Raab Karcher
deutsches Handelsunternehmen für Baustoffe mit Sitz in Offenbach am Main
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Raab Karcher ist eine Handelsmarke im Baustoffhandel. Die Marke geht zurück auf ein deutsches Handelsunternehmen, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestand und in verschiedenen Branchen – darunter dem Baustoffhandel – tätig war. Im Juli 2008 wurde das Unternehmen Raab Karcher in den deutschen Zweig des Konzerns Compagnie de Saint-Gobain (Saint-Gobain Building Distribution Deutschland) integriert und besteht seitdem noch als Handelsmarke. Zum 1. Oktober 2019 wurde die Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH von der dänischen Stark Gruppe übernommen und firmiert seitdem als Stark Deutschland.[1]
| Raab Karcher | |
|---|---|
| Inhaber | Stark Deutschland (seit 2019) |
| Produkte | Baustoffe |
| Märkte | Baustoffhandel |
| Website | www.raabkarcher.de |
Geschichte



1848–1918: Anfänge in Kaiserslautern und Straßburg
Ausgangspunkt war das 1848 in Kaiserslautern gegründete Unternehmen Raab, Karsch & Cie. für den Einkauf von Saarkohle durch neun dort ansässige Händler, Handwerker und Unternehmer, darunter einer der beiden Namensgeber Carl Friedrich Raab (1777–1854), Ernst Huber (1815–1895) und Franz Daniel Bender (1815–1881),[3] letzterer war auch Gründer der Brauerei Bender. Im Jahr 1859 wurde der Frankenthaler Zuckerfabrikant Carl Heinrich Karcher (1808–1875) Teilhaber des Unternehmens, das ab 1881 als Raab, Karcher & Cie firmierte.[4] Das Speditionsgeschäft mit Kohle wurde später um andere Materialien wie Holz, Baustoffe, Heizöle, chemische und andere Produkte erweitert.
1872 trat Carl Huber (1848–1914), Sohn des Mitbegründers Ernst Huber, in das Unternehmen ein; er wurde zu einem ganz entscheidenden Motor der weiteren Unternehmensentwicklung.[5] In dem nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 deutsch gewordenen Straßburg gründete er eine Niederlassung, die später zum Hauptsitz wurde. Carl Huber wurde weit über sein Unternehmen hinaus bekannt, als er sich für die Regulierung und Schiffbarmachung des Rheins bis Straßburg einsetzte, mit dem Aufbau einer eigenen Schiffsflotte (1880), der späteren Reederei Raab Karcher (1988), begann und eine weitere Niederlassung in Duisburg gründete. Er knüpfte die Verbindung zur Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG), an die er und seine Partner zwischen 1906 und 1914 alle Geschäftsanteile der Raab Karcher GmbH verkauften. Carl Huber hatte Raab Karcher groß gemacht und starb 1914 mit dem Ehrentitel eines (kaiserlichen) Geheimen Kommerzienrat.[6]
1897 stieg Willi Huber (1879–1957), Sohn von Carl Huber und Enkel des Unternehmensgründers, als Prokurist in das Unternehmen ein und wurde 1910 Geschäftsführer. Als 1914 die GBAG die Mehrheit der Raab Karcher GmbH übernahm, wurde Huber Mitglied des Aufsichtsrats der GBAG.[7]
1918–1975: Weitere Entwicklung, Beginn des Baustoffhandels
Nach dem Ersten Weltkrieg musste Willi Huber als Deutscher das wieder französisch gewordene Straßburg verlassen; er zog nach Karlsruhe, das nun Hauptsitz des Unternehmens wurde, und später schließlich nach Essen, wo er am 19. August 1957 starb. Willi Huber hatte nach dem Versailler Friedensvertrag mit vielen Betriebsangehörigen von Raab Karcher Wohnsitz und Arbeitsstätte in Straßburg aufgeben müssen, der gesamte Verlust infolge des Kriegsausganges wurde auf etwa 13 Millionen Goldmark (2025 umgerechnet ca. 13 Mrd. Euro) geschätzt.[8]
In den 1920er-Jahren erweiterte die Raab Karcher ihre Vertriebsaktivitäten in weitere Geschäftsbereiche; unter anderem stieg Raab Karcher ab 1920 in den Baustoffhandel ein[9] und vertrieb ab 1924 Aral-Treibstoffe über ihre Tankstellen.[10] Die GBAG brachte Raab Karcher 1926 bei deren Gründung in die Vereinigte Stahlwerke AG ein.[11]
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte Raab Karcher neben LKWs auch auf selbst gebaute Schiffe, mit denen unter anderem Heizöl sowie später Dünge- und Pflanzenschutzmittel bewegt wurden.[10] 1964 erwirtschaftete die Raab Karcher GmbH einen Umsatz von 1,078 Milliarden DM.[12]
1975–2000: Als Teil von VEBA und Stinnes
In der Nachkriegszeit gehörte Raab Karcher zur Gelsenkirchener Bergwerks-AG (Gelsenberger). Als der Konzern VEBA im Jahr 1975 Gelsenberg übernahm, wurde auch Raab Karcher Teil des VEBA-Konzerns und im Rahmen der VEBA-Tochter und Handelsgesellschaft Stinnes AG tätig.[13][14] 1976 wurde Raab Karcher in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.[9]
1992 übernahm Raab Karcher im Zuge einer Umstrukturierung des VEBA-Konzerns den Baustoffgroßhandel Stinnes-Trefz von der Schwestergesellschaft Stinnes AG.[15][16][17] Die Standorte wurden bis Mitte 1993 in Raab Karcher Baustoffe umfirmiert.[18] Mit einem Umsatz von rund 3,3 Milliarden DM im Baustoffhandel avancierte Raab Karcher damit zu einem der größten Baustoffhändler Europas.[19]
1990 übernahm die Raab Karcher AG das Unternehmen ista.[20] Im Zuge einer Internationalisierung des Unternehmens wurden in der Folge auch Unternehmen wie die ISS Clorius International aus Dänemark und die Eshuis BMG Bouwmaterialengroep aus den Niederlanden akquiriert.[21] Hingegen trennte sich Raab Karcher 1996 von ihrer Tochtergesellschaft Raab Karcher Kohle GmbH, die von der Ruhrkohle Handel GmbH gekauft wurde (einer Tochtergesellschaft der Ruhrkohle Beteiligungs-GmbH, die wiederum eine Tochter der RAG Aktiengesellschaft ist).[22] 1993 und 1994 hatte die Raab Karcher Kohle GmbH Umsätze von 1,59 und 1,29 Mrd. DM erzielt, davon waren etwa 90 % auf Deutschland entfallen.
