Propinal

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

Propinal ist eine organische Verbindung mit der Summenformel C3H2O. Es ist die einfachste chemische Verbindung eines Aldehyds mit einer C≡C-Dreifachbindung und gehört zur Stoffklasse der Alkinale.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformel von Propinal
Allgemeines
Name Propinal
Andere Namen
  • Propargylaldehyd
  • Propiolaldehyd
  • 2-Propynal
Summenformel C3H2O
Kurzbeschreibung

farblose bis braune Flüssigkeit[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 624-67-9
EG-Nummer 210-857-4
ECHA-InfoCard 100.009.871
PubChem 12222
ChemSpider 11721
Wikidata Q21099676
Eigenschaften
Molare Masse 54,05 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,4065 g·cm−3 bei 20 °C[2]

Siedepunkt
Löslichkeit

löslich in Wasser, Ethanol, Diethylether, Benzol, Toluol, Aceton[4], in Chloroform und Methanol[1]

Brechungsindex
  • 1,3963 (25 °C, 589 nm)[5]
  • 1,4050 (25 °C, 589 nm)[6]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[1]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 225300+330315319335
P: 210264280301+310303+361+353304+340305+351+338[1]
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
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Vorkommen und Darstellung

Das Vorkommen von Propinal neben den C3H2O-Isomeren Cyclopropenon und Propadienon H2C=C=C=O wurde in Molekülwolken im interstellaren Raum nachgewiesen.[7]

Die chemische Synthese von Propargylaldehyd wurde erstmals 1898 von Ludwig Claisen berichtet.[3] Ausgehend von 2,3-Dibrompropionaldehyd-diethylacetal (aus Acrolein durch Brom-Addition und Acetalisierung mit Orthoameisensäuretriethylester) wird durch zweifache Dehydrobromierung (Abspaltung von Bromwasserstoff HBr) Propinal-diethylacetal gebildet, das mit Schwefelsäure zum freien Propinal gespalten wird.[8]

Propinal aus Acroleinnach Claisen
Propinal aus Acroleinnach Claisen

Eine Laborvorschrift aus Organic Syntheses beschreibt die Herstellung von Propinal durch Oxidation von Propargylalkohol mit giftigem, mutagenem und karzinogenem Chrom(VI)-oxid und Schwefelsäure in bescheidener Ausbeute von 35 bis 41 %.[6] In einer verbesserten Variante mit Methylethylketon MEK als Lösungsmittel für Propinol und Zugabe einer wässrigen Lösung von Chromtrioxid/Schwefelsäure bei Raumtemperatur wird eine Ausbeute von 91 % erzielt.[2] Wegen der problematischen Eigenschaften von Chromtrioxid und der schwierigen Aufarbeitung und Entsorgung von Cr(VI)-Salzen ist diese Syntheseroute nicht mehr zeitgemäß.

Auch für größere Ansätze geeignet erscheint die Vakuum-Pyrolyse des einfach zugänglichen Dipropargylethers (in einer Williamson-Ethersynthese aus Propinol und Propargylbromid zugänglich)[9] bei 750 °C zu Propinal (80 % Ausbeute) und Propadien.[10]

Propinal durch Vakuumpyrolyse von Dipropargylether
Propinal durch Vakuumpyrolyse von Dipropargylether

Eigenschaften

Propinal ist als Reinsubstanz eine farblose Flüssigkeit, die sich in Wasser und vielen organischen Lösungsmitteln löst. Bei längerem Stehen verfärbt sich die Verbindung von gelb nach braunrot.[11] Nach L. Claisen ist „der Propargylaldehyd ein Liquidum, welches Nase und Augen ebenso heftig oder noch stärker reizt als Acrolein“.[3] Spuren von Peroxiden oder Basen können eine explosionsartige Polymerisation von in Glasbehältern gelagertem Propargylaldehyd initiieren.[12] Daher sollte Propinal mit Vorsicht in maximal 10 %iger Lösung in höhersiedenden Lösungsmitteln, z. B. Toluol, gehandhabt und in Lagerbehältern aus Aluminium oder Kunststoff aufbewahrt werden.

Anwendungen

Additionen an die Dreifachbindung

Bei der Addition von Dimethylamin an die Dreifachbindung von Propargylaldehyd im Sinne einer Vinylierung nach Reppe entsteht 3-Dimethylaminoacrolein in 88%iger Ausbeute als gelbes Öl.[13]

Synthese von 3-Dimethylaminoacrolein aus Propargylaldehyd
Synthese von 3-Dimethylaminoacrolein aus Propargylaldehyd

In ähnlicher Weise addieren Nukleophile mit Hydroxygruppen oder Thiolgruppen an Propinal unter Bildung von in 3-Stellung substituierten Acroleinen, die eine Doppelbindung in Konjugation mit einer Carbonylgruppe im Molekül aufweisen.

Thiol-Addition an Propinal
Thiol-Addition an Propinal

So erzeugt die Michael-Addition von 3-Mercaptopropionsäuremethylester an Propinal ein cis/trans-Isomerengemisch eines 3-thiosubstituierten Acroleins, da durch Behandlung mit Iod in vollständig in das stabilere trans-Isomere überführt werden kann.[14]

In einer [1,4]-Addition reagiert Propinal, das durch Einschluss in Zeolith-Y-Käfigstrukturen sowohl stabilisiert als auch aktiviert wird, mit wenig reaktiven Methoxybenzolen, wie z. B. Anisol zu dem Aromastoff 4-Methoxyzimtaldehyd oder in einer [2+2]-Cycloaddition mit unreaktiven Cycloalkenen, wie z. B. Cyclohexen zu dem bicyclischen ungesättigten Aldehyd Bicyclo[4.2.0]oct-7-en.[15]

Reaktionen mit zeolithgebundenem Propinal
Reaktionen mit zeolithgebundenem Propinal

Additionen an die Carbonylgruppe

Grignard-Verbindungen addieren leicht an die Carbonylgruppe des Propargylaldehyds, wobei die entsprechenden sekundären Alkohole gebildet werden.[4]

Addition von Grignard-Reagentien an Propinal
Addition von Grignard-Reagentien an Propinal

Cycloadditionen mit Propinal

Die 1,3-Dipolare Cycloaddition von Aziden, z. B. Trimethylsilylazid (CH3)3SiN3 an Propargylaldehyd liefert 4-Formyl-1,2,3-triazol in brauchbarer Ausbeute.[16]

1,2,3-Trialzole durch Cycloaddition von Azid an Propinal
1,2,3-Trialzole durch Cycloaddition von Azid an Propinal

1,2-Diaminobenzole kondensieren beim Erhitzen in einem Methanol/Dimethylformamid-Gemisch unter Cyclisierung zu Tetraaza[14]annulenen, die Schwermetallionen, wie z. B. Mangan3+, Nickel2+ oder Kupfer2+, komplexieren und als Modellverbindungen für Porphyrine dienen können.[17]

Tetraazaannulene mit Propinal
Tetraazaannulene mit Propinal

Einzelnachweise

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