Postbauer

Pfarrdorf und eine der beiden Gemeinden, aus denen 1971 Postbauer-Heng, ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, gebildet wurde From Wikipedia, the free encyclopedia

Postbauer ist ein früheres Pfarrdorf und eine der beiden Gemeinden, aus denen 1971 Postbauer-Heng, ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, gebildet wurde.

Ehemaliges Pflegschloss des Deutschen Ordens
Postbauer, Hauptstraße

Der jetzige Hauptort der Gemeinde, Postbauer-Heng, ist aus den beiden früheren Orten Postbauer und Heng zusammengewachsen.

Gemarkung

Die Gemarkung Postbauer hat eine Fläche von 7,882 km². Sie ist in 2334 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3377,08 m² haben.[1] In der Gemarkung liegen die Gemeindeteile Brandmühle, Buch, Dillberg, Kemnath (zum Teil), Kothmühle, Postbauer-Heng (zum Teil) und Wurzhof.[2]

Ortsname

Nach den Forschungen der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften basiert das Bestimmungswort des Ortsnamens auf dem bairisch-althochdeutschen Personennamen „Posso“. Das Grundwort des Ortsnamens „pur“ ist ebenfalls bairisch-althochdeutsch und bedeutet »Wohnung, (kleines) Haus; Vorratshaus, Keller«.[3]

Somit ergibt sich als Namensbedeutung „Wohnung/Haus des Posso“.[3]

Geschichte

Ortsgründung

Der Ortsname in der alten Form „Bosbawer“ weist auf die Ortsgründung vor der zweiten Bajuwarischen Ausbaustufe, somit noch vor dem Jahre 800 hin.[4]

Der Ort Postbauer fand erstmals im Jahre 1271 in einer Urkunde der Deutschordenskommende Nürnberg Erwähnung, als der Deutschorden von der geborenen Thannerin Jutta, der Äbtissin des Klosters Frauenaurach, ein Gut zu „Buch aput Postpawer“ erwarb.[3] Am 5. März 1272 verkauft Heinrich von Thann seine Güter in „Bosbawer“ mit allem was dazugehört an den Deutschen Orden. Im Jahre 1274 übergab Ulrich I. von Sulzbürg-Wolfstein den Deutschherren mehrere Güter in Köstlbach.[4]

Deutschordensamt und Schloss Postbauer

Am 25. April 1283, auf einer Zusammenkunft des Nürnberger Deutschherren-Konvents, wurde erstmals ein Amtmann „Chunradus de Boßpawer, noster officialis“ (Konrad von Postbauer, unser Amtmann) sicher belegt.[5][4] Genannter Amtmann Konrad kaufte am 22. März 1292 von Marquard von Obermässing einen Hof zu Heng. Aus der Amtsbezeichnung „Amtmann“ hat sich in der Folgezeit der Name des in Postbauer als Deutschordenspfleger bediensteten Geschlechts der „Ammann“ entwickelt.[4]

Der Deutsche Orden war daraufhin von 1283 bis 1805 mit einem Pflegamt in Postbauer vertreten. Der Ort selbst gehörte während dieser Zeit zur Deutschordensballei Franken und somit auch zum Fränkischen Reichskreis.[6]

1381 wurde der Raubritter Eppelein von Gailingen im Ort Postbauer festgenommen, zunächst auf der Burg Thann eingekerkert und am 15. Mai 1381 zusammen mit sechs weiteren Spießgesellen grausam in Neumarkt hingerichtet.[7]

Mit Urkunde vom 23. Februar 1401 des bayerischen Herzogs und Pfalzgrafen Stephan III. und seines Sohnes, des späteren Ludwig VII., wird dem Deutschen Orden das Recht eingeräumt, das Dorf Postbauer mit einer Befestigungsanlage zu versehen. Zwar wurde nicht der gesamte Ort ummauert, da dies vermutlich die Mittel und Kräfte der ansässigen Bevölkerung überfordert hätte, aufgrund anhaltender Unruhen und wegen diverser Hussiteneinfälle wurde dann jedoch noch vor dem Jahre 1430 ein Bergfried in Postbauer errichtet.[8]

Hinsichtlich der Steuerbarkeit und der Herrschaftsrechte im Amt Postbauer gab es Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts eine Vielzahl von Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschordensamt Postbauer und dem Kurfürsten und Pfalzgrafen Phillipp sowie auch mit dessen Söhnen Pfalzgraf Ludwig V. und Friedrich II. von Pfalz, die von fortgesetzten Übergriffen der fürstlichen Amtsleute gekennzeichnet waren. Erst mit dem Vertrag von 1535 zwischen dem Administrator des Hochmeisteramts Walter von Cronberg, von Seiten des Deutschmeisters und Kurfürst Friedrich III. wurden die Herrschaftsrechte eindeutig geregelt. Danach verblieb die niedere Gerichtsbarkeit beim Deutschen Orden, während die Hochgerichtsbarkeit nunmehr von den Neumarkter Pfalzgrafen ausgeübt wurde.[9]

