Portsloge

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Portsloge ist Ortsteil und Bauerschaft der Gemeinde Edewecht im niedersächsischen Landkreis Ammerland.

Schnelle Fakten Gemeinde Edewecht ...
Portsloge
Gemeinde Edewecht
Koordinaten: 53° 9′ N,  1′ O
Höhe: 10 m
Einwohner: 2027 (31. Dez. 2023)[1]
Postleitzahl: 26188
Vorwahl: 04405
Portsloge (Niedersachsen)
Portsloge (Niedersachsen)
Lage von Portsloge in Niedersachsen
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Lage

Portsloge liegt nördlich von Nord-Edewecht I. Nachbarorte sind im Norden und Westen Ekern (Gemeinde Bad Zwischenahn), im Osten schließt sich Kleefeld an.

Geschichte

Vorgeschichte

Eine Geröllkeule aus dem Gebiet der Tonkuhle am Hegekamp belegt die Anwesenheit von Menschen seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. In einer von einigen Findlingen umgebenen Bodenerhöhung am Portsloger Fischteich vermuten Archäologen ein zerstörtes Großsteingrab der jüngeren Steinzeit („Pastorengrab“, ca. 3000 v. Chr.). Aus der gleichen Epoche datieren auch ein Feuersteinbeil und eine Hammeraxt.

Germanenzeit

Auf den trockeneren Eschböden des Ammerlandes waren um 500 n. Chr. Bauern aus dem Stamm der Chauken sesshaft, einige vermutlich auch im Gebiet des heutigen Portsloges. Zwischen 500 und 700 n. Chr. führte vermutlich ein Klimawandel zur Abwanderung der Bevölkerung und zur Verödung des Landes. Erst im späten 7. Jahrhundert setzte eine erneute Besiedlung durch Sachsen ein. Nach dem Sieg Karls des Großen über die Sachsen (785 n. Chr.) wurde das Ammerland christianisiert und erhielt eine Grafschaftsverfassung sowie die Zehntpflicht.

Mittelalter

Im Mittelalter kamen Bauern aus Edewecht und die dortige Kirche in Besitz von Heidegebieten und den Waldungen im Gebiet des späteren Portsloges. Seitdem ist die Geschichte eng mit der Edewechts verknüpft. 1507 versagte das Oldenburger Kammergericht Ekerner Bauern die Nutzung des Eschhorner Weidegebietes, wodurch dieses Gebiet zum Gebiet des späteren Portsloge zugehörig wurde. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde eine Strecke der „Oldenburgischen Landespost“ eingerichtet, die durch das Portsloger Waldgebiet (heutige Straßen „Espergöhlen“ und „Brannwisch“) und den Viehdamm Richtung Zwischenahn führte.

18. Jahrhundert

Die Besiedlung Portsloges begann ab 1782 am nördlichen Viehdamm (heute: Hof Brüntjen). Die große, Edewechter Hausleuten gehörende Heidefläche („Vieh“) wurded nach 1800 parzelliert und Siedlungsinteressenten zur Erbpacht („Grundheuerstelle“) überlassen. So konnten hier in kurzer Zeit seit 1799 weitere Stellen besiedelt werden. Die ersten Landstellen am Viehdamm bestanden aus 2 ha Saatland beim Haus und einem etwa 2,5 ha großen Moorstück im Portsloger Moor (Wildenlohsmoor), der zur Brenntorfversorgung und Buchweizenanbau diente. Die Lebensumstände der Siedler waren schwierig und Nebenerwerb unerlässlich. Viele mussten sich als Tagelöhner bei Edewechter Bauern oder saisonweise als Hollandgänger arbeiten. 1834 zählte Portsloge etwa 125 Einwohner, verteilt auf 24 Hofstellen. Bis etwa 1850 dehnte sich der Ort durch neue Grundheuer- und Köterstellen in Richtung Wildenlohsmoor entlang der heutigen Portsloger Straße aus, die Bevölkerung verdoppelte sich bis 1880 etwa (284 Einwohner, 51 Höfe). Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts stagnierte das Wachstum, da mit Erreichen des „Brannwisch“ am Ostende Portsloges die besiedelbaren Flächen weitgehend erschöpft waren. Die Landwirtschaft konnte nicht weiter ausgedehnt werden und die Erwerbsmöglichkeiten sanken. Es setzte eine Abwanderungswelle ein, in einigen Fällen in die USA.

Das frühe 20. Jahrhundert

Die Lebenssituation besserte sich erst wieder in den 1870er Jahren, als große Infrastrukturmaßnahmen (Hunte-Ems-Kanal 1855 – 93, Eisenbahn Oldenburg – Leer 1869) vielen Portslogern Erwerbsmöglichkeit boten. Ortsnah bot ab 1896 die Ziegeleien „Lüers“ und „Bertram“ Arbeit.
1871/’72 wurde der Viehdamm mit Klinkersteinen zur Chaussee befestigt. 1908 folgte die bis dahin unbefestigte Portsloger Straße, ab 1910 wurde auch der östlich anschließende „Portsloger Damm“ befestigt. Er schuf die Verbindung zur neuen Kleefelder Moorkolonie und erleichterte den Weg zum Markt in Oldenburg.
An der Wende zum 20. Jahrhundert führen Mechanisierung und Kunstdünger zu landwirtschaftlichem Aufschwung, was auch den Bau einer Portsloger Windmühle (1897) begünstigte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde Portsloge an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. Seit 1912 durchquert die Edewechter Kleinbahn Portsloger Gebiet, auf den Straßen verkehrten erste Fahrräder und Automobile. Zu dieser Zeit hatte Portsloge 68 Häuser und seit 1913 eine eigene Volksschule.

