Presenchen
devastierter Ort in der Niederlausitz
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Presenchen (niedersorbisch Brjazynka), ältere Schreibweise bis zumindest 1950 Presehnchen war ein Dorf in der Niederlausitz, welches auf dem heutigen Gebiet der Stadt Luckau im Landkreis Dahme-Spreewald lag. Der Ort wurde 1987/88 zugunsten des Tagebaus Schlabendorf-Süd devastiert, 51 Einwohner mussten umgesiedelt werden.[1]
Presenchen Stadt Luckau | |
|---|---|
| Koordinaten: | 51° 48′ N, 13° 49′ O |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1950 |
| Eingemeindet nach: | Schlabendorf am See |

Lage
Presenchen lag in der Niederlausitz zwischen Fürstlich Drehna und Schlabendorf am See.
Geschichte
Presenchen wurde im Jahr 1479 erstmals urkundlich erwähnt.[2] Der niedersorbische Name Brjazynka bedeutet das kleine Birkenwäldchen.
Das Gebiet um den Ort wurde bereits um das Jahr 850 von den Lusitzi, einem slawischen Volksstamm aus der Niederlausitz bewohnt. Aus dieser Zeit befand sich südlich des Ortes der slawische Burgwall Borchelt, der auf einer Talsandinsel im Sumpfgebiet entstand.
Der Ort Presenchen war im Jahr 1589 nachweislich im Besitz des Herrn von Mickwitz und gehörte ab 1667 als Vorwerk zur Standesherrschaft Drehna. Von 1921 bis zu dessen Enteignung im Jahr 1946 gehörte das Dorf Karl von Wätjen.
Presenchen verfügte neben dem Gutshof auch über Stallungen und eine Schäferei, wobei letztere um das Jahr 1960 zu Rinderstallungen umgebaut wurde. Des Weiteren wurde in den Fischteichen um Presenchen Fischzucht durch die Fischwirtschaft Dreha betrieben. 1953 wurde die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Presenchen gegründet.
In Presenchen gab es eine Freiwillige Feuerwehr und einen Kindergarten, welcher im ehemaligen Gasthaus zur Linde untergebracht war. Die nächste Schule befand sich in Schlabendorf. Zudem hatte Presenchen keine eigene Kirche.[3]
Am 1. Juli 1950 wurde Presenchen nach Schlabendorf am See eingemeindet.[4] In den Jahren 1987/88 wurde Presenchen zugunsten des Braunkohletagebaus Schlabendorf-Süd vollständig abgebaggert. Seit 2004 erinnert das Naturparkzentrum Wanninchen mit einer Dauerausstellung an die abgebrochenen Orte in der Umgebung.[5]
2024 setzt Andreas H. Apelt in seinem Roman Sechsundreißig Seelen dem Schicksal der aus Presenchen und den ebenfalls abgebaggerten Dörfern Buschmühle, Dubitzmühle, Gliechow, Pademagk, Schlabendorf, Stiebsdorf, Tornow, Wanninchen und Zinnitz ausgesiedelten Bewohnern ein literarisches Denkmal.[6]
Siehe auch
Literatur
- Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlungen, Archiv verschwundener Orte, Forst/Horno, 2010
- Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 206–209
Weblinks
- Archiv verschwundener Orte
- Presenchen/Brjazynka im Archiv verschwundener Orte