Podjuchy

Stadtteil der Großstadt Stettin (poln. Szczecin) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern From Wikipedia, the free encyclopedia

Podjuchy, deutsch Podejuch, ist ein Stadtteil der Großstadt Stettin (poln. Szczecin) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Unter dem Namen Podejuch war die Ortschaft bis 1939 ein eigenständiges Dorf und wurde dann nach Stettin eingemeindet.

Kirche, bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Gemeinde Podejuch
Ortspanorama

Geographische Lage

Der Stadtteil liegt unmittelbar am südlichsten Arm der Oder, der Großen Reglitz, etwa acht Kilometer südsüdöstlich des Stadtzentrums von Stettin und sechs Kilometer südwestlich des Stadtteils Dąbie (Altdamm).

Südlich des Orts heißt der Fluss nicht mehr Große Reglitz. Dort teilt sich der Flusslauf in drei Arme auf: den Brünken-Strom, den Kahnfahrt-Strom und den Zeglin-Strom, und weiter südlich heißt er Reglitz. Östlich der Ortschaft schließt sich eine Hügellandschaft an, die sogenannten Podejucher Berge.

Geschichte

Podejuch (Podiug) südsüdöstlich des Stettiner Haffs, südöstlich von Stettin und südwestlich der Stadt Damm (Damme) an der rechten Seite der Oder und südlich der Plöne, auf der Lubinschen Karte von 1618 (Ausschnitt), auf der auch etliche ehemalige Eigentumsortschaften des Klosters Kolbatz in der Umgebung eingezeichnet sind, zu denen Podejuch und die Stadt Damm (einschließlich Fischereirechten im Dammschen See)[1] ebenfalls gehört hatten.

Ältere Ortsbezeichnungen sind Villa Podjug (1328),[2] Podiug (1618, auf der Lubinschen Karte), Podejuch (1779),[3] Podjuch (1818),[4] Podejuch (19. Jh.). Der Ortsname ist vermutlich slawischen Ursprungs. In einem am 10. Januar 1648 in Schwedt/Oder aufgenommenen Protokoll kommt Podjuch auch als Familienname vor.[5]

Durch eine Schenkungsurkunde vom 3. Dezember 1328, deren Wortlaut erhalten ist,[2] ausgefertigt am Samstag vor dem Nikolaustag in Stettin, schenkte Herzog Otto I. Villa Podjug mit allem Zubehör der Stadt Stettin, von der die Ortschaft 1524 aber dem St.-Johannes-Kloster abgetreten wurde, das sie noch im 19. Jahrhundert in Besitz hatte. Das Dorf war Sitz einer Bergfaktorei und hatte eine Königl. Kalkbrennerei, eine Ziegelei und eine Windmühle. Zum Dorf gehörten die Erbzinsgüter Finkenwalde und Friedensburg.[6][4]

Um die Wende zum 20. Jahrhundert war Podejuch ein besuchter Vergnügungsort der Stettiner; es hatte eine evangelische Kirche, Stärkemehl- und Schamottefabrikation, eine Holzbearbeitungsanstalt, Böttcherei, Fischerei und Aalräucherei.[7]

Im Jahr 1939 gehörte Podejuch zum Landkreis Randow im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs und war dem Amtsbezirk Finkenwalde zugeordnet. Am 15. Oktober 1939[8] wurde Podejuch zusammen mit seiner Oberförsterei, der Stadt Altdamm und vielen anderen Gemeinden der Region in den Stadtkreis Stettin eingemeindet.

Demographie

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis zur Eingemeindung 1939 nach Stettin
Jahr Einwohner Anmerkungen
177748 Feuerstellen (Haushaltungen)[3]
1818484[9][4]
1852983[10]
18581052am 3. Dezember[11]
18611131am 3. Dezember, in 213 Familien[11]
18671365am 3. Dezember[12]
18711470am 1. Dezember, davon 1463 Evangelische, eine katholische Person, zwei sonstige Christen und vier Juden[12]
18751897[8]
18802202[8]
18902540davon Katholiken, Juden[8]
19054242[7]
19104444davon 16 Einwohner in der Oberförsterei Podejuch[13][14]
19255610[8]
19337052[8]
19399204davon 8321 Evangelische, 369 Katholiken, 33 sonstige Christen, vier Juden[8]
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Söhne und Töchter des Ortes

  • Manfred Ewald (1926–2002), Präsident des Deutschen Turn- und Sportbundes der DDR
  • Ferdinand Didier (1801–1867), lokaler Baustoff-Fabrikant ab 1834 (Ziegelei, Kalkbrennerei), entdeckte 1849 bei Podejuch Quarzsandvorkommen zur Herstellung feuerfester Materialien (Schamotte)

Literatur

  • Podejuch, Dorf und Oberförsterei, am Odertal und an der Großen Reglitz, Kreis Randow, Amtsbezirk Finkenwalde, Regierungsbezirk Stettin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Podejuch (meyersgaz.org).
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil I: Allgemeine Einleitung und Beschreibung des Preußischen Vorpommern. Stettin 1779, S. 168–169, Ziffer (2) (Google Books).
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Bearbeitet von Heinrich Berghaus. Band 2: Randowscher Kreis und Allgemeines über die Kreise auf dem linken Oder-Ufer, Anklam 1865, S. 1874–1886 (Google Books).
Commons: Podjuchy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

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