Blattspitzen-Gruppe
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Als Blattspitzen-Gruppen wird eine Übergangsindustrie des Paläolithikums zwischen dem Mittel- und Jungpaläolithikum von etwa 47.000 - 42.000 vor heute bezeichnet.[1] Die Gruppen lebten in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Thüringen in Deutschland. In Tschechien und Ungarn wird die Kultur mit Blattspitzen als Szeletien bezeichnet. In der Forschung wird die Zugehörigkeit der Blattspitzengruppen diskutiert. Noch vor kurzem wurde angenommen, dass die Inventare zum Micoquien und damit einer Kultur der späten Neandertaler zuzuordnen sind,[2] andere Archäologen haben diese Werkzeuge als eigenständige Kultureinheit betrachtet.[1]
| Paläolithikum | |
| ca. 47.000 - 42.000 vor heute | |
| Ausdehnung | |
| Mitteleuropa | |
| Leitformen | |
| flächenhaft bearbeitete blattförmige Spitzen | |

Aus der Ilsenhöhle unter der Burg Ranis stammen mehrere kleine Knochenfragmente des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens), die zwischen 43.000 und 45.000 Jahre alt sind.[3][4] Erst durch die Zuordnung dieser Knochenstücke zu Homo sapiens sind die wahrscheinlichen Hersteller der Blattspitzen gefunden. Die neuere Forschung geht von episodischen Einwanderungen kleiner Gruppen des modernen Menschen nach Mitteleuropa aus.
Siedlungsspuren und Werkzeuge haben sich bevorzugt in Höhlen erhalten. Ausnahmen bilden zum Beispiel die Blattspitzen von Zeitlarn in Bayern, die im Freiland gefunden wurden.
Werkzeuge
Namensgebend für die Blattspitzengruppe sind die Werkzeuge dieser Gruppen, die Blattspitzen, da die Umrissform an symmetrische Baumblätter (Weidenblätter oder Lorbeerblätter) erinnert. Typisch sind flächenhaft bearbeitete, große lorbeerblatt-, kleine buchenblatt- und lange, schmale weidenblattförmige Spitzen. Daneben finden sich langovale Blattformen und Schaber aus Feuerstein. Geprägt wurde der Begriff durch Gustav Schwantes. Die bayerische Altmühlgruppe wurde 1951 so von Assien Bohmers benannt.[5] Synonym wird auch der Begriff Präsolutréen verwendet, da es morphologische Ähnlichkeiten bei Blattspitzen in der jungpaläolithischen Kultur des Solutréens gibt.
Fundstellen der Blattspitzen-Gruppe in Deutschland
Nordrhein-Westfalen:
Thüringen:
- Ilsenhöhle unter der Burg Ranis[6]
Bayern:
- Kleine Ofnethöhle (Kreis Donau-Ries)
- Wittislingen
- Höhle Steinerner Rosenkranz (Lkr. Eichstätt),
- Weinberghöhlen bei Mauern (Lkr. Schrobenhausen)[5]
- Zwergloch bei Pottenstein
- Obere Klause und Mittlere Klause bei Neuessing
- Zeitlarn
- Buchberghöhle (bei Straubing),
- Vilshofen-Albersdorf
- Obernederhöhle im Altmühltal (Lkr. Kelheim)
- Kösten bei Lichtenfels (Oberfranken)
Baden-Württemberg:
- Haldensteinhöhle (Alb-Donau-Kreis)
- Hohle Fels (Alb-Donau-Kreis)[7]
- Mundelsheim
Rheinland-Pfalz:
- Gemarkung Busenberg[8]
Ungarn
- Szeleta-Höhle
- Jankovich-Höhle
Literatur
- Michael Bolus: Blattspitzen. In: Harald Floss (Hrsg.): Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit. 2. Auflage. Tübingen 2013, ISBN 978-3-935751-16-2, S. 317–326.