1914 bis 1933

Der Erste Weltkrieg unterbrach die Ortsentwicklung. Viele Männer wurden zum Wehrdienst eingezogen, ab 1915 begannen Rationierungen und eine Abgabepflicht für Vieh und Getreide. 20 Portsloger Soldaten fielen im Krieg. Die Bedingungen des als „Diktatfrieden“ empfundenen Versailler Vertrages bilden auch in Portsloge eine Wurzel des aufkommenden Nationalsozialismus. Reparationszahlungen und Inflation ließen das Wirtschaftsleben erlahmen. Daher erfolgten als Arbeitsbeschaffung zwischen 1925 und 1930 großflächige Waldholzungen am Brannwisch (etwa 70 – 80 Hektar). Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise 1929 hatte Portsloge 350 Einwohner int 73 Wohnhäusern. Es herrschte hohe Arbeitslosigkeit. Die landwirtschaftlichen Preise waren durch Billigimporte unter starkem Druck und Pfändungen gehörten zum Alltag.

1933 bis 1945

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 beseitigen populäre Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen die Massenarbeitslosigkeit schrittweise. Die Situation der Landwirtschaft besserte sich durch den Stopp der Importe und eine „Marktordnung“. Später wurden auch die Abnahmepreise wieder erhöht. Das öffentliche Leben Portsloges wurde durch die zahlreichen Gliederungen der NSDAPgleichgeschaltet“. Kinder und Jugendliche erhielten in der Hitlerjugend eine vormilitärische Ausbildung. Die Wahnvorstellung eines „Übermenschen“ führte zur Zwangssterilisation einer blinden Bauerntochter aus Portsloge. Eine Behinderte wurde in die „Nervenheilanstalt“ Wehnen verschleppt, aus der sie nicht mehr zurückkehrte.
Am 1. Oktober 1938 wurde das bis dahin zu Nord-Edewecht I gehörige Portsloge eine eigenständige Bauerschaft. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges erfolgten Einberufungen und Kriegsgefangene sowie Zwangsarbeiter mussten in der Landwirtschaft arbeiten. Bei Kriegsende 1945 floh die verbliebene Bevölkerung vor dem Artillerie- und Fliegerbeschuss der aus Edewecht herannahenden Front in die Moorgebiete. Portsloge wurde schließlich von kanadischen Truppen von Osten über Epergöhlen / Brannwisch und westlich über den Viehdamm / Portsloger Straße befreit. Es kam zu Totalschäden bei 10 Wohnhäusern und 20 Wirtschaftsgebäuden. Schwere Zerstörungen gab es bei 12 Häusern und 19 Wirtschaftsgebäuden. darüber hinaus wurden 31 Häuser und 72 Wirtschaftsgebäude leicht beschädigt.

1945 bis heute

Das Dorfbild der ersten Nachkriegszeit ist daher von 19 Holzbaracken geprägt, als Notunterkünfte der Ruinenopfer, aber auch für eintreffende Ostflüchtlinge. Da es noch Nahrungsmittel gibt, werden die Bauern von städtischen Hamsterern überlaufen. Auch in Portsloge blüht der Schwarzmarkt. Mit der Währungsreform 1948 verschwinden diese Provisorien schrittweise und werden durch massive Wohn- und Wirtschaftsgebäude ersetzt. Dabei geht auch vieles Erhaltenes verloren. Anfang der 50er Jahre kommt es zu ersten, vereinzelten Neuansiedlungen, um 1960 entsteht das erste geschlossene Wohngebiet „Am Walde“. In der Folgezeit entwickelt sich Portsloge stark durch weitere Neubaugebiete („Brannwisch“ 1986, „Scheelkenhof“ 1990, „Am Busch“ 1994, „östlich Viehdamm“ 1998, „Feldkamp“ 2000). Entsprechend wächst die Einwohnerzahl (1961: 605, 1970: 838, 1980: 1063, 2000: 1553, 2004: 1848). Die rasant wachsende Wohnbebauung zieht einen Strukturwandel nach sich: die Bedeutung der Landwirtschaft sinkt, die letzte Hofstelle wird 2000 ausgesiedelt. An ihre Stelle tritt z. T. die Baumschulwirtschaft.

Namensherkunft

Der heutige Name Portsloge geht vermutlich aus einer älteren Flurbezeichnung „Butzloh“ (Karte der Edewechter Gemeinheiten, 1749) hervor. Die Endsilbe –lo (oder –loh) ist das altdeutsche Wort für Wald.

Vereine

  • Boßelerverein Frei Weg Portsloge e.V.
  • Reit- und Fahrverein Edewecht-Portsloge
  • Modellsportclub Oldenburg-Edewecht e.V.
  • Schiffs-Modell-Club Bad Zwischenahn-Edewecht e.V.[2]

Literatur

  • Hartmut Kahlen und Chronikteam Portsloge: Unser Portsloge. Dorfleben im Ammerland. Bildchronik, 2003.
  • Albrecht Eckhardt (Hrsg.): Geschichte der Gemeinde Edewecht im Ammerland. Isensee, Oldenburg 2005, ISBN 3-89995-226-X.

Einzelnachweise

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