Polevsko
Gemeinde im Norden von Tschechien
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Polevsko (deutsch Blottendorf) ist eine Gemeinde im Okres Česká Lípa in der Region Liberec in Tschechien.
| Polevsko | ||||
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| Basisdaten | ||||
| Staat: | ||||
| Region: | Liberecký kraj | |||
| Bezirk: | Česká Lípa | |||
| Fläche: | 444,4319[1] ha | |||
| Geographische Lage: | 50° 47′ N, 14° 32′ O | |||
| Höhe: | 490 m n.m. | |||
| Einwohner: | 432 (1. Jan. 2023)[2] | |||
| Postleitzahl: | 471 16 | |||
| Kfz-Kennzeichen: | L | |||
| Struktur | ||||
| Status: | Gemeinde | |||
| Ortsteile: | 1 | |||
| Verwaltung | ||||
| Bürgermeister: | Martina Rašínová (Stand: 2009) | |||
| Adresse: | Polevsko 152 471 16 Polevsko | |||
| Gemeindenummer: | 561959 | |||
| Website: | www.polevsko.info | |||
| Lage von Polevsko im Bezirk Česká Lípa | ||||
Lage
Polevsko (Blottendorf) liegt am Südhang des Lausitzer Gebirges im Tal des Baches Šporka am Fuße des Berges Klíč (Kleis). Es liegt etwa drei Kilometer nordwestlich von Nový Bor (Haida).
Die Gemeinde besteht im Wesentlichen aus der Ortschaft Polevsko (Blottendorf) sowie dem etwas südlich davon gelegenen Weiler Klučky (Schönfeld).
Geschichte
Der Ortsname Blottendorf wurde offiziell von der Gründung des Ortes im Mittelalter bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung blieb Blottendorf der amtliche Name im damaligen Sudetenland. Mit der Wiederherstellung der Tschechoslowakei und der gezielten tschechischen Neubesiedlung der Grenzgebiete wurde der Ort in Polevsko umbenannt. Von 1980 bis 1990 verlor der Ort kurzzeitig seine Eigenständigkeit als Gemeinde und war ein Teil der Stadt Nový Bor (Haida), bevor er im Sommer 1990 wieder eine unabhängige Gemeinde unter dem Namen Polevsko wurde.[3][4] Der tschechische Name Polevsko ist eng mit der geografischen Lage des Ortes verbunden und leitet sich von der tschechischen Bezeichnung für „Feld“ ab.[5]
Die Pfarrei Blottendorf unterstand zeitweise dem Patronat der Familie Kinsky sowie dem Großprior des Malteserordens (Sitz in Bürgstein/Sloup).[6][7]
Das Dorf mit Glasmachertradition wurde um 1400 erstmals urkundlich erwähnt. Die ersten Zunftprivilegien wurden den hiesigen Glasmalern, -gravierern und -schleifern bereits im Jahr 1683 von Hroznata von Kokořov, dem Herrn der hiesigen Herrschaft, verliehen. Im 17. Jahrhundert siedelten sich hier Glasschleifer aus Bayern und Schlesien an, die in einer Glashütte arbeiteten. Mitglieder der Glasmacherfamilie Preußler gründeten hier im 17. Jahrhundert einen später erfolgreichen Glashandel.
Verwaltungstechnisch bildete Blottendorf ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Gemeinde im Gerichtsbezirk Haida bzw. im Bezirk Böhmisch Leipa. Im Ort war eine Abteilung vom Gebirgsverein für das nördlichste Böhmen aktiv.

Sehenswürdigkeiten
- Kirchen
- Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit: Markantes Kirchengebäude im Ortszentrum erbaut in den Jahren 1716 bis 1718 vom Baumeister Paul Columbani. Das barocke, einschiffige Gotteshaus mit einem prismatischen Turm und Zwiebeldach steht auf einer Anhöhe am Hange des Polevský vrch (Blottendorfer Berg). Im Giebel auf der Westseite befindet sich eine Nische mit der Statuengruppe des Heiligen Dreifaltigkeit; im Innenraum ist ein Altar aus dem 19. Jahrhundert, ein spätbarockes Taufbecken, eine Orgel aus der Zeit um 1800 und eine ebenso alte, im 19. Jahrhundert renovierte Kanzel.
- Grabkapelle der Familie Handschke: Auf dem örtlichen Friedhof befindet sich eine prächtige neugotische Kapelle, die der Glasunternehmer Rudolf Handschke 1898 errichten ließ. Sie gilt als bedeutendes Zeugnis des Wohlstands der damaligen Glasfabrikanten.
- Kapelle der Schmerzensreichen Mutter Gottes: Eine kleinere Kapelle an einer Wegkreuzung im Oberdorf, die ebenfalls zum historischen Ortsbild gehört
- Profan- und Industriebau
- Glasmacher- und Veredlerhäuser: Die Architektur des Dorfes war über Jahrhunderte von den Wohnhäusern der Glasveredler geprägt. Besonders hervorzuheben sind die von Johann Caspar Kittel für seine Kinder errichteten Wohnhäuser, die als Zentren des frühen Glashandels dienten.[8]
- Volksschule und Postamt: Historische Ansichtskarten zeigen monumentale öffentliche Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert im Ortszentrum, wie das Gebäude der Volksschule.
- Umgebindehäuser: Wie in vielen Orten des Lausitzer Gebirges finden sich auch in Polevsko Reste der traditionellen Volksarchitektur, insbesondere Umgebindehäuser, die Blockbauweise (Wohnbereich) mit Fachwerk und Massivbau (Stall/Wirtschaftsbereich) kombinierten.[9]
Persönlichkeiten
- Johann Kaspar Kittel (ca. 1650–1712/1720), Glashüttenmeister und Begründer des böhmischen Glashandels, der am Ende des 17. Jahrhunderts die hier erzeugten Glaswaren ins Ausland ausführte und der nach dem Vorbild der Venediger Glashütten die Herstellung von klarem farblosem Glas in Böhmen einführte.
- Rudolf Handschke, Glasunternehmer der Firma Gebrüder Handschke, Inhaber der Annahütte (Anenská huť) in Blottendorf (Polevsko)
- Franz Stephan Rautenstrauch OSB (1734–1785), Benediktinerabt des Stift Břevnov und Theologe der Aufklärung, Mitglied der Familie Rautenstrauch
- Christian Franz Rautenstrauch (1677–1743), Glashändler, Mitglied der Familie Rautenstrauch
- Elias Rautenstrauch (1755–1826), Glashändler, Mitglied der Familie Rautenstrauch
- Karl Mühlbauer, Unternehmer und Betreiber der Klarahütte
- Jiří Rosol (* 1953), Regionalhistoriker und Sammler historischer Ansichten der Kirche, Schulen und Kapellen[8]
- Söhne und Töchter der Gemeinde
- Johann Kaspar Kittel (der Jüngere) (1680–1756), Sohn des gleichnamigen Glashandel-Pioniers und Glasunternehmer
- Eleazar Oppitz OFM (um 1710/1715–1789), Pfarrer in Blottendorf von 1739 bis 1789, Lebte in der Tillhäusel-Einsiedelei
- Adolph Heller (1874–1921), Maler und Grafiker
- Urban Janke (1887–1915), österreichischer Grafiker und Designer
Literatur
- Volker Oppitz: Chronik der Gemeinde Blottendorf, 2024, Sonderdruck aus Schriften der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, Band 43