Schloss und Kirche Postbauer anno 1724

Vermutlich bereits Mitte des 16. Jahrhunderts erfuhr der Wehrbau (Bergfried) in Postbauer eine deutliche Erweiterung, denn auf einer handgezeichneten Karte des Jahres 1581 ist ein Schlossgebäude mit halbrunden, am Mauerwerk vorspringenden Türmen abgebildet. Ein Eintrag im Nürnberger Salbuch von 1611 (138, fol. 3r) bestätigt diese Bauten in einer kurzen Beschreibung: "Zu Postbauer hat der hochlöbliche orden und daß hauß Nurmberg ain schloß, welches ringß umb mit einem wasser graben einer mauren und vier runthöllen umbfanngen, vor dem schloß hat eß einen schönen weiten vorhoff mit städeln und viech heußern erbawet".[10]

Zunächst diente das Schloß als Zentrum der Pflegamtsverwaltung, der Organisation von Fronen und der Lagerung von eingehenden Abgaben. Auch die erwährten Stallungen, in denen regelmäßig 11 Pferde Platz fanden, dürften diese Zwecke erfüllt haben. Diese ansehnliche und mehrfunktionale Schlossanlage wurde bereits zu Beginn des Jahrhunderts, in den Jahren 1702 oder 1703, unter dem Pfleger Georg Wilhelm Pfo "weegen grosser baufälligkeit ... zum theil renovirt, theils auch new auferbauet."[10]

1717 befanden sich in dem mit einem Wassergraben umgebenen zweistöckigen Gebäude "3 zimmer, 4 stuben, 1 cammer; 2 kleine kuchel keller, 4 rondell oder thürn, wobei die undern zimmern ... wegen des waßer grabens sehr feucht und salpetreich waren."[11] Nach Plänen es Nürnberger Baumeisters und Architekten Johann Ulrich Mösel wurde im Jahre 1722 mit dem Neubau der Kirche St. Johannes begonnen, wobei der an der alten Kirchmauer vorbeiführende Wassergraben des Schlosses ein Stück in einen Garten hinein verlegt werden musste. Im Sommer 1724 wurde das neue Gotteshaus, eine Filialkirche der Pfarrei Pölling, durch den Eichstätter Weihbischof Johann Adam Nieberlein benefiziert.[12]

Einem Ratserlass der freien Reichsstadt Nürnberg des Jahres 1623 ist zu entnehmen, dass zu jener Zeit bereits eine Poststation auf der Strecke Nürnberg-Neumarkt-Regensburg bestand. Auch ein Postraub ist dokumentiert, als am 19. Mai 1732 der "Ordinari reitende Kayserliche höchst Privilegierte reichs-Postillion von dreyen Raubern angefallen, zu Boden geschlagen und aller mit sich geführter Brief-Paquter höchst sträflich beraubt worden war."[13]

Am 15. November 1805 traf der Landesdirektionsrat Schiber, aus Amberg kommend, in Postbauer ein und eröffnete dem Deutschordenspfleger Sebastian Haffner, dass auf Basis des Reichsdeputationshauptschlusses ab sofort die Verwaltung der deutschherrischen Besitzungen in der Oberpfalz von der pfalzbayerischen Regierung in Amberg ausgeübt werde und "er also unverzüglich die Kassen Material-Vorräthe und Registratur vorzeigen solle". Trotz des standhaften Widerstand des Pflegers leisteten am Folgetag gegen 14:00 Uhr 197 deutschherrische Untertanen in Neumarkt ein "Handgelübde" auf den bayerischen Kurfürsten, zumal sie sich damit der Scharwerke entledigen konnten, zu denen sie in den vergangenen Jahrhunderten das Deutschordenspflegamt gezwungen hatte. Am 30. Dezember 1805 leistete dann auch der Deutschordenspfleger Sebastian Haffner den Treueeid gegenüber dem pfälzischen Kurfürsten Maximilian IV. und wurde als kurfürstlicher "Landsassengerichtshalter" in Postbauer eingesetzt.[14]

Damit endete die Ordensherrschaft Postbauer über 216 oberpfälzische Anwesen, die zuletzt 2749 Tagwerk Äcker, Wiesen, Wälder und Fischteiche bewirtschaftet hatten.[14]

Liste der Amtsleute und Pfleger des Deutschordens-Pflegamts Postbauer[15][16][17]
Weitere Informationen Ab, Amtmann ...
Ab Amtmann Ab Pfleger Ab Pfleger Ab Pfleger
1283Konrad Ammann1471Jorg Erlweck1555Christoph Dorst1640Michael Adelmann
1322Heinrich Ammann1481Jörg Mühlbeck1575W. Kuhnlein1695Ulrich Adelmann
1343Fridrich Ammann1490Cunratt Erbeck1582Philipp Schaller1696Martin Johann Seidel
1386Konrad Ammann1494Fridrich Gutzer1596Ulrich Adelmann1701Georg Wilhelm Pfo
1438Wilhelm Pilsacher1500Hans Holzschuher1606Wilhelm Hutzler1738Johann Georg Sartorius
1463Hans Holzschuher1542Keuth1614Fabian Adelmann1763Johann Ignatz Haffner
Letzter Pfleger ab1794Sebastian Wilhelm Hafnerbiszum 15. November1805
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Am 26. Dezember 1805 wurde das Königreich Bayern proklamiert und der bisherige Kurfürst Maximian IV wurde König Maximilian I. Joseph. Das Königreich Bayern veräußerte am 15. Dezember 1806 das Pflegamtsschloss Postbauer im Rahmen einer Versteigerung für 12.250 Gulden an Peter Fürnkäß aus Postbauer.[18]

