Qwert
Roman von Walter Moers (2025)
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Qwert. Ein Prinz-Kaltbluth-Roman in 43 Aventiuren ist ein im November 2025 erschienener phantastischer Roman von Walter Moers, der Teil seiner Zamonien-Reihe ist. Erstmalig spielt die Handlung nicht auf dem Kontinent Zamonien, sondern in einer Paralleldimension namens Orméa.
Der Titelheld des Romans ist Qwert Zuiopü, der bereits in Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär vorkommt. Er findet sich nach einem Sturz durch ein Dimensionsloch in der Gestalt eines Ritters in der Parallelwelt Orméa wieder. Sie ist an die fiktiven Prinz-Kaltbluth-Romane angelehnt, die unter anderem bereits in Die Stadt der Träumenden Bücher erwähnt wurden, und stellt eine Parodie auf das Genre des Ritterromans dar. Inhalt des Romans sind die Abenteuer, die Qwert als Prinz Kaltbluth in Orméa erlebt.
Handlung
Qwert gelangt nach einem Dimensionslochsturz in eine ihm unbekannte Welt. Die für ihn größte Veränderung ist, dass er statt seines gallertartigen Körpers nun den einen erwachsenen Mannes hat, nämlich den des Romanhelden Prinz Kaltbluth. Er trägt dessen silberne Rüstung samt Helm und Schild und das unsichtbare Schwert Tarnmeister, und in kritischen Situationen verwandelt sich der friedfertige Qwert vorübergehend ganz in den tollkühnen Prinzen.
Das geschieht zum ersten Mal unmittelbar nach dem Erwachen, als er auf eine gefesselte Frau trifft. Um sie zu befreien, tötet er den Medusenwächter, ein dreiköpfiges Ungeheuer, das sie bewacht. Doch schnell stellt sich heraus, dass sie in Wirklichkeit eine gefährliche Janusmeduse ist, die zwei Gesichter hat: einmal das eines bezaubernd schönen Mädchens und auf der Rückseite ein zutiefst hässliches, dessen Anblick alle Lebewesen in Stein verwandelt. Sie verlässt Qwert, nachdem sie ihre Absicht verkündet hat, ganz Orméa zu versteinern. Als er erkennt, welchen Fehler er gemacht hat, beschließt er, die Janusmeduse zu finden und unschädlich zu machen.
Zunächst aber muss er sich der Riesengletscherzwerge erwehren, eisigen Riesen, die den toten Medusenwächter rächen wollen. Auf der Flucht vor ihnen springt Qwert in den Endlosen Abgrund. Vor dem sicheren Tod durch einen Fall ohne Ende rettet ihn die Janusmeduse, die begonnen hat, romantische Gefühle für ihn zu entwickeln. Sie packt ihn, entfaltet ihre gewaltigen Schwingen und fliegt mit ihm aus dem Abgrund hinaus, verliert ihn aber wenig später. Qwert stürzt in den tödlichen Treibstaub der Modermaare. Im letzten Moment wird er von einem Gnom herausgezogen, der sich ihm als sein Knappe Oyo vorstellt und erklärt, er sei Prinz Kaltbluth schon lange treu ergeben, obwohl Qwert ihn gerade zum ersten Mal trifft. Auch Oyo ist durch ein Dimensionsloch in diese Welt gestürzt; eigentlich ist er der Küstengnom Queekwigg von der Insel Eydernorn aus dem Roman Die Insel der Tausend Leuchttürme. Gemeinsam finden sie das Reitwürmchen Schneesturm wieder, das Reittier von Prinz Kaltbluth, einen vielbeinigen Wurm, der sich erstaunlich vielseitig fortbewegen kann.
Qwert, Oyo und Schneesturm erleben eine rasante Abfolge von Abenteuern: Vor den Riesengletscherzwergen verbergen sie sich in der Seltsamen Schlucht, die sich als Teil eines lebendigen Fleischbergs entpuppt. Sie werden von ihm verschluckt und können sich nur mit Hilfe Schneesturms befreien, der einen giftigen Schnee produzieren kann, welcher die tödlichen Kristallskorpione einfrieren lässt, die den Ausgang bewachen. Sie gelangen in die Stadt der rostigen Gnome unter ihrem Anführer, dem Eisernen Ritter. Dort treffen sie auf einen Erzfeind Prinz Kaltbluths, den Gläsernen Ritter mit seiner Armee aus Kristallskorpionen, und auf die Riesengletscherzwerge. Über die Frage, wer von ihnen Prinz Kaltbluth töten darf, entspinnt sich ein Kampf aller gegen alle, aus dem wiederum die Janusmeduse Qwert rettet. Sie will ihn in ihr Nest mitnehmen; nachdem sie ihm aber versehentlich verraten hat, dass sie vernichtet werden kann, indem sie mit ihrem hässlichen Medusengesicht in einen Spiegel blickt, ist er eine zu große Gefahr für sie und sie setzt ihn im Vergessenen Garten ab, den noch niemand je wieder verlassen hat.
