DR-Baureihe E 50.3

elektrische Lokomotiven der Preußischen Staatsbahn für das Schlesische Netz From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Lokomotiven der DR-Baureihe E 50.3 waren elektrische Lokomotiven der Deutschen Reichsbahn für das Schlesische Netz. Zum Zeitpunkt ihrer Auslieferung ab 1923 verwendete die Reichsbahn noch das Nummerierungssystem der Preußischen Staatsbahn und bezeichnete sie als EP 236 bis EP 246. Sie wurden bis 1945 in den elektrischen Netzen der Reichsbahn in Schlesien und Mitteldeutschland eingesetzt.

Schnelle Fakten EP 236 bis EP 246 ...
EP 236 bis EP 246
DR-Baureihe E 50.3
Nummerierung: bei Ablieferung: pr. EP 236 bis EP 246
E 50 36–46
Anzahl: 11
Hersteller: mech. LHW
el. BEW
Baujahr(e): 1923–1924
Ausmusterung: bis 1956
Achsfolge: 2'D1'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge: 13.500 mm
Länge über Puffer: 14.800 mm
Gesamtachsstand: 11.400 mm
Treibraddurchmesser: 1.250 mm
Laufraddurchmesser: 1000 mm
Dienstmasse: 108,6 t
Reibungsmasse: 65 t
Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
Stundenleistung: 2.400 kW
Dauerleistung: 1.650 kW
Leistungskennziffer: 22,1 kW/t
Anfahrzugkraft: 240 kN
Stromsystem: 15 kV 16 2/3 Hz AC
Stromübertragung: Oberleitung
Fahrstufenschalter: urspr. 16 Stufen
später 18 Stufen
Fahrmotoren: 1
Antrieb: Treibstangen
Steuerung: Schützensteuerung
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Geschichte

Die Suche der Preußischen Staatsbahn nach einer passenden Lokomotive für das anspruchsvolle schlesische Streckennetz brachte zunächst kein befriedigendes Ergebnis, sodass es 1914 zur Entwicklung der EP 235 kam. Nachdem sich bei dieser Versuchslokomotive das Entwicklungsprinzip bewährt hatte, gab die Preußische Staatsbahn bei den Herstellern LHW (mechanischer Teil) und BEW (elektrischer Teil) elf Lokomotiven in Auftrag, die für den Personenzugdienst auf dem elektrifizierten schlesischen Netz vorgesehen waren. Das Leistungsprogramm sah die Beförderung von 500-Tonnen-Zügen bei 20 Promille mit 60 km/h und in der Waagerechten mit 85 km/h vor. Bedingt durch den Ersten Weltkrieg wurden die Fahrzeuge erst 1923 und 1924 an die Deutsche Reichsbahn ausgeliefert, in der die Preußische Staatsbahn 1920 aufgegangen war.

Torso der E 50 42 im Verkehrsmuseum Dresden

Die Lokomotiven bewährten sich beim Einsatz im schweren Personenzugdienst auf den schlesischen Strecken. Sie konnten trotz des geringen Treibraddurchmessers gelegentlich die Geschwindigkeit von 90 km/h erreichen. Auf der 155 km langen Strecke GörlitzKönigszelt konnten Fahrzeiteinsparungen von 36 Minuten im Schnellzugdienst und 60 Minuten im Güterzugdienst gegenüber der Dampftraktion erreicht werden. Im Schnellzugdienst war der Einsatz aber später eher die Ausnahme, hier kam es nur zu gelegentlichen Einsätzen beim Ausfall einer E 21.0 oder einer E 17. Das führte allerdings zu Verspätungen und einem enormen Mehrbedarf an Schmierstoffen für das Gestänge bzw. später zu einem starken Triebwerksverschleiß.[1]

