Quadratit

Mineral aus der Gruppe der Sulfosalze From Wikipedia, the free encyclopedia

Quadratit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Sulfide und Sulfosalze, genauer ein Poly-Sulfoarsenid mit der chemischen Zusammensetzung Ag(Cd,Pb)AsS3[3]. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und wurde bisher nur in Form mikroskopisch kleiner (0,2 mm) bis gerade noch mit bloßem Auge sichtbarer (1 bis 2 mm), tafeliger Kristalle von schwarzer, dunkelgrauer oder dunkelroter Farbe gefunden.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Quadratit
Quadratitkristalle aus dem Steinbruch Lengenbach, Binntal, Kanton Wallis, Schweiz
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1994-038[1]

IMA-Symbol

Qd[2]

Chemische Formel Ag(Cd,Pb)[AsS3][3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/E.07-060

2.GC.25
03.04.11.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol ditetragonal-dipyramidal; 4/m2/m2/m[4]
Raumgruppe I41/amd (Nr. 141)Vorlage:Raumgruppe/141[3]
Gitterparameter a = 5,50 Å; c = 33,91 Å[3]
Formeleinheiten Z = 8[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5 bis 3
Dichte (g/cm3) 5,31
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, deutlich nach {001}
Farbe schwarz, dunkelgrau, dunkelrot
Strichfarbe rötlichbraun
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Metallglanz
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Etymologie und Geschichte

Die ersten Proben des neuen Minerals wurden 1989 in der „Grube Lengenbach“ im Binntal (Schweiz) gesammelt, deren Untersuchung sich jedoch aufgrund der winzigen Kristalle von nur 0,13 mm als sehr schwierig erwies. Zumindest konnte jedoch schon nachgewiesen werden, dass das unbekannte Mineral von tetragonaler Symmetrie ist. Erst 1993 wurden größere Kristalle von mehr als 1 mm gefunden, die eine genaue Analyse und vor allem Ermittlung aller für eine Anerkennung durch die IMA/CNMNC nötigen Daten zuließen.[5]

Eine erste wissenschaftliche Beschreibung folgte 1998 durch Stefan Graeser, W. Lustenhouwer und P. Berlepsch, die das Mineral bezugnehmend auf seine charakteristisch-quadratische Kristallform benannten, die sonst bei keinem anderen Lengenbacher Mineral auftrat.

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Quadratit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.07-060. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wo Quadratit zusammen mit Debattistiit, Eckerit, Manganoquadratit, Proustit, Pyrargyrit, Pyrostilpnit, Samsonit und Xanthokon eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.07 bildet.[6]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[7] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Quadratit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Poly-Sulfarsenide“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.GC.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Quadratit die System- und Mineralnummer 03.04.11.03. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 3 > z/y und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.04.11, in der auch Routhierit und Stalderit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Quadratit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I41/amd (Raumgruppen-Nr. 141)Vorlage:Raumgruppe/141 mit den Gitterparameter a = 5,50 Å und c = 33,91 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Eigenschaften

Morphologie

Die quadratisch geformten Kriställchen erhalten durch Abstumpfung der Ecken eine achteckige Form, wobei die längere Kante meistens der Form {100} entspricht. Unter dem Mikroskop zeigt sich zudem häufig eine quadratisch angeordnete Streifung parallel {110}, was ein Nachweis für die deutliche Spaltbarkeit in diese Richtung ist. Parallel {001} zeigt das Mineral eine vollkommene, glimmerartige Spaltbarkeit.[5]

Bildung und Fundorte

Bisher konnte das Mineral nur an seiner Typlokalität „Grube Lengenbach“ nachgewiesen werden[8] und dort ausschließlich in Paragenese mit Galenit und Jordanit, auf denen es aufgewachsen war. In einer größeren Ausbeute von 1997 wurden auch Quadratite entdeckt, die direkt auf Pyrit aufgewachsen waren.[5]

Siehe auch

Literatur

  • Philippe Roth: Minerals First Discovered in Switzerland and Minerals Named After Swiss Individuals. Kristallografik Verlag, Achberg 2007, ISBN 3-9807561-8-1, S. 124. online verfügbar in der Google-Buchsuche

Einzelnachweise

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