Im Vergessenen Garten, der voller grellfarbiger Riesengewächse ist, glaubt Qwert seinem Knappen Oyo wieder zu begegnen. In Wirklichkeit handelt es sich aber um ein Janusmännlein, das Oyos Gestalt angenommen hat, um Qwert dem Hölzernen Ritter auszuliefern, einem Wesen in Form eines riesenhaften beweglichen Pflanzengestrüpps. Der Hölzerne Ritter gibt Prinz Kaltbluth die Schuld daran, dass er zur Pflanze geworden ist, und will ihn im Duell besiegen. Vorher verrät er ihm aber noch, dass beim Blick einer Janusmeduse in einen silbernen Spiegel nur ihre böse Seite stirbt und sie sich in eine Muse verwandelt.
Vor dem aussichtslosen Duell mit dem Hölzernen Ritter wird Qwert abermals von der reuigen Janusmeduse gerettet, deren Namen, Jadusa, er ebenfalls erfahren hat. Auf dem Weg zu ihrem Nest will sie unterwegs noch ein Dorf versteinern, wird dabei aber vom Eisernen Ritter und den rostigen Gnomen gefangen genommen. Bei ihnen findet Qwert auch Oyo und Schneesturm wieder und erfährt, dass der Eiserne Ritter ebenfalls per Dimensionslochsturz aus Zamonien, nämlich den Katakomben von Buchhaim aus Die Stadt der Träumenden Bücher gekommen ist. Er lässt Jadusa in eine ausbruchsichere Medusenkutsche sperren, um sie quer durch Orméa zum Endlosen Abgrund zu bringen und dort hineinzustürzen. Qwerts Gegenvorschlag, es mit dem silbernen Spiegel zu versuchen, lehnt er ab. Qwert schließt sich dem Transport an, in der Hoffnung, nun seinerseits Jadusa retten zu können.
Der Weg führt sie durch Creatopolis, die Hauptstadt von Orméa. Bei einem Spaziergang durch die Stadt stoßen Qwert und Oyo abermals auf die Riesengletscherzwerge, die zwar bei jeder Begegnung kleiner werden, aber immer noch gefährlich sind. Auf der Flucht vor ihnen überqueren Qwert und Oyo eine Brücke, die sich als riesige Ruinenraupe entpuppt, und entkommen nur knapp. Sie irren ratlos umher, bis sie einen rostigen Gnom treffen, der sie mit einer Luftgondel auf die Spitze eines Turms bringt. Dort stellt sich aber heraus, dass er in Wirklichkeit das Janusmännlein ist. Es enthüllt ihnen den Plan, ganz Orméa zu versteinern, indem Jadusa befreit werden und viele neue Medusen ausbrüten soll. Der Turm ist eine Ruinenzeckenfalle, die das Janusmännlein vor seinem Abflug öffnet, um Qwert und Oyo von den darin gefangenen Ruinenzecken töten zu lassen. Im letzten Moment erscheint Schneesturm, lässt die Ruinenzecken erfrieren und bringt die beiden vom Turm herunter und zum Eisernen Ritter zurück.
In der Folge durchqueren sie die Blutrote Wüste, die vom Nomadenvolk der Kamelianer bewohnt ist. Diese ähneln aufrecht gehenden Dromedaren und sind für ihre Gastfreundschaft berühmt, werden aber von Dornigen Tentakeln bedroht, die aus dem Wüstenboden aufschießen. Bei einem Angriff zahlreicher Dorniger Tentakel scheint schon alles verloren, als Qwert erkennt, dass alle Tentakel Arme eines einzigen Lebewesens sind, und in einem tollkühnen Angriff den Haupttentakel mit Tarnmeister aufschlitzt und so das Monster tötet. Geleitet wird er dabei, wie schon in früheren Situationen, von einer Erzählerstimme in seinem Kopf, die ihm sagt, was Prinz Kaltbluth jetzt tun wird. Als der Anführer der Kamelianer das hört, erklärt er, das müsse die Stimme des Einsamen Denkers sein, aus dessen Gedanken ganz Orméa hervorgegangen sei, und rät ihm, sich zum Höchsten aller Türme, dem Sitz des Einsamen Denkers, zu begeben.
