Prachthäher
Art der Gattung Garrulus
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Der Prachthäher (Garrulus lidthi, japanisch 瑠璃橿鳥 Rurikakesu) ist ein Singvogel aus der Familie der Rabenvögel (Corvidae), der auf einigen der japanischen Amami-Inseln verbreitet ist. Er wird als nicht gefährdet eingestuft, steht jedoch unter Schutz. Nach der Einführung von Goldstaubmungos im Jahr 1979 verzeichnete die Art einen deutlichen Populationsrückgang, erholte sich jedoch mit der ab dem Jahr 2000 begonnenen Bekämpfung und im September 2024 erklärten Ausrottung der Mungos allmählich wieder.
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Prachthäher (Garrulus lidthi) im Ueno-Zoo in Tokio | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Garrulus lidthi | ||||||||||||
| Bonaparte, 1850 |
Merkmale
Das Gefieder ist an Kopf, Flügeln und Steuerfedern dunkelblau und rostrot am Rumpf. Der Schnabel ist an der Spitze weißlich bis elfenbeinfarben und graubläulich an der Basis. Stirn und Zügel sind bläulich schwarz. Die Spitzen der Flügel und Steuerfedern sind weiß gefärbt, und auch am Hals finden sich weiße Sprenkel.[1][2] Die Kopf-Rumpf-Länge des Prachthähers beträgt bei adulten Tieren durchschnittlich 38 Zentimeter. Die Steuerfedern sind bei Weibchen bis zu 18,1 und bei Männchen bis 16,5 Zentimeter lang.[3][4]
Lebensweise
Der Prachthäher ist tagaktiv.[3] Er lebt vorzugsweise in dichten subtropischen, immergrünen Wäldern und Nadelwäldern, kommt aber auch an Waldrändern, auf Landwirtschaftsflächen oder in Gärten vor.[5] Er gibt wie andere Rabenvögel laute, kreischende Rufe von sich und fliegt auch in kleinen Schwärmen.[1] Seine Nahrung besteht vorzugsweise aus Eicheln und anderen Nussfrüchten von Bäumen wie der Blauen Japanischen Eiche Quercus glauca[6][7], des Pasania-Baums[8] bzw. Shii-Baums[9] Castanopsis cuspidata (die Scheinkastanie Castanopsis cuspidata) und des Itajii-Baums Castanopsis sieboldii (Scheinkastanie Castanopsis sieboldii)[10].[11][5] Wenn diese Nahrungsquelle erschöpft ist, sucht der Prachthäher oft Landwirtschaftsflächen auf. Zu seiner Nahrung zählen neben Früchten und Samen beispielsweise Süßkartoffeln, Wirbellose wie Insekten und Spinnen, aber auch kleine Reptilien. Das Vorhandensein von Baumfrüchten in ausreichender Menge ist für den Bruterfolg der Art entscheidend.[12] Der Prachthäher nistet in Baumhöhlen.[13] Die Brutzeit geht von Ende Januar bis Mai.[5] Die Gelege umfassen durchschnittlich vier Eier.[3] Zu den Prädatoren, die Eer und Jungvögel des Prachthähers fressen, zählen Krähen, Schlangen und einige Säugetiere.[5]
Verbreitungsgebiet

Der Prachthäher ist auf den japanischen Amami-Inseln endemisch. Dort kommt er auf der Hauptinsel Amami-Ōshima sowie auf Kakeroma-jima und Edateku-jima vor. Auf Tokunoshima ist die Art, die nach unbestätigten Berichten aus den 1920er Jahren dort in den zentralen Bergen weit verbreitet war, entweder ausgestorben oder die Berichte waren fehlerhaft und der Prachthäher kam bereits damals nicht auf Tokunoshima vor.[12]
Gefährdung und Schutz
Die International Union for Conservation of Nature (IUCN, „Weltnaturschutzunion“) stuft die Art als nicht gefährdet ein und den Populationstrend als stabil.[12] Bei der letzten Einstufung im Jahr 2016 wurde die Art dagegen noch als gefährdet kategorisiert und der Populationstrend als abnehmend. Auf der nationalen Roten Liste gefährdeter Arten Japans von 2020 wird die Art nicht aufgeführt, sie steht jedoch unter gesetzlichem Schutz.[5]
