Psyrri
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Psyrri oder auch Psyri (griechisch Ψυρρή) ist ein historisches Stadtviertel der griechischen Hauptstadt Athen. Es gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten der Stadt und wurde erstmals im 17. Jahrhundert schriftlich erwähnt. Das heutige Stadtbild weist eine touristisch und gastronomisch geprägten Nachbarschaft auf.
Lage

Psyrri liegt im Zentrum Athens nördlich der Akropolis. Eingeschlossen wird es von der Ermou-Straße entlang der südlichen Peripherie, die Sofokleous-Straße im Norden, die Pireos-Straße im Westen und die Athinas-Straße im Osten. Psyrri grenzt u. a. an die Bezirke Kerameikos, Akadimia und Monastiraki an.[1]
Geschichte
Erste Erwähnung
Psyrrí wird erstmals im Jahr 1678 in dem Werk Reise nach Italien, Dalmatien, Griechenland und in den Orient des französischen Arztes Jacques Spon erwähnt. Darin wird das Viertel als eines der acht Stadtviertel Athens beschrieben. Die Etymologie des Namens ist nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich bedeutet der Name Psyrris „Einwohner von Psará“ und leitet sich von älteren Bezeichnungen der Insel Psará ab.
Die Koutsavakides
Ab etwa 1870 entwickelte sich Psyrrí zu einem der gefährlichsten Viertel Athens. Verantwortlich dafür waren die berüchtigten Koutsavakides. Nach Epameinondas Stasinopoulos leitet sich die Bezeichnung von Dimitrios Koutsavakis ab, einem Kavallerieunteroffizier zur Zeit von König Otto und seiner Gruppe von kriminellen und randständigen Gestalten, die außerhalb der gesellschaftlichen Ordnung lebten.[2]
Die Koutsavakides überfielen Händler und waren auch für mehrere Tötungsdelikte verantwortlich, was unter der Bevölkerung große Verunsicherung hervorrief. Die Aktivitäten der Koutsavakides endeten schließlich im Dezember 1893, als der damalige Polizeidirektor von Athen–Piräus innerhalb kurzer Zeit die führenden Mitglieder der Gruppe festnehmen ließ.[3]
Gegenwart

Heute gilt Psyrrí als malerisches und historisch geprägtes Stadtviertel mit zahlreichen Geschäften, Restaurants, Tavernen und Bars.[4] Gleichzeitig wird die Gegend jedoch weiterhin als sozial benachteiligt wahrgenommen. Zudem ist eine ausgeprägte Präsenz von Einzelhandelsgeschäften zu beobachten, die überwiegend von Migranten aus China, Bangladesch und Pakistan betrieben werden. Darüber hinaus befinden sich immer noch kleine Läden in Psyrrí, die von der Vergangenheit als Handwerkerviertel zeugen.[4] wie beispielsweise Schuhmachergeschäfte, die Lederwaren und maßgeschneiderte Schuhe anbieten.[5] Gerbereien befanden sich seit dem Mittelalter in dieser Gegend, da der Ilisos in der Nähe vorbeifloss und zum Waschen der Häute genutzt wurde. Heute noch erkennbar ist die Vergangenheit des Viertels anhand der alten Gebäude mit hohen Decken und wenigen Wänden, errichtet für Handwerksbetriebe mit sich anschließendem Geschäft.[6]
Verkehr
Bekannte Einwohner
Während der Zeit der osmanischen Herrschaft hielt sich Lord Byron im Haus des britischen Vizekonsuls Theodoros Makris auf, wo er dessen Tochter Theresia Makri kennenlernte und sich in sie verliebte.[8] In derselben Epoche befand sich in Psyrrí auch das Herrenhaus von Kyriakos Pittakis, der später als Archäologe durch seine Ausgrabungen auf der Akropolis von Athen bekannt wurde.
Nach der griechischen Unabhängigkeit ließen sich mehrere wohlhabende Familien in dem Viertel nieder, darunter jene des Fürsten der Walachei Ioannis Karatzas. Zu den bekanntesten Bewohnern von Psyrrí zählte zudem der Schriftsteller Alexandros Papadiamantis, der über 20 Jahre in der Gegend lebte und daher den Beinamen „Einsiedler von Psyrrí“ erhielt.