Nach der Ankunft am Endlosen Abgrund erscheinen, noch bevor die Medusenkutsche mit Jadusa in den Abgrund gestürzt werden kann, kurz hintereinander der Gläserne Ritter mit seinen Kristallskorpionen, die Riesengletscherzwerge und der Hölzerne Ritter. Alle drei Parteien fordern das Recht, Prinz Kaltbluth zu töten, und die Janusmeduse für sich. Im Duell tötet der Hölzerne Ritter den Gläsernen Ritter, Skorpione und Gletscherzwerge flüchten, aber bevor es zum Kampf des Hölzernen mit dem Eisernen Ritter kommt, schieben die rostigen Gnome die Medusenkutsche in den Abgrund. Ohne zu überlegen, springen Qwert und Oyo hinterher. Es gelingt ihnen, sich an der Kutsche festzukrallen, sie im Fallen zu öffnen und Jadusa zu befreien. Sie trägt die beiden aus dem Abgrund heraus und fliegt mit ihnen zu ihrem Nest im Medusenwald.
Dort eröffnet sie ihnen, dass sie die letzte überlebende Meduse ist, dass sie aus den Nestern der bereits getöteten Medusen alle Meduseneier eingesammelt hat und sie jetzt mittels eines selbst konstruierten Brutofens ausbrüten wird, um ganz Orméa zu einer Welt der Medusen zu machen. Qwert und Oyo sollen ihr dabei helfen. Qwert erkennt jedoch, dass der silberne Schild von Prinz Kaltbluth als Spiegel dienen kann, und mit einer List gelingt es ihnen, Jadusa mit ihrem bösen Gesicht in den silbernen Spiegel blicken zu lassen. Sie verwandelt sich in eine Muse namens Jamusa. Das hat zur Folge, dass auch aus den Eiern statt Medusen lauter kleine Musen schlüpfen und alle jemals von Jadusa versteinerten Lebewesen wieder lebendig werden.
Nachdem Qwert und Jamusa festgestellt haben, dass durch die Verwandlung ihre Liebe abgekühlt ist, brechen Qwert und Oyo zum Höchsten aller Türme auf. Unterwegs werden sie von Massen fliegender Flederfrösche bedrängt, in denen sie zu versinken drohen. Gerettet werden sie vom plötzlich auftauchenden Schneesturm, der die Flederfrösche einfriert. Er trägt sie den Turm hinauf, der aussieht wie ein riesenhafter Elfenbeinzahn. Auf halber Höhe müssen sie eine labyrinthische Struktur durchqueren, in der ein feuerspeiender, gepanzerter Riesendrache ihnen den Weg versperrt. Oyo besiegt ihn, indem er in das Drachenmaul springt und von innen die Luftröhre durchtrennt. Zum Dank schlägt Qwert ihn zum Ritter.
Ganz oben im Turm finden sie den Einsamen Denker, der niemand anders ist als der aus den Zamonien-Romanen bekannte Lindwurm und Schriftsteller Hildegunst von Mythenmetz, der ebenfalls durch ein Dimensionsloch gestürzt und in einem Arbeitszimmer in der Turmspitze aufgewacht ist, das er nicht wieder verlassen kann. Der Raum enthält eine vollständige Sammlung aller 3333 Prinz-Kaltbluth-Romane von Zamoniak Graf Klanthu zu Kainomaz, die Hildegunst seitdem alle gelesen hat. Ebenso wie Qwert sich nach seinem Dimensionssturz in der Person des Prinz Kaltbluth wiederfand, war Mythenmetz in das Gehirn dieses Trivialautors geraten und begann weitere Prinz-Kaltbluth-Romane zu schreiben. Nachdem aber in den Turm der feuerspeiende Riesendrache eingezogen war, den Mythenmetz sich vorher ausgedacht hatte, wurde ihm allmählich klar, dass alles, was er schrieb, in Orméa Wirklichkeit wurde. So wurde er als der Einsame Denker zum Schöpfer großer Teile von Orméa. Seine Stimme war es auch, die sich in Qwerts Kopf manifestierte, wenn dieser zu Prinz Kaltbluth mutierte. Allerdings führen seine phantastischen Ideen nach ihrer Niederschrift ein Eigenleben und lassen sich nicht mehr beeinflussen. Mythenmetz ist daher zu dem Schluss gekommen, dass er die katastrophalen Entwicklungen in Orméa nur stoppen kann, indem er diese Welt wieder verlässt. Zu diesem Zweck hat er ein Dimensionsloch in die Blutrote Wüste geschrieben.
