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Pb5Sb8S17[2] und gehört strukturell zu den Blei-Sulfosalzen.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Plagionit
Plagionit aus „San José Mine“, Oruro, Bolivien (Größe: 3,3 × 3,0 × 1,7 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Pgi[1]

Chemische Formel Pb5Sb8S17[2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.07
II/E.21-040

2.HC.10b
03.06.20.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15[2]
Gitterparameter a = 13,49 Å; b = 11,87 Å; c = 19,98 Å
β = 107,2°[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5 (VHN100 = 34 bis 163)[3]
Dichte (g/cm3) gemessen: 5,54; berechnet: 5,55[3]
Spaltbarkeit sehr gut nach {112}
Bruch; Tenazität uneben bis muschelig; spröde
Farbe dunkelrotbraun, bleigrau bis schwarz
Strichfarbe schwärzlich-bleigrau
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz
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Plagionit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, ist in jeder Form undurchsichtig und entwickelt meist dicktafelige bis prismatische Kristalle von dunkelrotbrauner oder bleigrauer bis schwarzer Farbe und metallischem Glanz. Er kommt aber auch in Form körniger bis massiger Mineral-Aggregate vor.

Etymologie und Geschichte

Erstmals erwähnt wurde das Mineral 1831 durch Johann Ludwig Carl Zincken, der die schwärzlich-bleigrauen Kristalle als „neues Spiessglanzerz“ aus der „Graf Jost-Christian-Zeche“ bei Wolfsberg (Mansfeld-Südharz) in Sachsen-Anhalt beschrieb. 1833 untersuchte Gustav Rose das Mineral genauer und benannte es in Anlehnung an seine schiefwinkligen Kristallachsen und damit schiefwinkligen Kristallformen nach dem altgriechischen Wort πλάγιος [plágios] für schief oder schräg. Sein Bruder Heinrich Rose führte die chemischen Analysen durch.

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineraliensammlung des Museums für Naturkunde Berlin (Register-Nr. 1999-0078) aufbewahrt.

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Plagionit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Komplexe Sulfide (Sulfosalze)“, wo er gemeinsam mit Boulangerit, Dadsonit, Fülöppit, Guettardit, Heteromorphit, Jamesonit, Launayit, Madocit, Meneghinit, Playfairit, Robinsonit, Semseyit, Sorbyit, Sterryit, Tintinait, Twinnit, Veenit und Zinkenit in der „Jamesonit-Boulangerit-Gruppe (Bleiantimonspießglanze)“ mit der Systemnummer II/D.07 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.21-040. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wo Plagionit zusammen mit Chovanit, Fülöppit, Heteromorphit, Rayit und Semseyit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.21 bildet.[4]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[5] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Plagionit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Nur mit Blei (Pb)“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.HC.10b bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Plagionit die System- und Mineralnummer 03.06.20.02. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 2,0 < z/y < 2,49 und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [By Cz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ in der „Fülöppitgruppe (monoklin: C2/c enthält Pb, Sb)“, in der auch Fülöppit, Heteromorphit, Semseyit und Rayit eingeordnet sind.

Bildung und Fundorte

Plagionit bildet sich in Hydrothermal-Adern in Erz-Lagerstätten, wo er meist vergesellschaftet mit anderen Sulfidmineralen wie Boulangerit, Franckeit, Galenit, Geokronit, Kassiterit, Pyrit, Quatrandorit (früher: Andorit), Robinsonit, Semseyit, Twinnit und Zinkenit auftritt.

Als seltene Mineralbildung konnte Plagionit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand: 2013) rund 80 Fundorte als bekannt gelten.[6] Neben seiner Typlokalität „Graf Jost-Christian-Zeche“ trat das Mineral in Deutschland noch an mehreren Stellen im Schwarzwald wie unter anderem Oberwolfach und Sulzburg in Baden-Württemberg; in der Grube „Caspari“ bei Uentrop (Arnsberg) und der Grube Brüderbund bei Eiserfeld in Nordrhein-Westfalen sowie an mehreren Stellen in der Eifel in Rheinland-Pfalz auf.

In Österreich kennt man Plagionit bisher nur aus Loben in der Gemeinde Bad St. Leonhard im Lavanttal (Kärnten).

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Bolivien, Bulgarien, China, Frankreich, Indien, Iran, Italien, Kanada, Kirgisistan, Luxemburg, Mexiko, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England und Wales) sowie in den Vereinigten Staaten von Amerika (Nevada und Virginia).[7]

Kristallstruktur

Plagionit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 13,49 Å; b = 11,87 Å; c = 19,98 Å und β = 107,2° sowie Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

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