Pojo

ehemalige Gemeinde in Finnland From Wikipedia, the free encyclopedia

Pojo (schwedisch [ˈpu:ju]) oder Pohja (finnisch [ˈpɔhjɑ]) ist eine zweisprachige Siedlung (schwedisch tätort, finnisch taajama), ein Kirchdorf (kyrkoby/kirkonkylä) in dieser Siedlung und eine ehemalige Gemeinde im Süden Finnlands. Die Gemeinde schloss sich zum Jahresbeginn 2009 mit Ekenäs und Karis zu der Stadt Raseborg zusammen.

Wappen der ehemaligen Gemeinde Pohja/Pojo

Pojo liegt in der Landschaft Uusimaa (schwedisch Nyland) 80 Kilometer westlich der Hauptstadt Helsinki (Helsingfors), wo Finnlandschweden traditionell einen großen Anteil der Bevölkerung stellen. Das Siedlungsgebiet hat eine Fläche von 247,75 km² (davon 23,09 km² Binnengewässer).[1] Die Einwohnerzahl betrug zuletzt 4936,[2] davon 38 % Finnlandschweden.

Name

Kreuzung mit Straßenschild, dass nach Pojo/Pohja zeigt (2019)

International wird der schwedische Name Pojo verwendet,[3] weil in der zweisprachigen Stadt Raseborg Schwedisch die Mehrheits- und Finnisch die Minderheitssprache ist. Die ehemalige Gemeinde war ebenfalls zweisprachig, aber mit Finnisch als Mehrheits- und Schwedisch als Minderheitssprache. Deshalb wurde nach der Gemeindefusion die Reihenfolge der beiden Sprachen auf offiziellen Schildern umgekehrt.

Der Ort ist zuerst in seiner schwedischen Namensform schriftlich dokumentiert: Poyæ (1335), Poijo (1351), Poija (1359) und Pojo (1427). Der finnische Name erscheint zuerst als Pohjan pitäjä „Kirchspiel Pohja“ (1848).[4]

Das Zentrum des historischen Kirchspiels liegt am innersten Ende („Grund“) der Bucht mit dem finnischen Namen Pohjanpitäjänlahti (auch Pohjanlahti). Der Ortsname bezieht sich auf diese Lage; finnisch pohja bedeutet in diesem Zusammenhang „Buchtenende“ oder „-grund“[4][5] (vgl. deutsch Bodden). Der Name wurde offenbar von frühen Siedlern aus Häme geprägt, für die die Ostseebucht eine wichtige Wasserroute darstellte. Die schwedischsprachigen Neusiedler übernahmen den Namen nach ihrer Ansiedlung in der Form Pojo, und dieser Name wurde allgemein verwendet. Bevor er zur Bezeichnung des Kirchspiels wurde, diente der Name vermutlich bereits als Benennung der zentralen Siedlung. Die heutige finnische Namensform Pohja stellt eine Rückbildung auf Grundlage des schwedischen Namens dar.[4]

Gliederung

Die mittelalterliche Feldsteinkirche St. Maria in Pojo

Hauptort ist das Kirchdorf Pojo, das 1816 Einwohner hat und am Ende der schmalen Meeresbucht Pojoviken (Pohjanpitäjänlahti) liegt. Die Bucht ragt über 20 Kilometer in das Binnenland hinein und verfügt über eine Tiefwasserfahrrinne für Frachtschiffe.

Zum Ort gehören ferner die Ortsteile und kleineren Siedlungen (Dörfer oder Wohngebiete) Åminnefors (481 Einwohner), Antskog (fi. Ansku),[6] Baggby,[7] Billnäs (fi. Pinjainen, 1267 Einwohner), Björsby,[8] Bollstad,[9] Borgby,[10] Brunkom,[11] Böle,[12] Dalkarby,[13] Ekerö[14] (110 Einwohner), Elimo,[15] Fiskars (finnisch Fiskari,[16] 569 Einwohner), Forsby,[17] Gennäs,[18] Grabbskog,[19] Grännäs,[20] Järnvik,[21] Klinkbacka,[22] Kockböle,[23] Lillfors,[24] Mörby,[25] Nygård,[26] Näsby,[27] Pentby,[28] Persböle,[29] Ramskulla,[30] Sjösäng,[31] Skarpkulla,[32] Skogböle (Kuovila,[33] 92 Einwohner), Skrittskog,[34] Skuru,[35] Slicko,[36] Starrböle,[37] Sällvik[38] und Trädbollstad.[39]

Geschichte und Tourismus

Pojo gilt als der Geburtsort der Metallindustrie Finnlands. Im 17. Jahrhundert entstanden hier die Eisenhütten Antskog (1630), Billnäs (1641) und Fiskars (1649) – das sogenannte „Solingen Finnlands“. Der gleichnamige Konzern Fiskars besteht nach wie vor und stellt heute Scheren, Äxte und Messer her. Das Unternehmen ist bis heute der größte Arbeitgeber des Ortes. Die Kulturlandschaft runt um diese so genannten „Eisenhütten von Pojo“ gilt als eine der 27 Nationallandschaften Finnlands.

Pojo liegt an der Königsstraße, dem alten Weg der schwedischen Könige von Åbo (Turku) nach Viborg (Viipuri, heute in Russland Wyborg). Heute ist die Königsstraße eine touristische Route.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Pojo sind die historischen Eisenhütten und die um 1480 erbaute Feldsteinkirche St. Maria.

Skianlage Påminne

Die Skianlage Påminne im Sommer

Im Dorf Åminnefors ist bei ausreichend Schnee eine kleine alpine Skianlage in Betrieb. Betreiber des etwa 17 ha großen Geländes ist der Sportverein Pojo Sport.[40] Die komplette Arbeit damit wird in Form von Nachbarschaftshilfe (in Finnland auf Schwedisch und Finnisch talko) geleistet.[41]

Die längste Abfahrt ist 550 Meter lang, der Höhenunterschied beträgt 85 Meter. Sämtliche Pisten sind Südhänge. Das Skigebiet verfügt über fünf Pisten sowie einen Snowpark (Påminne-Park). Der Park ist rund 450 Meter lang und besteht aus zwei Linien – einer für Anfänger und einer für fortgeschrittene Fahrer.

Zur Ausstattung gehören eine Skischule, ein Ausrüstungsverleih sowie ein Restaurant, das während der Wintersaison zu den Öffnungszeiten der Lifte geöffnet ist.[40]

Persönlichkeiten

  • Göran Boije (1540–1617), Diplomat, Feldmarschall und Gouverneur
  • Ernst Linder (1868–1943), General und Dressurreiter
  • Fridolf Lundsten (1884–1947), Ringer
  • Carol Lindroos (1930–2001), Diskuswerfer
  • Pauli Nevala (1940–2025), Speerwerfer

Siehe auch

Commons: Pojo/Pohja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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