Mit Schneesturms Hilfe können alle drei den Elfenbeinturm verlassen. In der Blutroten Wüste angekommen, fallen sie um ein Haar einem kugelförmigen Sandsturm zum Opfer, werden aber von den Kamelianern gerettet. In deren Dorf treffen sie Jamusa und die jungen Musen wieder, ebenso den Eisernen Ritter und die rostigen Gnome, die den Kamelianern beim Wiederaufbau ihrer Siedlung helfen. Als sie sich dem Dimensionsloch nähern, steigt aus dem Loch der Diamantene Ritter, ein riesenhafter Kristallskorpion, den Mythenmetz aus den Überresten des Gläsernen Ritters und den Kristallskorpionen als absolut unbesiegbares Ungeheuer erschaffen hatte. Mythenmetz, aufgefordert, sich ein Gegenmittel auszudenken, erklärt sich für unfähig dazu, da er das Gehirn des Trivialschriftstellers im Höchsten aller Türme zurückgelassen hat. Erst als Jamusa ihm einen intensiven Musenkuss gibt, schreibt er den Hölzernen Ritter herbei, der in einem finalen Duell den Diamantenen Ritter mit Schneesturms Hilfe vernichtet. Anschließend gesteht er Jamusa seine Liebe und wird von ihr erhört. Während der ausgelassenen Hochzeitsfeier schleichen sich Mythenmetz, Qwert und Oyo davon, um in das Dimensionsloch zu springen.
Einordnung
Das Buch, das als zwölfter Teil der Zamonien-Reihe veröffentlicht wurde, lässt sich zeitlich nur schwer in die Geschehnisse der anderen Bücher einordnen, da die einzelnen Charaktere zu unterschiedlichen Zeiten nach Orméa gekommen sind. So schließt sich Qwerts Reise direkt an seine Erlebnisse in Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär an, während Queekwigg während des Showdowns am Ende von Die Insel der Tausend Leuchttürme in die andere Dimension reist und Mythenmetz wiederum zu einem viel späteren Zeitpunkt. Er fällt am Vorabend seines 500. Geburtstags in das Dimensionsloch am Fuße des Bloxbergs, den er aufgesucht hat, weil er sich in einer Schaffenskrise befindet. Damit schließt sein Verschwinden an die Erzählung in der halben Biographie Von der Lindwurmfeste zum Bloxberg am Ende von Ensel und Krete an.[1]
Figuren
Qwert / Prinz Kaltbluth
Bei Qwert Zuiopü handelt es sich um einen Gallertprinzen aus der 2364. Dimension, der bei seiner Krönung zum Herrscher in ein Dimensionsloch stürzte und so nach Zamonien gelangte. Dort wurde er in die Nachtschule von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller aufgenommen und freundete sich mit Käpt’n Blaubär an.[2] Durch einen erneuten Dimensionslochsturz gelangt er nach Orméa, wo er sich im Körper des Ritters Prinz Kaltbluth wiederfindet.
Während Qwert vorsichtig, überlegt und oft ängstlich ist, ist Prinz Kaltbluth ein Draufgänger, der keinem Kampf aus dem Wege geht und schon sämtliche Ritter Orméas im Duell besiegt und sich damit zu Feinden gemacht hat. Für Qwert ist es daher vor allem am Anfang ein Problem, für Prinz Kaltbluth gehalten zu werden, mit dem er sich überhaupt nicht identifiziert. Im Verlauf des Romans erlebt Qwert aber wiederholt Momente, in denen er in seinem Kopf eine Stimme hört, die Stellen aus den Prinz-Kaltbluth-Romanen zitiert, und während er diese Szenen nachlebt, erhält er ungeahnte Kräfte, Fähigkeiten und Mut und verwandelt sich vorübergehend auch innerlich in Prinz Kaltbluth. Seine Beziehung zu Jadusa ist ebenso ambivalent wie deren Charakter: Einerseits erkennt er ihre Bösartigkeit und Gefährlichkeit, andererseits ist er von ihr fasziniert und entwickelt zunehmend romantische Gefühle für sie.
