Pusterwald

Gemeinde im Bezirk Murtal, Steiermark From Wikipedia, the free encyclopedia

Pusterwald ist eine Gemeinde mit 426 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025) im Bezirk Murtal in der Steiermark.

Schnelle Fakten Wappen, Österreichkarte ...
Pusterwald
WappenÖsterreichkarte
Wappen von Pusterwald
Pusterwald (Österreich)
Pusterwald (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Steiermark Steiermark
Politischer Bezirk: Murtal
Kfz-Kennzeichen: MT (ab 1.7.2012; alt: JU)
Fläche: 105,23 km²
Koordinaten: 47° 19′ N, 14° 23′ O
Höhe: 1072 m ü. A.
Einwohner: 426 (1. Jän. 2025)
Bevölkerungsdichte: 4 Einw. pro km²
Postleitzahl: 8764
Vorwahl: 03574
Gemeindekennziffer: 6 20 21
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Pusterwald 51
8764 Pusterwald
Website: www.pusterwald.at
Politik
Bürgermeister: Fritz Strahlhofer (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2020)
(9 Mitglieder)
6
2
1
6 2 1 
Insgesamt 9 Sitze
Lage von Pusterwald im Bezirk Murtal
Lage der Gemeinde Pusterwald im Bezirk Murtal (anklickbare Karte)ObdachSpielberg
Lage der Gemeinde Pusterwald im Bezirk Murtal (anklickbare Karte)
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
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BW

Geografie

Das stark asymmetrische Haupttal des Pusterwaldbachs gliedert sich in die Abschnitte Gaschbach, Moosbach, Mitterspiel und Hinterwinkel. Seine steile, geschlossene Sonnseite weist im Bereich Hinterwinkel eine Reihe von Lawinenstrichen auf, die teilweise verbaut wurden.

Die Schattseite wird dagegen durch etliche Seitentäler gegliedert (Gaschbachgraben, Moosbachgraben, Bären- und Plättental, Scharnitzgraben), die den Zugang zu den hier zahlreichen Almen erleichtern.

Da die Gebirgsumrahmung im Westen und Südwesten größtenteils über 2000 hoch ist (8 Hauptgipfel und 15 weitere Zweitausender), gibt es keine Straßenverbindungen ins benachbarte Oberwölz bzw. Donnersbachtal.[1]

Gemeindegliederung

Die Gemeinde besteht aus der einzigen Katastralgemeinde und Ortschaft Pusterwald.

Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Judenburg.

Nachbargemeinden

Rottenmann (LI)
Irdning-Donnersbachtal (LI) Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Pölstal
Oberwölz (MU)

Klima

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Pusterwald
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) −4,6 −3,6 0,1 4,1 9,0 12,2 14,1 13,3 9,6 5,4 0,2 −3,6 4,7
Mittl. Tagesmax. (°C) 1,0 2,5 6,1 10,5 15,7 18,8 21,1 20,5 16,7 12,4 5,5 1,0 11
Mittl. Tagesmin. (°C) −8,6 −8,0 −4,0 −0,4 3,6 6,7 8,6 8,2 4,9 1,1 −3,3 −7,1 0,2
Niederschlag (mm) 45 38 55 52 95 124 144 134 95 76 65 47 Σ 970
Luftfeuchtigkeit (%) 67,3 60,1 56,5 53,1 56,0 55,8 54,8 57,2 57,5 60,8 68,0 73,2 60
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
1,0
−8,6
2,5
−8,0
6,1
−4,0
10,5
−0,4
15,7
3,6
18,8
6,7
21,1
8,6
20,5
8,2
16,7
4,9
12,4
1,1
5,5
−3,3
1,0
−7,1
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Geschichte

Pusterwald (slaw. pustъ = leer, öde, wild, unverbaut) blieb unbesiedelt bis der Salzburger Erzbischof im Hochmittelalter das Waldland diversen Adeligen als Lehen zur Rodung überließ (mindestens 40 Urhuben). 1294 wurde das Tal als Freytal erstmals erwähnt, d. h. die niedrige Gerichtsbarkeit wurde seinen Bewohnern überlassen. Die heutige Kirche wurde 1430 erbaut.[2]

Im frühen 15. Jahrhundert gelangte das gesamte Tal in den Besitz der Grafen von Montfort. Zwischen 1589 und 1738 gehörte Pusterwald zur Herrschaft derer von Herberstein und bildete ein eigenes Amt, das in der Folge zu ihrer Grundherrschaft Authal gehörte. Die letzten Grundherren waren von 1783 bis 1848 die Fürsten Schwarzenberg.

Bis ins 20. Jahrhundert wurde im Haupttal Ackerbau bis in 1400 m Seehöhe betrieben. Bedingt durch die Marktferne vermahlten die meisten Bauern ihr Getreide in den eigenen, vom Pusterwaldbach getriebenen Mühlen. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts klapperten 57 Hausmühlen und 8 Sägemühlen im Tal.[3]

1849/1850 wurde die politische Gemeinde Pusterwald errichtet.[4] 1892 wurde die Kirche Maria Moos, eine Filialkirche der Pfarre St.Oswald - zur Pfarrkirche erhoben.

Erst die Mechanisierung der Landwirtschaft führte zur Aufgabe des Getreidebaus, sodass die Abwanderung erst relativ spät einsetzte. Seit 1951 verlor die Gemeinde aber 40 % ihrer Bevölkerung.

