RFA One

Trägerrakete des bayerischen Raumfahrtunternehmen Rocket Factory Augsburg (RFA) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die RFA One ist eine in Entwicklung befindliche, dreistufige Trägerrakete des deutschen Raumfahrtunternehmens Rocket Factory Augsburg. Sie ist hauptsächlich für den Transport von Klein- und Kleinstsatelliten in niedrige Erdumlaufbahnen vorgesehen. Ein erster Testflug der Rakete sollte ursprünglich im vierten Quartal 2025 stattfinden.[4] Zwischenzeitlich wurde der Erststart auf das dritte Quartal 2026 verschoben.[1]

Weitere Informationen Aufbau, Starts ...
RFA One
Typ leichte Trägerrakete
Land Deutschland Deutschland
Betreiber Rocket Factory Augsburg
Hersteller Rocket Factory Augsburg
Status in Entwicklung
Aufbau
Höhe später 30 m
Durchmesser 2 m
Stufen 3
Starts
Erststart 3. Quartal 2026 (geplant)[1]
Startplatz Saxavord Spaceport
Raumfahrtzentrum Guayana
Nutzlastkapazität
Kapazität LEO später 1600 kg[2]
Kapazität SSO anfangs 500 kg
später 1300 kg
Kapazität GTO später 450 kg
Kapazität Mond später 300 kg[3]
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Aufbau und Daten

Prototyp der zweiten Stufe der RFA One[5]
Helix-Triebwerk während eines Testlaufs

Erste Raketenversion

Die RFA One ist als dreistufige Rakete mit Flüssigkeitstriebwerken geplant, die zunächst bis zu 500 kg Nutzlast in eine sonnensynchrone Umlaufbahn bringen kann. Sie soll in der ersten gebauten Version weniger als 30 Meter lang sein, bei einem Durchmesser von zwei Metern.[4]

Die erste Stufe soll von neun Triebwerken des Typs Helix angetrieben werden. Die zweite Stufe nutzt eine fürs Vakuum modifizierte Variante desselben Triebwerks. Als Treibstoff sollen jeweils RP-1 und flüssiger Sauerstoff dienen.[6][7] Die Triebwerke sollten ursprünglich nach dem Gasgenerator-Verfahren arbeiten;[8] im Laufe des Jahres 2020 wechselte man jedoch zu einem sauerstoffreichen gestuften Verbrennungszyklus. Diese Triebwerkstechnologie bietet einen höheren spezifischen Impuls und kam bisher bei europäischen Raketen noch nicht zum Einsatz.[9] Verschiedene Komponenten des Triebwerks wie beispielsweise die Turbopumpe kauft RFA bei dem ukrainischen Unternehmen Juschmasch ein, um die Entwicklungszeit zu verkürzen.[10]

Die dritte Stufe, auch Redshift genannt, soll gleichzeitig als „Orbital Transfer Vehicle“ (Raumschlepper) fungieren, das mehrere Satelliten im gewünschten Orbit platzieren kann. Da sich das Triebwerk des Raumschleppers wiederholt zünden lässt, ist dieser in der Lage innerhalb eines Flugs verschiedene Orbits zu erreichen. Das OTV wird ein bisher unspezifiziertes, nicht mit Hydrazin betriebenes Triebwerk nutzen.[11][6]

Vergrößerte Rakete

Zu einem späteren Zeitpunkt soll die RFA One größere Tanks erhalten, womit sie auf etwa 30 Meter verlängert wird. In dieser Variante soll sie bis zu 1300 kg schwere Nutzlasten in 500 km hohe, sonnensynchrone Umlaufbahnen bringen können. Die Höchstnutzlast für eine geostationäre Transferbahn wird mit 450 kg angegeben. Die Erststufentriebwerke dieser Rakete sollen eine Schubkraft von 100 kN aufweisen.[3]

Weitere Informationen Erste Stufe, Zweite Stufe ...
Erste Stufe Zweite Stufe Dritte Stufe Nutzlastsektion
Höhe ca. 30 m
Durchmesser 2 m
Triebwerke 9 × Helix 1 × Helix 1 × Fenix
Schub 900 kN 100 kN 1,5 kN[12]
Treibstoff RP-1 Nitromethan
Oxidator Flüssigsauerstoff N2O
Nutzlast[3] 1300 kg nach 500 km SSO
860 kg nach 2000 km polar
500 kg nach 6000 km MEO
450 kg nach GTO
150 kg nach GEO
300 kg zum Mond
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Entwicklung und Produktion

