Popobawa

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Popobawa (Swahili, Plural Mapopobawa, „Fledermausflügel“) ist ein Geist auf der tansanischen Insel Pemba, der als menschengroßes, einäugiges, Fledermaus-ähnliches Wesen beschrieben wird, welches die Menschen gelegentlich verunsichern oder schädigen soll. Das seit den 1960er Jahren existierende Phänomen Popobawa wurde durch Medienberichte auch außerhalb des Landes bekannt. Vorstellungen von böswilligen Geistern sind in der Swahili-Gesellschaft an der ostafrikanischen Küste vor dem Hintergrund der verbreiteten Pepo-Besessenheitskulte zu sehen.

Hintergrund

Mit den Kolonialherren und deren Vorstellungen einer zivilen Gesellschaft wurde spätestens seit dem frühen 18. Jahrhundert insbesondere der Küstenstreifen Ostafrikas stark christianisiert. Heute sind die drei wichtigsten Religionen in ganz Tansania mit je einem Drittel annähernd gleich verteilt: Christentum, Islam und traditionelle afrikanische Religionen. Die Vorstellungen an andere Mächte außer an einen Gott sind vor allem in der Landbevölkerung noch weit verbreitet und spiegeln sich beispielsweise auch in der Erschaffung von Kunstobjekten sehr plastisch wider.

Fiktive Figuren wie Popobawa haben einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft Tansanias. Sie sind in Werke der Bildenden Kunst und der Literatur eingegangen.

Eigenschaften

Das Wort Popobawa setzt sich aus den beiden Bestandteilen popo (SwahiliFledermaus“) und bawa („Flügel“) zusammen. Lokal wird das Wesen auch als Zain Haider bezeichnet, wobei arabisch haydar „Löwe“ bedeutet, mit dem der Gefährlichkeit Rechnung getragen wird. Zain Haider begründet seinen Namen als „Beschreibung eines schemenhaften Schattens eines Geistes“, der des Nachts zur Attacke ansetzt.

Das Wesen Popobawa wird unterschiedlich den Dschinn (jini), Besessenheitsgeistern (pepo), mdudu („Insekt“), Dämonen (sheitani), Bestien (mnyama), Monstern oder Hexern (uchawi) zugeordnet.[1]

Ereignisse

Im Jahr 1970 wurden auf Pemba zum ersten Mal nicht erklärbare Ereignisse mit Popobawa in Zusammenhang gestellt. Acht Jahre später trat das Wesen wieder in Erscheinung. 1995 verursachte es eine Massenhysterie, die sich auf die Nachbarinsel Sansibar, Daressalam und weitere Küstenstädte ausbreitete.

Im Oktober 1995 berichtete die lokale The Guardian (Daressalam) von diesen Ereignissen. Demnach soll laut Zeugenaussage sogar ein Mann getötet und ein weiterer schwer verletzt worden sein.[2] Da bisher nur Männer im Schlaf zu Schaden gekommen waren, flüchteten diese aus ihren Häusern und Hütten und sammelten sich um große Feuer, wo sie sich in der Gemeinschaft sicherer fühlten. Selbst die Tagesschau berichtete in ihrer Ausgabe vom 28. Februar 2007 darüber.

Literatur

  • Katrina Daly Thompson: Zanzibari women's discursive and sexual agency: Violating gendered speech prohibitions through talk about supernatural sex. In: Discourse & Society, Band 22, Nr. 1, Januar 2011, S. 3–20
  • Katrina Daly Thompson: Popobawa: Tanzanian Talk, Global Misreadings. Indiana University Press, Bloomington 2017

Einzelnachweise

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