Posnjakit
Mineral aus der Gruppe der Sulfate
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Posnjakit ist ein Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (und Verwandte)“, das an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein kann, insgesamt aber wenig verbreitet ist. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Cu4[(OH)6|SO4] • H2O[3] und entwickelt meist tafelige, pseudohexagonale Kristalle bis etwa 3 mm Größe, aber auch körnige bis massige Mineral-Aggregate und krustige oder plattige Überzüge von hell- bis dunkelblauer Farbe bei hellblauer Strichfarbe.
| Posnjakit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1967-001[1] |
| IMA-Symbol |
Pnk[2] |
| Chemische Formel | Cu4[(OH)6|SO4]·H2O[3] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfate (und Verwandte) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VI/D.01 VI/D.03-010 7.DD.10 31.04.01.01 |
| Ähnliche Minerale | Langit |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m[4] |
| Raumgruppe | Pa (Nr. 7, Stellung 3)[3] |
| Gitterparameter | a = 10,58 Å; b = 6,34 Å; c = 7,86 Å β = 118,0°[3] |
| Formeleinheiten | Z = 2[3] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2 bis 3[5] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,32; berechnet: 3,35[6] |
| Spaltbarkeit | vollkommen[5] |
| Bruch; Tenazität | uneben, spröde |
| Farbe | hellblau bis dunkelblau |
| Strichfarbe | hellblau |
| Transparenz | durchscheinend |
| Glanz | Glasglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,625[7] nβ = 1,680[7] nγ = 1,706[7] |
| Doppelbrechung | δ = 0,081[7] |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = 57°[6] |
| Pleochroismus | X = hellblau bis farblos; Y = blau bis dunkelblau; Z = grünlichblau bis blau[6] |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | leicht in Säuren und Ammoniak löslich, nicht wasserlöslich |
Posnjakitkristalle sind durchscheinend, brechen spröde mit unebener Bruchfläche und zeigen auf ihren Flächen einen glasähnlichen Glanz. Mit einer Mohshärte von 2 bis 3 gehört Posnjakit zu den weichen Mineralen, die sich ähnlich wie die Referenzminerale Gips (2) und Calcit (3) entweder noch mit dem Fingernagel oder mit einer Kupfermünze ritzen lassen.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Posnjakit in der Wolfram (W)-Lagerstätte von Nura-Taldy im Qaraghandy Oblysy in Kasachstan und beschrieben 1967 durch Aleksandr Ivanovich Komkov (1926–1987) und Yevgenii Ivanovich Nefedov (1910–1976)[8], die das Mineral nach dem Geochemiker Eugene Valdemar Posnjak (1888–1949) benannten.
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Posnjakit zur Mineralklasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate, Wolframate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Ktenasit, Langit, Mooreit und Torreyit in der „Langit-Vernadskyit-Gruppe“ mit der Systemnummer VI/D.01 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/D.03-010. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Posnjakit zusammen mit Christelit, Guarinoit, Ktenasit, Lahnsteinit, Langit, Minohlith, Montetrisait, Nakauriit, Namuwit, Osakait, Pauladamsit, Ramsbeckit, Redgillit, Schulenbergit und Wroewolfeit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/D.03 bildet.[5]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[9] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Posnjakit in die Klasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; Lagen von kantenverknüpften Oktaedern“ zu finden, wo es zusammen mit Langit, Montetrisait und Wroewolfeit die „Langitgruppe“ mit der Systemnummer 7.DD.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Posnjakit die System- und Mineralnummer 31.04.01.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen mit (A+B2+)4(XO4)Zq × x(H2O)“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 31.04.01.
Kristallstruktur
Posnjakit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe Pa (Raumgruppen-Nr. 7, Stellung 3) mit den Gitterparametern a = 10,58 Å; b = 6,34 Å; c = 7,86 Å und β = 118,0° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]
Bildung und Fundorte

(Größe: 9,1 × 6,6 × 5,0 cm)
Posnjakit bildet sich durch Verwitterung in der Oxidationszone von Kupfererzgängen meist in Paragenese mit anderen Kupfermineralen wie unter anderem Azurit, Brochantit, Chalkopyrit, Langit und Malachit.
Weltweit sind bisher (Stand: 2015) rund 300 Fundorte bekannt[10], wobei das Mineral in Kasachstan bisher nur an seiner Typlokalität Nura-Taldy auftrat.
In Deutschland fand sich Posnjakit unter anderem an vielen Orten im Schwarzwald in Baden-Württemberg wie z. B. in mehreren Gruben bei Wittichen und in der bekannten Grube Clara bei Oberwolfach. Des Weiteren wurde das Mineral unter anderem auch bei Sommerkahl und Hagendorf (Waidhaus) in Bayern; bei Frankfurt am Main, Iba (Bebra) und Süß (Nentershausen) in Hessen; an mehreren Orten im niedersächsischen Harz wie z. B. Goslar und Sankt Andreasberg; an mehreren Orten im Niederbergischen Land und Sauerland (wichtig z. B. Ramsbeck) sowie im Siegerland, an der unteren Lahn (Revier Bad Ems) und in der Eifel von Nordrhein-Westfalen bis Rheinland-Pfalz; bei Nothweiler, Werlau, Imsbach, Frücht, Wellmich und Rheinbreitbach in Rheinland-Pfalz; bei Hasserode in Sachsen-Anhalt; an vielen Orten im Erzgebirge wie beispielsweise bei Schneeberg und Schmiedeberg und bei Horscha in der Oberlausitz in Sachsen sowie bei Neumühle/Elster, Kamsdorf, Ullersreuth und der ehemaligen Absetzerhalde bei Ronneburg in Thüringen.
In Österreich wurde Posnjakit bisher vor allem in den Regionen Kärnten, Salzburg, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg gefunden.
In der Schweiz trat das Mineral bisher in der Mürtschenalp im Kanton Glarus, bei Obersaxen im Kanton Graubünden, bei Bex im Kanton Waadt sowie am Mont Chemin bei Martigny und in mehreren Orten der Gemeinde Anniviers im Kanton Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Aserbaidschan, Belgien, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Kanada, Marokko, Namibia, Neuseeland, Norwegen, Polen, Portugal, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Tschechien, der Ukraine, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[11]
Verwendung
Siehe auch
Literatur
- M. Mellini, S. Merlino: Posnjakite: 2∞[Cu4(OH)6(H2O)O] octahedral sheets in its structure. In: Zeitschrift für Kristallographie. 149, Akademische Verlagsgesellschaft 1979, S. 249–257.
