Pleroma (Software)
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Pleroma ist ein freies und quelloffenes soziales Netzwerk. Anders als populäre Mikroblogging-Dienste wie Twitter oder Weibo kann Pleroma mittels eigenem Webhosting von jedem mit einem Server und einer Web-Domain betrieben werden, was in Kombination eine Instanz genannt wird. Administratoren einer Instanz können ihren eigenen Verhaltenskodex, eigene AGBs und eigene Content-Moderation gestalten, um Benutzern mehr Kontrolle über die angezeigten Inhalte sowie auch Nutzerkomfort zu ermöglichen.[1] Benannt wurde die Software nach dem religiösen Konzept Pleroma oder der Absolutheit göttlicher Kraft.[2]
| Pleroma | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Entwickler | lain, et. al |
| Erscheinungsjahr | 2019 |
| Aktuelle Version | 2.9.0 (3. März 2025) |
| Betriebssystem | Cross-platform |
| Programmiersprache | Elixir, JavaScript |
| Kategorie | Mikroblogging |
| Lizenz | AGPLv3 |
| Pleroma.social | |
Die Software implementiert das ActivityPub-Protokoll, welches die Kommunikation mit anderen Pleroma-Instanzen sowie anderen ActivityPub-unterstützenden Diensten (wie Mastodon, Pixelfed, PeerTube etc.) ermöglicht, die insgesamt ein dezentrales Netzwerk bilden und gemeinhin Fediverse genannt werden.[3]
Stand Januar 2026 gab es ca. 66.000 Nutzer-Accounts auf 404 Pleroma-Instanzen (was ca. 0,5 % aller Fediverse-Nutzern entspricht). Die Verbreitung ist gegenüber Juli 2024 gesunken, als über 138.000 Nutzeraccounts (1,3 % der gesamten Fediverse-Nutzer) in über 1000 Pleroma-Instanzen existierten.[4]
Geschichte

2016 wurde das Pleroma-Projekt von einem deutschen Entwickler unter dem Pseudonym „lain“ (ein Verweis auf die Anime-Serie Serial Experiments Lain)[5] erstellt. Entworfen wurde es ursprünglich als alternative Benutzerschnittstelle für GNU Social mit vielen Ähnlichkeiten zu Qvitter, einem populären Frontend dieser Zeit, das der früheren Twitter-Benutzerschnittstelle ähnelte.
Bei der Weiterentwicklung des in Vue.js JavaScript Webframework geschriebenen Frontends stellte sich heraus, dass die GNU Social-Plug-ins für Probleme mit der Feature-Implementierung sowie der Codebase und dem Zusammenspiel mit PHP sorgten, was zur Entwicklung eines Backends für die Ablösung von GNU social[6][7] führte. Der erste Commit zum Repository des Pleroma-Backends geschah am 17. März 2017.[8]
Am 22. Februar 2019 wurde die erste stabile Version des Pleroma-Backends 0.9.9 veröffentlicht.[9] Die Version enthielt das Pleroma-Frontend als Standard-Benutzerschnittstelle, beherrschte die Föderation der Inhalte über OStatus und ActivityPub und unterstützte GNU social und Mastodon Nutzer-APIs. Das Backend wurde mit der Programmiersprache Elixir und dem Phoenix Webframework programmiert und nutzte eine PostgreSQL Datenbank.[10]
Mit der Version 2.0 wurde aufgrund mangelnder Nutzung und mangelnden aktiven Betreibern die Unterstützung für das OStatus Protokoll beendet.[11][12]
Pleroma wurde ursprünglich mit synchronen Versionen von Frontend und Backend in der Entwicklung veröffentlicht, aber mit Pleroma 2.6.1 wurde dieser Grundsatz verworfen.[13]
Funktionsumfang
Pleroma beschreibt sich selbst als leichtgewichtige Alternative zu Mastodon, die weniger Systemressourcen und Software-Abhängigkeiten benötigt.[14]
Das Standard-Zeichenlimit Pleromas pro Post beträgt 5000 Zeichen und kann von Administratoren der Instanz konfiguriert werden.[10][15] Multimedia-Inhalte können hochgeladen und geteilt werden, ebenso sind Meinungsumfragen möglich.[16] Posts werden standardmäßig als Plaintext erstellt, möglich ist aber auch die Erstellung über verschiedene Auszeichnungssprachen wie HTML, BBCode oder Markdown.
Mit Pleroma ist es möglich, Posts zu planen, Reaktionen auf Posts mittels Unicode- oder benutzerangepassten Emojis zu senden sowie Zitat-Posts zu erstellen.[11][12][17] Mit Sofortnachrichten basierend auf ActivityPub existiert ein Alternativsystem zu sogenannten privaten Direkt-Nachrichten wie z. B. in Mastodon.[18]
Seit Pleroma 2.7 werden der Upload von Dateien via IPFS, die Kategorisierung von Lesezeichen und erweiterte Themes unterstützt.[19]
Obwohl Pleroma standardmäßig ein eigenes Frontend hat, können Admistratoren von Instanzen zusätzliche Benutzerschnittstellen installieren, beispielsweise einen Port des erweiterten Modus von Mastodon (ähnlich zu TweetDeck) oder eine Schnittstelle für das Gopher-Protokoll.[20]
Mit „Message Rewrite Facility“ (MRF) verfügt Pleroma über ein System, welches Adminstratoren einer Pleroma-Instanz erlaubt, Inhalte zu modifizieren, die empfangen und gesendet werden. Standardmäßig wird ihnen eine Auswahl von Nutzungsrichtlinien angeboten, welche auch eine Moderationsrichtlinie beinhaltet, die Einschränkungen der Föderation mit anderen Instanzen umsetzt. Anpassungen der MRF-Richtlinien können auf Basis der virtuellen BEAM Maschine in jeder Sprache geschrieben werden.[21] Dieses System wurde als Methode genutzt, um zu prüfen, wie die Content-Moderation im Fediverse funktioniert und welche Herausforderungen bewältigt werden mussten, seit die Liste aktiver Richtlinien standardmäßig öffentlich sowohl in der Anwendungsschnittstelle als auch im Frontend einsehbar ist.[22]
Abspaltungen
Adaption
Die Debian-Community betreibt ihren eigenen Mikroblogging-Dienst auf Basis von Pleroma als Teil eines Projektes zur Etablierung Sozialer Netzwerke für Betreiber.[25][26]
Pleroma erhält Unterstützung durch die NLNet Foundation, um die Entwicklung zu finanzieren.[27]