Quistorpturm
Turm in Polen
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Der Quistorpturm, Johannes-Quistorp-Gedächtnis-Turm oder Johannes-Quistorp-Turm bei Stettin war ein Aussichtsturm, der zur Erinnerung an Johannes Quistorp errichtet wurde.

Geschichte und Beschreibung
Martin Quistorp ließ den Turm zu Ehren seines Vaters im damaligen Quistorp-Park errichten. Diese Anlage erreichte man von der Stettiner Innenstadt aus in nordöstlicher Richtung über die Kaiser-Wilhelm-Straße, die in die Quistorp-Aue überging.[1]
Das Bauwerk wurde 1901–1902 nach Entwurf des bekannten Berliner Architekten Franz Schwechten ausgeführt und war gleichzeitig Denkmal, Museum (mit Zeugnissen des unternehmerischen Wirkens von Quistorp) und Aussichtsturm. Verschiedene Bauteile wie Stufen, Brüstungen und andere gliedernde Elemente bestanden aus Zement-Kunststein aus der Produktion des Familienunternehmens.
Der Turm besaß einen neoromanischen Sockel aus Stampfbeton und Granitblöcken, die man in den Rügener Steinbrüchen der Familie Quistorp gewonnen hatte. Nach Arkona, Standort des Svantovit-Tempels auf Rügen, ist heute die Umgebung des Turms benannt: Lasek Arkonski. Zur Bauzeit des Turms sprach man vom Eckerberger Wald.
Die Eckpfeiler des Sockels trugen zwei allegorische Darstellungen des Handels und der Industrie, die der renommierte Berliner Bildhauer Ludwig Manzel ebenfalls aus Zement-Kunststein geschaffen hatte. Auf dem mit Granit verblendeten Sockel stand der eigentliche Turm, ein neogotisches Bauwerk aus Ziegelstein-Mauerwerk, das zum Teil mit Keramik-Elementen verziert war.[2]
Der Autor Peer Zietz spricht dem Bau „politische Brisanz“ zu, da derartige Monumente „im Deutschen Reich eigentlich Monarchen und Staatsmännern vorbehalten“ gewesen seien – obendrein habe der Quistorpturm große Ähnlichkeit mit dem Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Karlsberg bei Berlin gehabt. Beide Türme waren mit Aufschriften versehen, die an die Geehrten erinnerten, beide waren mit einer Gedenkhalle für den Verstorbenen ausgestattet, in der dessen Büste aufgestellt war.[3]
1945 wurde der Quistorpturm größtenteils zerstört; erhalten blieben die Sockelgeschosse und ein Teil des Ziegelmauerwerks. Eine der Betonfiguren von Manzel soll sehr viel später gestohlen worden sein.[2]
Literatur
- Architektonische Monatshefte, 9. Jahrgang 1903, Heft 9, S. 60 (erläuternder Text), Tafel 72 (Abbildung).
Weblinks
- Ansichtskarte auf www.herder-institut.de