Der Prachthäher erlitt im 20. Jahrhundert mindestens zwei schwere Populationsrückgänge, die durch den Federnhandel und später durch invasive Arten verursacht wurden. Der Bestand der Art wurde in den 1970er Jahren auf etwa 5800 Tiere geschätzt.[12][14] 1910 wurden von der Mündung des Ganges im heutigen Bangladesch Goldstaubmungos nach Okinawa eingeführt und 1979 von dort auf Amami-Ōshima, um die auf der Insel verbreiteten Habuschlangen und eingeschleppten Hausratten zu bekämpfen.[15] Statt auf Habuschlangen machten die Mungos jedoch Jagd auf weniger wehrhafte Arten wie das Amami-Kaninchen, die Ryukyu-Stachelrattenart Tokudaia osimensis und die Froscharten Odorrana amamiensis, Odorrana splendida und Babina subaspera[14] und wirkten sich auch negativ auf den Prachthäher aus, da sie auch dessen Eier und Jungvögel fraßen. Im Jahr 2000 begann das Umweltministerium ein Programm, um den Goldstaubmungo wieder auszurotten. Seit 2018 wurde kein Mungo mehr gefangen und im September 2024 wurde die Art auf Amami-Ōshima für ausgerottet erklärt.[14] Mit Rückgang der zu ihrem Populationshöchsstand auf der Insel etwa 10.000 Tiere zählenden Mungos wuchs die Prachthäher-Population wieder und wird Stand 2024 auf etwa 5000 bis 10.000 Tiere geschätzt. Dennoch handelt es sich um eine kleine Population und es bestehen noch mögliche Bedrohungen durch Katzen und Hunde und sowie Dschungelkrähen, deren Bestand auf Amami-Ōshima eine Zeit lang zunahm, was möglicherweise auf einen Anstieg an Müll zurückging.[12][5]
Die Inseln Amami-Ōshima, Tokunoshima, Iriomote und der nördliche Teil der Insel Okinawa stehen seit 2021 auf der Liste des UNESCO-Weltnaturerbes.[16] Ein Schutzgebiet wurde um den Yuwan-dake auf Amami-Ōshima ausgewiesen.[5] Es ist Teil des seit 2017 bestehenden Amamiguntō-Nationalparks.[17] Die Wälder auf den Amami-Inseln haben sich durch die Naturschutzzonen und die zuletzt nur mit staatlichen Subventionen wirtschaftlich rentable Abholzung ein Stück erholt. Neben der Bekämpfung von invasiven Arten werden für den Prachthäher auch Nistkästen aufgestellt. Die Art ist zudem seit dem 3. März 1921 in der Präfektur Tokio als Naturdenkmal ausgewiesen. Dort gibt es ein Zuchtprogramm im Ueno-Zoo.[13]
Prachthäher und Mensch
Der Prachthäher ist seit 1965 der Präfekturvogel von Kagoshima und damit ein Symbol der Präfektur.[18]
Systematik
Der Prachthäher (Garrulus lidthi) ist eine Art der Rabenvögel aus der Gattung Garrulus. Er wurde 1850 von dem italienischen Zoologen Charles L. J. L. Bonaparte wissenschaftlich erstbeschrieben. Die Art benannte er zu Ehren des niederländischen Zoologen Theodoor Gerard van Lidth de Jeude.[19] Schwesterarten sind der Eichelhäher (Garrulus glandarius) und der Strichelhäher (Garrulus lanceolatus). Ersterer findet sich mit ausgeprägten geographischen Variationen von Nordafrika über Europa bis nach Ostasien, wo er auch in Japan vorkommt. Der Strichelhäher ist dagegen nur im Himalaya verbreitet, ist jedoch näher mit dem Prachthäher verwandt. Ihr gemeinsamer Vorfahr hatte vermutlich ein deutlich größeres Verbreitungsgebiet als die beiden Arten heute. Darauf deuten auch fossile Funde des Prachthähers auf der Insel Okinawa aus dem späten Pleistozän hin.[20][21][22]
Weblinks
- Prachthäher (Garrulus lidthi) bei Avibase
- Prachthäher (Garrulus lidthi) auf eBird.org
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Prachthäher (Garrulus lidthi)
- Lidth's Jay (Garrulus lidthi) in der Encyclopedia of Life. (englisch).
- Prachthäher (Garrulus lidthi) – LC in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.2. Eingestellt von: BirdLife International, 2024.