Oyo Pagenherz / Queekwigg
Queekwigg lebte als Küstengnom auf der Insel Eydernorn, wo er einen entscheidende Rolle im Kampf gegen die bösartige außerirdische Wolke spielte. Er sollte gemeinsam mit Hildegunst von Mythenmetz einen Saphir in ihrem Inneren platzieren und sie so schwächen. Selbstlos schubste er Mythenmetz aus dem Boot und nahm das Himmelfahrtskommando allein auf sich.[3] Im Inneren der Wolke stürzte er in ein Dimensionsloch und geriet so nach Orméa; allerdings behielt er seinen Körper, erhielt aber zusätzlich das Wissen und den Charakter von Prinz Kaltbluths Knappen Oyo Pagenherz. Unter anderem kennt er das gesamte Handbuch des Edelmännischen Ritterstandes auswendig, dessen Regeln die Ritter in Orméa befolgen, und kann sich an zahlreiche Abenteuer erinnern, die er mit Prinz Kaltbluth bestanden hat.
Er hilft Qwert vor allem zu Beginn, sich in der fremden Umgebung zurechtzufinden und die neuen Gegebenheiten der Welt zu verstehen. Während der Abenteuer ist er nicht nur Begleiter, sondern gibt häufig selbst die Richtung vor und überzeugt mit seinem Mut und Ideenreichtum. Außerdem erinnert er Qwert wiederholt daran, dass er nun Prinz Kaltbluth ist und sich entsprechend verhalten soll. Nachdem er im Elfenbeinturm den Drachen erlegt hat, wird er von Prinz Kaltbluth zum Ritter geschlagen und erhält den Namen Prinz Oyo von Queekwigg-Pagenherz.
Jadusa / Jamusa
Die Figur der Janusmeduse vereint Züge des römischen Gottes Janus, der Medusa aus der griechischen Mythologie und einer Muse. Sie nennt sich zu Beginn das unbeliebteste Wesen in Orméa, da sie das Ziel hat, alle Lebewesen dieser Welt zu versteinern. Nachdem sie von Qwert befreit worden ist, verlässt sie ihn zunächst, kommt aber wiederholt zu ihm zurück, um ihn aus aussichtslosen Situationen zu retten, da sie romantische Gefühle für ihn entwickelt hat. Nach ihrer Verwandlung in die Muse Jamusa wird sie von Prinz Kaltbluth zur Prinzessin und Ritterin geschlagen. Der Verlust ihrer Ambivalenz führt allerdings dazu, dass die erotische Anziehung zwischen ihr und Qwert schwindet. Am Ende vermählt sie sich mit dem Hölzernen Ritter.
Schneesturm
Das Reitwürmchen Schneesturm verfügt über enorme Kraft und Ausdauer; es kann sich auf nahezu jeder Oberfläche bewegen, selbst senkrechte Wände hinaufkriechen, und hat einen überragenden Orientierungssinn. Zudem kann es aus seinem Rüssel einen giftigen kalten Schnee versprühen, der selbst gefährlichste Wesen außer Gefecht setzt, und rettet damit Qwert und Oyo wiederholt aus aussichtslosen Situationen.
Hildegunst von Mythenmetz / Der Einsame Denker
Der zamonische Schriftsteller Hildegunst von Mythenmetz, der in einer Reihe von Zamonien-Romanen als deren fiktiver Verfasser auftritt, ist seit seinem Dimensionslochsturz nach Orméa in einem Elfenbeinturm, dem Höchsten aller Türme, eingeschlossen. Die Werke, die er dort verfasst, werden in Orméa Wirklichkeit, verselbstständigen sich dann allerdings. Außerdem hat er die Möglichkeit, telepathisch mit Qwert zu kommunizieren. Innerhalb Orméas wird er unter dem Namen „Der Einsame Denker“ als eine mythische, fast gottähnliche Figur betrachtet, die zwar noch nie jemand gesehen hat, von der man aber glaubt, dass sie die Geschehnisse in Orméa lenkt oder sogar erschafft. Wie stark der Glaube an ihn ist, variiert jedoch; er reicht vom kompletten Unglauben der „Einsame-Denker-Leugner“ bis zu kultartiger Verehrung, etwa bei den Kamelianern.