Die Rakete soll in Serienproduktion gefertigt werden und möglichst viele kommerzielle Standardbauteile enthalten, wodurch relativ geringe Produktions- und somit auch Startkosten erreicht werden sollen. Zentrale Komponenten der Triebwerke der ersten beiden Stufen sollen 3D-gedruckt werden. Langfristig wird angestrebt, die erste Stufe zu bergen und wiederzuverwenden.[6][11]

Im März 2021 führte RFA einen achtsekündigen Triebwerkstest durch,[13] im August einen kryogenen Drucktest der ersten Stufe.[6][14] Mitte 2022 fanden beim European Space and Sounding Rocket Range in Kiruna (Schweden) erste Tests eines Helix-Triebwerks mit insgesamt 74 Sekunden Brenndauer statt.[15] Die zweite Stufe wurde im Mai 2023 für den Flugbetrieb zertifiziert, nachdem sie einen Test mit 280 Sekunden Brenndauer durchlief.[16] Auch dir dritte Stufe wurde erfolgreich getestet.[4]

Im August 2024 war die Erststufe des ersten Raketenexemplars fertiggestellt. Beim einem Testlauf der Stufe auf dem schottischen Weltraumbahnhof Saxavord Spaceport explodierte jedoch die Turbopumpe eines der Triebwerke. Dadurch entstand ein Brand, der die gesamte Stufe zerstörte.[4]

Startplätze

Folgende Startplätze sind oder waren bislang für die RFA One im Gespräch:

Geplante Starts

Die meisten der unten genannten Termine sind veraltet, da sich die Entwicklung der Rakete verzögerte und der Erstflug entsprechend verschoben wurde.

Weitere Informationen Datum (teilweise veraltet), Startplatz ...
Datum (teilweise veraltet) Startplatz 123456789Nutzlast (Zweck)1234567890 Orbit Anmerkungen
Drittes Quartal 2026[1] Saxavord Erstflug
2025[25][26] Saxavord DeutschlandDeutschland AllBertEinStein (Kunstmeteoriten)
ItalienItalien Artica (Technologieerprobung)
DeutschlandDeutschland Curium Two (Technologieerprobung)
DeutschlandDeutschland Erminaz-1 (7 PocketQubes)[27]
DeutschlandDeutschland PCIOD (Technologieerprobung)
ItalienItalien Spacemind (Technologieerprobung)
DeutschlandDeutschland Spacedream (Technologieerprobung)
500 km SSO Testflug
Ende 2024[28] Saxavord DeutschlandDeutschland Midas (Forschung)
DeutschlandDeutschland Spacemast (Kamera)
Bulgarien Platform-9 (Technologieerprobung)
DeutschlandDeutschland Vibes Pioneer (Hochschulprojekt)
Polen PW3-Sat3 (Hochschulprojekt)
DeutschlandDeutschland Flamingo (Technologieerprobung)
SpanienSpanien 3Cat-8 (Hochschulprojekt)
DeutschlandDeutschland Move-Beyond (Hochschulprojekt)
500 km SSO Testflug
4. Quartal 2023[29] Vereinigte Arabische Emirate Test-Mondorbiter von Plus Ultra GTO
2024 SchwedenSchweden Satellit(en) für OHB Sweden[30]
2024 DeutschlandDeutschland Satellit(en) für OHB Cosmos[31]
2025 Luxemburg Satellit(en) für Luxspace[31]
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Weitere gebuchte Nutzlasten, die mit anderen Satelliten zu Rideshare-Missionen zusammengefasst werden könnten:

  • Vereinigte Arabische Emirate Supreme – Technologieerprobungssatellite für Neutron Star Systems[32]
  • Vereinigte Arabische Emirate E.T.PACK – Technologieerprobungssatellit für SENER Aeroespacial[33]

Für den ersten Start, der ursprünglich Ende 2022 vom Andøya Space Center erfolgen sollte, war als Nutzlast ein Technologieerprobungssatellit des ukrainischen Unternehmens Lunar Research Service angekündigt.[34] Diese Nutzlast wurde später nicht mehr erwähnt.

Eine Genehmigung für den Erstflug vom Saxavord Spaceport wurde im Januar 2025 erteilt.[35]

Commons: RFA One – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • RFA One auf der Website der Rocket Factory Augsburg

Einzelnachweise

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