Prototaxites
ausgestorbene Organismen aus dem Devon, Zugehörigkeit umstritten
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Prototaxites ist der Gattungsname eines ausgestorbenen Organismus aus dem Devon von ungewöhnlich großen Dimensionen. Bisher wurde Prototaxites als riesige Flechte oder als Pilz interpretiert. Die systematische Zugehörigkeit ist allerdings umstritten und neue molekularbiologische Untersuchungen vermuten in Prototaxites eine ausgestorbene Gruppe von Eukaryoten, die keinem heute noch existierenden Reich zuzuordnen ist.[1]
| Prototaxites | ||||||
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Prototaxites milwaukeensis | ||||||
| Zeitliches Auftreten | ||||||
| Mittleres Ordovicium bis Devon | ||||||
| 410 bis 370 Mio. Jahre | ||||||
| Systematik | ||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||
| Prototaxites | ||||||
| Dawson, 1859 | ||||||
Beschreibung
Das Fossil ist bisher nur in Bruchstücken gefunden worden. Es ähnelt einem Baumstumpf, und auf dieser Ähnlichkeit beruht auch sein Name (Taxus „Eibe“). Im Querschnitt zeigt das Fossil konzentrische Ringe unter gelegentlichem Einschluss von organischen Resten, die auf ein nicht kontinuierliches Wachstum hindeuten. Die Fragmente beinhalten zwei Typen von schlauchartigen Filamenten: Die größeren Filamente haben einen Durchmesser von 20 bis 60 μm und eine Wand von 2 bis 6 μm Dicke. Sie gabeln sich nicht und sind nicht durch Septen unterteilt. Die kleineren Filamente haben nur 5–10 μm Durchmesser und gabeln sich anders als die Hyphen von Pilzen mehrfach auf.
Lebensweise
Prototaxites wuchs auf dem Land zwischen Pflanzen wie Psilophyton und Aglaophyton. Bisher wurde das Fossil von vielen unterdevonischen Fossilfundstellen auf fast allen Kontinenten gefunden. Es war mit einer rekonstruierten Höhe von 2 bis 9 m und einem „Stammdurchmesser“ bis zu 1 m der höchste und größte Organismus unter den damaligen auf dem Land lebenden Organismen. Die obigen Befunde würden gut zu dem „Pilz-Modell“ (Saprophyten-Modell) passen. Allerdings wäre in diesem Saprophyten-Modell zum Aufbau einer derartig großen Biomasse ein sehr großes Areal nötig, damit der Saprophyt genügend organisches Material gefunden hätte. Es ließen sich jedoch keine Mycelien (und auch keine Spuren von Chitin) feststellen.[2]

Diese Beschränkung würde beim „Flechten-Modell“ wegfallen. Die Flechte hätte in direkter Konkurrenz mit den damaligen, noch sehr kleinen Pflanzen gestanden. Das könnte die Größe von Prototaxites gut erklären. In der neuesten Arbeit wird aber darauf hingewiesen, dass sich die Isotopenverhältnisse von Prototaxites und von Pflanzen aus denselben Schichten deutlich unterscheiden. Dieser Befund passt nicht zu der Annahme, dass Prototaxites Photosynthese wie die Pflanzen betrieben hat.
Mehrere Fossiliensammler berichten von Belegstücken, auf denen deutlich Verzweigungen oder Reste von blattähnlichen Organen zu erkennen sind. Sie weisen auch darauf hin, dass es wohl mehrere Arten von Prototaxites gegeben hat. Damit erklären sie die widersprüchlichen Ergebnisse der Forscher.
Geschichte
Als John William Dawson 1859 das Fossil erstmals beschrieb, interpretierte er es als eine fossile Gattung der Nacktsamer aus der Verwandtschaft der Eibe.[3] Daher auch der Name Prototaxites. Später wurde es als Codiacee (Grünalge) uminterpretiert. 1979 wurde das Fossil dann als Braunalge interpretiert. 2001 erfolgte eine Deutung als riesiger holobasidiomyceter Pilz durch Hueber. Selosse deutete dann die von Hueber präsentierten Befunde um und kam zum Ergebnis, dass Prototaxites eher eine Flechte war. 2007 brachten Boyce et al. neue Argumente für die Interpretation als Pilz.
Literatur
- Francis M. Hueber: Rotted wood–alga–fungus: the history and life of Prototaxites Dawson 1859. In: Review of Palaeobotany and Palynology. Band 116, Nr. 1–2, August 2001, S. 123–158, doi:10.1016/S0034-6667(01)00058-6.
- Marc-André Selosse: Prototaxites: A 400 MYR Old Giant Fossil, A Saprophytic Holobasidiomycete, or A Lichen? In: Mycological Research. Band 106, Nr. 6, Juni 2002, S. 642–644, doi:10.1017/S0953756202226313.
- C. Kevin Boyce, Carol L. Hotton, Marilyn L. Fogel, George D. Cody, Robert M. Hazen, Andrew H. Knoll, Francis M. Hueber: Devonian landscape heterogeneity recorded by a giant fungus. In: Geology. Band 35, Nr. 5, 2007, doi:10.1130/G23384A.1 (PDF).
- Altmeyer H. (1973): Astnarben an Prototaxiten? Der Aufschluss 24, 350-356
- Kräusel R. und Weyland H. (1930): Algen im deutschen Devon. Palaeographica, Abt. B 79, 131–172
- Neubauer D. (2015): Weitere Hinweise auf blattähnliche Organe an Prototaxiten. Der Aufschluss 66, 355–360
- Heidtke U.H.J. (2006): War der 400 Mill. Jahre alte "Monsterbaum" ein Pilz? Pollichia-Kurier 22 (1), 2006
Weblinks
- Hans Steur: Prototaxites, a huge, 400 million years old, fungus? Or an enormous lichen?
- geo.de: Acht Meter hoch: Forschende haben eine wohl unbekannte Lebensform entdeckt (28. Januar 2026, abgerufen am 30. Januar 2026)
- science.org: Prototaxites fossils are structurally and chemically distinct from extinct and extant Fungi (21. Januar 2026, abgerufen am 9. Feber 2026)