Form
Das Buch ist in 43 Kapitel eingeteilt, die als Aventiuren bezeichnet werden. Wie in den frühen Romanen Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär und Rumo & Die Wunder im Dunkeln ist Walter Moers als Autor des Buchs angegeben, während er in anderen Zamonien-Romanen (etwa Die Stadt der träumenden Bücher oder Ensel und Krete) als Übersetzer der Werke von Hildegunst von Mythenmetz auftritt. Wie bei seinen Romanen üblich, wurde das Buch von Moers selbst mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen illustriert.
In der Handlung spielen Elemente wie Zeitsprünge, unwahrscheinliche Zufälle, Rettungen in letzter Sekunde und Deus-ex-machina-Momente eine wichtige Rolle. Sie sind sowohl dadurch legitimiert, dass der Roman triviale Ritterliteratur parodiert, als auch handlungsimmanent dadurch, dass Qwert in einer Romanwelt gelandet ist, der Welt der Prinz-Kaltbluth-Romane. Daher werden diese Besonderheiten auch von den Figuren selbst thematisiert, etwa als „Unwahrzu“ (unwahrscheinlicher Zufall), „Spongeprüs“ (spontane Gedankensprünge) oder „Umkürzung“ (Umweg als Abkürzung).
Diese Bezeichnungen sind zugleich Beispiele für die Kofferwörter, von denen im Roman umfangreich Gebrauch gemacht wird. Sie werden von den Figuren auch als Mantras benutzt, durch deren dauernde Wiederholung gewünschte Ereignisse herbeigeführt werden können, wie zum Beispiel „Imujabe“ für „Ich muss Jadusa befreien“.
Literarische Bezüge
Qwert enthält Anspielungen auf reale Ritterromane oder Comics wie Prinz Eisenherz. Die Gliederung in „Aventiuren“ orientiert sich am Vorbild des Nibelungenliedes. Die Konstellation der Hauptfiguren gleicht der in Don Quijote, wobei Qwert Don Quijote entspricht, Oyo dem Knappen Sancho Pansa, Schneesturm dem Ross Rosinante und Jadusa der Dulcinea.[4]
Entstehung
Mit der Arbeit an Qwert begann Walter Moers gleich nach dem Erscheinen seines Erfolgsromans Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär, um die Geschichte des Gallertprinzen fortzuführen. Allerdings wurde sein erstes Manuskript von seinem damaligen Verlag und dem Lektor Wolfgang Ferchl abgelehnt, so dass Qwert erst 25 Jahre später erscheinen konnte.[4]
Rezeption
Das Buch erreichte in der ersten Woche nach Erscheinen Platz 3 der Spiegel-Bestsellerliste[5] und hielt sich acht Wochen in den Top 10 der Liste.[6]
Von der Kritik wurde das Buch einhellig positiv aufgenommen, vor allem wurde die Kreativität gelobt,[7] die an die älteren Werke von Moers erinnere. So schrieb Ronald Hinzpeter in der Augsburger Allgemeinen, dass das Buch nach den letzten beiden Werken wieder zum richtigen Maß zurückgefunden habe.[8] Andreas Platthaus lobte in seiner Rezension für die Frankfurter Allgemeine Zeitung besonders die Figurenvielfalt und die Bezüge zu den früheren Büchern, vor allem dem Blaubär-Roman. Außerdem hob er hervor, dass Moers nach langer Zeit wieder eine romantische Beziehung in den Mittelpunkt seines Romans stelle.[4] Sandra Heick lobte in den Ruhr-Nachrichten seine Illustrationen und betonte, dass das Buch sich sowohl als in sich abgeschlossene Geschichte für neue Leser eigne als auch, dank seiner vielen Querverweise und Anspielungen, alte Zamonien-Fans abhole.[9]
Ausgaben
- Qwert. Penguin, München 2025, ISBN 978-3-328-60427-3.
Hörbuch
- Qwert. Der Hörverlag, München 2025, ISBN 978-3844555349, gelesen von Andreas Fröhlich.