Plattwespen
Familie der Ordnung Hautflügler (Hymenoptera)
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Die Plattwespen (Bethylidae), auch als Plattkopfwespen bezeichnet, sind eine Hautflüglerfamilie innerhalb der Überfamilie Chrysidoidea („Goldwespenartige“). Es sind etwa 100 Gattungen mit mehr als 2900 rezenten sowie etwa 90 fossilen Arten bekannt.[1] Azevedo et al. (2018) schlagen ein weiteres Synonym für die Familie vor: Fushunochrysidae Hong.[1] Phylogenetische Studien führen zu dem Schluss, dass die Bethylidae eine monophyletische Gruppe darstellen, deren Ursprung vor etwa 143 Millionen Jahren liegt.[2]
| Plattwespen | ||||||||||||
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Sierola gilbertae | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Bethylidae | ||||||||||||
| Haliday, 1840 |
Merkmale
Die Plattwespen sind meist zwischen 2 und 5 mm lang, nur in seltenen Fällen mehr als 10 mm.[3] Die Anzahl der Fühlerglieder beträgt 12 oder 13.[3] Während die Männchen immer voll geflügelt (makropter) sind, gibt es bei den Weibchen auch flügellose (aptere), ameisenähnliche Formen.[4] Es gibt manche Arten, bei denen nur aptere Weibchen bekannt sind. Bei anderen Arten treten bei den Weibchen beide Formen auf. Die Plattwespen besitzen eine abgeflachte, gedrungene und längliche Gestalt. Dieses Merkmal ist bei den Weibchen besonders ausgeprägt. Die Weibchen haben einen annähernd ovalen flachen Kopf mit nach vorn gerichteten Facettenaugen. Die Männchen einer Art sind gewöhnlich kleiner als die Weibchen. Sie sind weniger stark abgeflacht und haben einen kleineren Kopf als die Weibchen.
Verbreitung
Die Familie besitzt eine kosmopolitische Verbreitung.[5][3]
Lebensweise
Die Plattwespen besitzen eine parasitische Lebensweise. Die Weibchen erbeuten Käferlarven und Schmetterlingsraupen, die sie mit ihrem Giftstachel betäuben und anschließend mit ihren Mandibeln verletzen.[4] Dabei zielen sie insbesondere auf das Unterschlundganglion (Nervenzellknoten) ihrer Beute. Die Beute wird vom Weibchen an eine geschützte Stelle transportiert und dort gewöhnlich mit mehreren Dutzend Eiern belegt.[4] Die geschlüpften Plattwespenlarven ernähren sich von der Beute. Auch die Weibchen ernähren sich von der Körperflüssigkeit ihrer Beute. Dies ist wichtig für deren Eiproduktion.[4] Einige Plattwespen können Menschen einen schmerzhaften Stich versetzen.[6] Ferner gibt es Plattwespen, die einen nach Fäkalien riechenden Geruch absondern können.[7]
Systematik
Die Plattwespen werden in 7 rezente und 4 fossile Unterfamilien gegliedert (Stand 2025).[8] Die ältesten bekannten Funde datieren aus dem Barremium (vor etwa 130 Millionen Jahren) und stammen aus Libanon-Bernstein.[9] Die Typusgattung Holopsenella der bis dahin gültigen fossilen Unterfamilie Holopsenellinae wurde 2022 in eine eigene Familie Holopsenellidae ausgegliedert.[10]
Arten in Deutschland
In Deutschland sind mindestens 38 Arten bekannt,[11][12] darunter:
- Bethylus boops (Thomson, 1862)
- Bethylus cephalotes (Foerster, 1860)
- Bethylus dendrophilus Richards, 1939
- Bethylus fuscicornis (Jurine, 1807)
- Bethylus nitidus (Thomson, 1862)
- Bethylus struvei von Szelényi, 1941
- Cephalonomia cisidophaga Strejček, 1990
- Cephalonomia formiciformis Westwood, 1833
- Cephalonomia hypobori Kieffer, 1919
- Cephalonomia tarsalis (Ashmead, 1893)
- Epyris bilineatus (Thomson, 1862)
- Epyris niger Westwood, 1832
- Epyris tardus (Kieffer, 1906)
- Goniozus claripennis (Foerster, 1851)
- Goniozus distigmus Thomson, 1862
- Goniozus maurus, Marshall, 1905
- Laelius femoralis (Foerster, 1860)
- Laelius foersteri Kieffer, 1914
- Parascleroderma berlandi Maneval, 1930
- Parascleroderma unicolor (Westwood, 1839)
- Pseudisobrachium subcyaneum (Haliday, 1838)
- Rhabdepyris myrmecophilus Kieffer, 1904