Projekt 97P
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Das Projekt 97P (russisch 97П) nach dem Typschiff auch als Iwan-Susanin-Klasse bezeichnet, ist eine Klasse von acht Eisbrechern, bzw. Patrouillenbooten. Die Schiffe wurden für die sowjetische Marine und die sowjetischen Grenztruppen gebaut und werden heute teilweise von der russischen Marine und der Küstenwache des Grenzdienstes des FSB betrieben.
Wolga (#183) im September 2007 | ||||||||||||||
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Geschichte
Mitte der 1950er Jahre begann die Sowjetunion mit der Entwicklung eines neuen dieselelektrischen Eisbrechers, der auf dem 1942 gebauten, dampfbetriebenen Eisbrecher Ilja Muromez basierte und den Anforderungen sowohl ziviler als auch militärischer Betreiber gerecht werden sollte. Die bis Anfang der 1980er Jahre in verschiedenen Konfigurationen gebauten Eisbrecher des Projekts 97 und ihre Derivate sind die größte und am längsten eingesetzte Klasse von Eisbrechern, die je weltweit gebaut wurde.[1]

Die Schiffe des Projekts 97P waren für den Wachdienst in Gebieten mit schwierigen Eisbedingungen vorgesehen. Insgesamt wurden acht Schiffe gebaut, darunter zwei für die Marine.[2]
Zu den Versorgungsschiffen beim Eistest mit der Ilya Muromez im April 2018 gehörte auch der Eisbrecher Ruslan vom Typ 97P der Weißmeer-Marinebasis.[3]
Der Patrouillen-Eisbrecher des Projekts 97P Iwan Sussanin befreite am 22. Januar 2020 eine Fläche von etwa 10 km² im Bereich der Basis der Atom-U-Boote der Pazifikflotte auf Kamtschatka vom Eis. Das bis zu 0,8 Meter dicke Eis beeinträchtigte die Sicherheit der Liegeplätze und die Fahrt der U-Boote.[4]
Entwurf
Mit einer Gesamtlänge von etwa 70 Metern und einer Breite von rund 18 Metern sind die Patrouillenschiffe der Ivan-Susanin-Klasse etwas größer als die Eisbrecher des Projekts 97, auf denen sie basieren. Voll beladen haben die Schiffe einen Tiefgang von 6,5 Metern und eine Verdrängung von 3710 Tonnen. Der Rumpf, der von einem älteren, in Schweden gebauten Eisbrecher abgeleitet ist, zeichnet sich durch einen runden Mittelteil mit ausgeprägter Verengung des Schiffskörpers oberhalb der Wasserlinie und praktisch ohne flachen Boden oder Seiten aus; dies macht die Schiffe für die Besatzung bei schwerer See unangenehm, obwohl sie über zwei Rollentankdämpfer verfügen. Das vergrößerte Deckshaus ist aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung gebaut, um das Gewicht zu reduzieren, und bietet Platz für 10 Offiziere und 113 Besatzungsmitglieder.[1]

Die Patrouillenschiffe der Ivan-Susanin-Klasse verfügen über denselben dieselelektrischen Antrieb wie die anderen Varianten des Projekts 97. Ihre 1800 PS (1300 kW) starken 10-Zylinder-13D100-Zweitakt-Gegenkolben-Hauptdieselmotoren sind nachgebaute Fairbanks-Morse-Dieselmotoren des Typs 38 8 1/8, die von der Malyshev Factory in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik hergestellt wurden. Die Motoren sind mit Doppelankermotoren (2 × 625 kWe) gekoppelt, die zwei 3,5 Meter große Vierblatt-Festpropeller im Heck mit einer Leistung von 2400 PS (1800 kW) antreiben. Die Patrouillenschiffe wurden zwar nicht wie die Eisbrecher, auf denen sie basieren, mit einem dritten Propeller am Bug ausgestattet, da dieser unter den Eisbedingungen der Arktis anfällig für Beschädigungen war, dennoch können sie bis zu 70 Zentimeter (28 Zoll) dickes Eis brechen. Die Schiffe verfügen über fünf 6Ch2B/34-Dieselgeneratoren für den Schiffsbetrieb.[1]
Schiffe
Von den acht gebauten Einheiten befinden sich noch vier im Dienst.
| Name | Baunummer | Kiellegung | Stapellauf | Indienststellung | Betreiber | Einsatzgebiet | Status |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ivan-Susanin
«Иван Сусанин» |
02650 | 31. Juli 1972 | 28. Februar 1973 | 30. Dezember 1973 | Marine | Pazifik | Im Dienst
(Stand 2022)[5] |
| Aysberg
«Айсберг» |
02651 | 17. Oktober 1973 | 27. April 1974 | 25. Dezember 1974 | 1974–1993 Marine
1993–2006 Küstenwache |
Pazifik | Verschrottet
2006 |
| Ruslan «Руслан» | 02652 | 26. Dezember 1973 | 28. Mai 1974 | 26. September 1975 | Marine | Nordflotte | Im Dienst
(Stand 2020) |
| Anadyr
«Анадырь» |
02653 | 16. Juli 1975 | 14. Februar 1976 | 30. September 1976 | Küstenwache | Pazifik | Verschrottet
2019 |
| Dunay
«Дунай» |
02654 | 24. Dezember 1976 | 5. August 1977 | 31. Dezember 1977 | Küstenwache | Pazifik | Verschrottet
2019 |
| Neva #170
«Нева» |
02655 | 23. November 1977 | 28. Juli 1978 | 27. Dezember 1978 | Küstenwache | Pazifik | Im Dienst
(Stand 2021) |
| Wolga #183
«Волга» |
02656 | 27. Februar 1979 | 19. April 1980 | 26. Dezember 1980 | Küstenwache | Pazifik | Im Dienst
(Stand 2022)[6] |
| Murmansk
«Мурманск» |
02657 | 22. April 1980 | 03. Juli 1981 | 25. Dezember 1981 | Küstenwache | Nordflotte | Verschrottet
2017[7] |
Galerie
- Im September 1983 beteiligte sich die Imeni XXV syezda KPSS, später Anadyr an der Suche nach Überlebenden des Korean-Air-Lines-Flugs 007
- Imeni XXV syezda KPSS, später Anadyr mit einem Hubschrauber vom Typ Ka-25 auf dem Flugdeck während der Suche nach Überlebenden des Korean-Air-Lines-Flugs 007
- Wolga fotografiert auf dem Weg nach San Francisco, um an den Feierlichkeiten zum 200-jährigen Jubiläum der amerikanischen Küstenwache teilzunehmen.
- Projekt 97P Wolga eskortiert in Petropawlowsk-Kamtschatski die Boutwell der US-Küstenwache. Die Boutwell kam als Vertreter der US-Küstenwache zum Nordpazifik-Küstenwacheforum (NPCGF).
- „Neva“ mit der Bugnummer 170 in der Werft in Petropawlowsk-Kamtschatski
- Ivan-Susanin-Klasse Imeni XXV sezda KPSS (später Anadyr) während der Fahrt.