Viehzucht und Holzwirtschaft sind heute noch von großer Bedeutung. Die 43 im Almkataster verzeichnete Almen werden teilweise von auswärtigen Bauern aus dem Pölstal bzw. aus der Nachbargemeinde Schönberg-Lachtal bewirtschaftet.

Hauskapelle beim Tatscher in Hinterspiel

Erhalten geblieben ist auch eine bemerkenswerte Anzahl von kleinen Hauskapellen und Bildstöcken, die für das Tal charakteristisch sind.

Von 2012 bis 2023 wurde das Dorf zwölf Mal in Folge zum schönsten Gebirgsblumendorf der Steiermark gewählt und 2019 wurde es beim europäischen Wettbewerb „Entente Florale“ mit Gold ausgezeichnet.[5]

Bevölkerungsentwicklung

Die Gemeinde hatte 2024 laut Registerzählung 430 Einwohner (Ausländeranteil 5,3 %).

Der Rückgang der Einwohnerzahl seit 1971 wird durch eine negative Wanderungsbilanz verursacht, die Geburtenbilanz ist ausgeglichen.[6]

Pusterwald: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025
Jahr  Einwohner
1869
 
746
1880
 
722
1890
 
693
1900
 
731
1910
 
726
1923
 
729
1934
 
709
1939
 
716
1951
 
716
1961
 
700
1971
 
681
1981
 
604
1991
 
605
2001
 
572
2011
 
474
2021
 
439
2025
 
426
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1.1.2021

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kriegerdenkmal von Franz Xaver Ölzant

Wirtschaft und Infrastruktur

Im Jahr 2020 gab es 56 land- und forstwirtschaftliche Betriebe, davon wurden 25 im Haupterwerb betrieben. Die landwirtschaftlich genutzte Flächen sind seit 1999 hat um 62 % zurückgegangen, während die forstwirtschaftlich genutzten Flächen um 9 % stiegen. Im gleichen Zeitraum ist der Rinderbestand um 16 % gesunken.

2021 pendelten 71 % der Beschäftigten in Pusterwald aus.

Mit dem Tourismus beschäftigten sich 2023 15 Betriebe. Sie meldeten 11.366 Nächtigungen (durchschnittliche Aufenthaltsdauer 4,9 Tage).

Im Ort Pusterwald gibt es eine Volksschule und einen Kindergarten.

Tourismus

Die Gemeinde bildet gemeinsam mit Pölstal und Pöls-Oberkurzheim den Tourismusverband „Region Pölstal“. Dessen Sitz ist die Gemeinde Pölstal.[7]

Verkehr

Die Verkehrserschließung erfolgt über die L528 Pusterwaldstraße. Die ÖBB-Postbus Linie 871 verkehrt Montag bis Freitag mit einer täglichen Fahrt morgens von Hinterwinkel über Pusterwald nach Judenburg und am frühen Nachmittag retour.

Bildung

  • Kindergarten[8]
  • Volksschule[9]

Politik

Gemeinderat

Zweistöckiges Gebäude mit hellgelber Fassade und Blumenkörbe an den Fenstern im Obergeschoß
Gemeindeamt Pusterwald

Der Gemeinderat hat 9 Mitglieder.

Bürgermeister

  • bis 2008 Matthäus Kogler (ÖVP)
  • bis 2019 Julius Koini (ÖVP)
  • seit 2019 Fritz Strahlhofer (ÖVP)[14]

Wappen

Das Wappen wurde der Gemeinde von der steirischen Landesregierung am 1. Mai 1974 verliehen. Die Beschreibung lautet: In von Silber zu Grün erniedrigt geteiltem Schild oben drei nebeneinanderstehende grüne Fichten, unten ein anstoßender silberner Sparren.[15]

Persönlichkeiten

Ehrenbürger der Gemeinde

  • 1881: Johann Freiherr von Vernier-Rougemont, Bezirkshauptmann von Judenburg
  • 1933: Otto Habsburg (1912–2011), Schriftsteller, Publizist und Politiker
  • 1953: Josef Krainer senior (1903–1971), Landeshauptmann
  • 1953: Cyrill Ludvik, Bezirkshauptmann von Judenburg
  • 1996: Josef Krainer junior (1930–2016), Landeshauptmann
  • 1999: Waltraud Klasnic (* 1945), Landeshauptmann
  • 2001: Josef Riegler (* 1938), Vizekanzler
  • 2001: Gustav Hafner
  • 2013: Simon Pojer
  • 2025: Matthias Poier

Literatur

  • Fridolin von Freythall (1832–1903) hat in der Novelle „Das Hochgericht vom Birkachwald“ die Pusterwalder Legende vom Bruckenbauer Lex literarisch bearbeitet.
  • Günther Schwab (1904–2006) der österreichische Schriftsteller, Erzähler und Essayist, aber auch Drehbuch- und Hörspielautor war in Pusterwald als Forstverwalter tätig. Er schrieb u. a. den autobiografischen Schlüsselroman Die Leute von Arauli (1976), der seine Pusterwalder Zeit von 1936 bis 1945 behandelt.
  • Johann Tomaschek: 700 Jahre Pusterwald. Ortsgeschichte und Häuserbuch. Pusterwald 2004.
Commons: Pusterwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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