Die Gemeinde Postbauer

Ansichtskarte Postbauer um 1900

Mit dem Gemeindeedikt des Jahres 1808 wurde der Steuerdistrikt Postbauer als Verwaltungseinheit gebildet. Diesem gehörten die Orte Buch, Dillberg, Heng, Kemnath, Köstlbach, Kothmühle, Postbauer und Wurzhof an. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt des Jahres 1818 entstand dann die Ruralgemeinde Postbauer mit den Ortsteilen Brandmühle (bis dahin Oberferrieden, Amt Burgthann), Buch, Dillberg, Kemnath, Köstlbach, Kothmühle und Wurzhof.[19]

Am 1. Dezember 1871 wurde die Bahnsrecke Nürnberg-Neumarkt der königlich privilegierte Actiengesellschaft der bayerischen Ostbahnen eröffnet. Damit erhielt das Dorf einen Anschluss an das Bayerische Fernbahnnetz.[13] Am 1. Dezember 1918 hat der Gemeinderat Postbauer beschlossen, "einen Vertrag über die Versorgung der Gemeinde mit elektrischer Kraft abzuschließen".[20]

Die katholische Filialkirche und ehemalige Deutschordenspflegamts-Kirche St. Johann Baptist wurde nach Kriegszerstörung 1945 im Jahr 1951 erneuert.

Von 1948 bis 1971 war Stefan Leonhard der 1. Bürgermeister von Postbauer. Für seine großen Verdienste wurde ihm am 19. Juli 1971 das Bundesverdienstkreuz am Bande und am 10. Dezember 1976 die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Postbauer-Heng verliehen.

Die Gemeinde Postbauer-Heng entstand am 1. April 1971 im Zuge der Gebietsreform in Bayern durch die Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Postbauer und Heng.[21] Die 1.452 Bürger Postbauers und die 1.424 Bürger von Heng hatten zuvor am 13. September 1970 mit 86 % für die Zusammenlegung der beiden Gemeinden gestimmt.[22]

Liste der Gemeindevorsteher und Bürgermeister der Gemeinde Postbauer[23]
Weitere Informationen Ab, Gemeindevorsteher ...
Ab Gemeindevorsteher Ab Bürgermeister Ab Bürgermeister
1828 Georg (oder Johann Georg) Gruber 1869 Stephan Rupprecht 1933 Johann Georg Holzammer
1843 Johann Evangelist Kriegbaum 1870 Johann Michael Silberhorn 1933 Johann Georg Link
1846 Georg Leonhard Harrer 1876 Meier 1935 Johann Dollinger
1853 Joseph (oder Joseph Georg) Silberhorn 1881 Ulrich Meier 1935 Georg Kellermann
1857 Maier 1888 Johann Silberhorn 1945 Konrad Gärtner
1861 Alois (oder Georg) 1894 Christoph Leonhard 1948 Stefan Leonhard
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Am 7. Juni 1990 erwarb die Gemeinde Postbauer-Heng das ehemalige Deutschherrnschloss und unterzog es in den folgenden Jahren einer gründlichen Renovierung. Seit der Einweihung der Einweihung am 22. Juni 1996 findet das im neuen Glanz erstrahlende "Haus der Kultur" als Veranstaltungsstätte und auch für Trauungszeremonien Verwendung.[18]

Da der jetzige Hauptort der Gemeinde Postbauer-Heng aus den früheren Orten Postbauer und Heng zusammengewachsen ist, wird kein amtlicher Gemeindeteil Postbauer mehr ausgewiesen.[22]

Einwohnerentwicklung der Gemeinde Postbauer

Dargestellt sind hier die Bevölkerungszahlen der Gemeinde Postbauer mit dem Gebietsstand des Jahres 1818:

Weitere Informationen Berichtsjahr ...
Berichtsjahr 1840 1855 1867 1875 1885 1900 1910 1925 1939 1952 1961 1970
Einwohnerzahl 489 458 458 539 566 540 562 615 575 920 1133 1452
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Quellen: 1840-1952[24] / 1961+1970[25]

Die Einwohnerzahl der Gemeinde Postbauer wuchs in der Zeit zwischen 1840 und 1939 zwar kontinuierlich aber auch sehr langsam. Größere Zuwächse brachte in diesem Zeitraum die Anbindung an das Eisenbahnnetz im Jahre 1871. Erst der Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg führte zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkerungszahlen.[25]

Einzelnachweise

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