Im Jahr 1938 wurden zunächst die E 50 41–46 und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die restlichen fünf Lokomotiven zum Bahnbetriebswerk Magdeburg-Rothensee umstationiert. Bei Kriegsende waren noch die E 50 38 und die E 50 42 im Einsatz, die übrigen waren ausgemustert oder durch Kriegsereignisse beschädigt. Keine der Lokomotiven kam nach dem Krieg und der Demontage der Oberleitungen durch die sowjetische Besatzungsmacht noch zum Einsatz, sie verblieben ohne formelle Ausmusterung im Schadpark. Im Sommer 1946 mussten die Lokomotiven E 50 36, 39 bis 42, 44 bis 48, 51 und 52 als Demontagegüter in die Sowjetunion abgefahren werden.[2] Dort standen sie letztlich ungenutzt über sechs Jahre im Freien abgestellt. 1952/53 kamen alle Lokomotiven wieder zurück in die DDR zur Deutschen Reichsbahn (DR). Aufgrund ihres Zustands und der veralteten Technik wurden die Maschinen dieser Serie durch die DR 1956 ausgemustert und verschrottet, zuletzt im Jahr 1966 die E 50 46 im Raw Dessau.[3] Von der E 50 42 blieb das mittlere Rahmenstück mit dem Fahrmotor, dem Stangenantrieb und den Treibachsen im Verkehrsmuseum Dresden erhalten.

Konstruktive Merkmale

Werkfoto der BEW von dem Führerstand der Lokomotive; das Merkmal des Fahrschalters dieser Baureihe waren die zwei Handräder

Die Lokomotive war ebenso wie die Preußische EP 235 eine Einrahmenlokomotive mit einem Fahrmotor und Stangenantrieb. Das Laufwerk ist daher ebenso wie bei dieser Baureihe ausgebildet, mit dem Krauss-Lotter-Gestell auf der einen Seite und dem nahe an das führende feste Kuppelrad herangeschobenen Bisselgestell an der anderen Fahrzeugseite. Die beiden Treibstangen sind vom Fahrmotor in einer Neigung von 90° zu den beiden, jeweils zwischen dem ersten und zweiten bzw. dem dritten und vierten Treibradsatz angeordneten Blindwellen geführt, von denen jeweils die Antriebsachsen direkt angetrieben werden. Die bestellende Bahnverwaltung entschied sich bei ihr zu einer Verstärkung des Fahrzeugteiles. Der Hauptrahmen war als Blechrahmen ausgeführt, der durch die Pufferbohlen, verschiedene Längs- und Querverstrebungen und die beiden Stahlgusslagerböcke der Blindwellen versteift wurde.

Als Fahrmotoren wurden die der DR-Baureihe E 06 verwendet, die zu den größten verwendeten Bahnmotoren der Welt gehörten. Sie hatten einen Ständerdurchmesser von 3.360 mm und waren 36-polige Wechselstrom-Reihenschlussmotoren. Ihre Masse betrug 18,7 t. Der Haupttransformator war ein luftgekühlter Manteltransformator. Er hatte sekundärseitig 15 Anzapfungen. Die Fahrzeugsteuerung war eine elektropneumatische Schützensteuerung mit 16, später 18 Fahrstufen.

Ursprünglich waren die Lokomotiven mit einem Dampfkessel für die Zugheizung ausgerüstet, der jedoch Ende der 1920er Jahre wieder entfernt wurde. Danach wurde dieser Raum als Kompressorkammer verwendet. Die Bremsausrüstung der Lokomotive war die Knorr-Bremse mit Zusatz. Auf dem Fahrzeugdach waren die beiden Stromabnehmer, die Dachleitungen und die Schutzdrosseln sowie der Ölhauptschalter angeordnet.

Siehe auch

Literatur

  • Dieter Bäzold, Günther Fiebig: Eisenbahn-Fahrzeug-Archiv Teil 4: Ellokarchiv., 6. Auflage, Transpress Verlag, Berlin 1987; ISBN 3-344-00173-6
Commons: Preußische EP 236 bis EP 246 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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