Im Juli 1997 erwarb die Raab Karcher AG für 630 Mio. US-Dollar den US-Spezialdistributor Wyle Electronics.[23][24] 1999 wurden die Raab Karcher AG und die VEBA Immobilien AG zur Viterra AG zusammengeführt.[25] Von dem Zusammenschluss war auch die Tochtergesellschaft Raab Karcher Sicherheit (RKS) betroffen, die rund 10.500 Mitarbeiter beschäftigte, davon etwa 2.200 in Berlin, und in den Bereichen Sicherheitsdienste, Facility-, und Immobilien-Management tätig war. Darüber hinaus hielt das Unternehmen eine 30-prozentige Beteiligung an der Müller International GmbH. Im Zuge einer Neuordnung der Geschäftsbereiche wurden auch die RKS und weitere Unternehmen in der Viterra AG zusammengefasst. Unter diesem Dach entstanden Tochtergesellschaften, darunter die neu gegründete Raab Karcher Sicherheit Privat GmbH, die Sicherheitsdienstleistungen aus einer Hand für Privathaushalte, Kleingewerbebetriebe, Kanzleien und Praxen anbot.[26][27][28]
2000–2019: Raab Karcher als Teil der Compagnie de Saint-Gobain
Im Jahr 2000 verkaufte Stinnes die Raab Karchers Sparte Baustoffhandel an die französische Compagnie de Saint-Gobain. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten knapp 7600 Mitarbeiter bei Raab Karcher Baustoffhandel und erwirtschafteten rund 4,5 Mrd. DM Umsatz.[29] In den Niederlanden, Ungarn und Tschechien waren sie unter dem Namen Raab Karcher vertreten, in Polen unter dem Namen Saint-Gobain Dystrybucja Budowlana und in der Slowakei unter a-Keramika.
Zwischen Juli 2008 und September 2019 firmierte Raab Karcher (inzwischen wieder eine GmbH) unter dem Dach der Compagnie de Saint-Gobain als Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH. Von 2010 bis 2015 erweiterte Raab Karcher mit den sechs weiteren Standorten Köln, Berlin-Adlershof, Bonn, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Bühl und Heidelberg sein deutschlandweites Netzwerk.[30]
Seit 2019: Raab Karcher als Teil der Stark Gruppe
Zum 1. Oktober 2019 wurde die Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH von der dänischen Stark Gruppe übernommen und firmiert seitdem als Stark Deutschland.[1][31] Seit 2021 gehört die Stark Gruppe wiederum zu dem Private-Equity-Unternehmen CVC Capital Partners.[32] Den namensgleichen niederländischen Teil von Raab Karcher verkaufte Saint-Gobain 2021 an die Investorengruppe BME Group.[33]
In den folgenden Jahren wurden weitere Baustoffmärkte mit Raab Karcher fusioniert, darunter im August 2022 die Konz Gruppe mit Hauptsitz in Waiblingen,[34] die Berliner Marke Kluwe und der sächsische Saxonia Baustoffhandel im August 2023,[35] sowie der Baustoffhandel Sporkenbach mit mehreren Standorten in Sachsen-Anhalt.[36]
Konzernzugehörigkeit und Niederlassungsnetz


Raab Karcher ist eine Marke der Stark Deutschland GmbH mit Sitz in Offenbach am Main, welche wiederum zur internationalen Stark Gruppe gehört. Innerhalb der Unternehmensgruppe Stark Deutschland GmbH ist Raab Karcher die größte und umsatzstärkste Handelsmarke. Die anderen Handelsmarken von Stark Deutschland sind Keramundo (Fliesen), Melle Gallhöfer (Dach und Fassade) und Muffenrohr Tiefbauhandel (Tiefbau).[37]
Bundesweit ist die Marke mit mehr als 120[38] Niederlassungen vertreten. Seit 2018 besteht ein Logistikzentrum in Osterweddingen, Sachsen-Anhalt, mit rund 30.000 Quadratmetern Lagerfläche, das als zentrales Produktlager für die Niederlassungen dient.[39][40]
Sortiment und Zielgruppen
Raab Karcher ist einer der größten und ältesten Baustoffhändler in Europa.[34] Unter der Marke werden Produkte für die Gewerke Rohbau, Trockenbau, Dach und Fassade, Fliesen, Böden, Garten und Landschaftsbau, Holz, Hochbau sowie Tiefbau (Versorgung, Entsorgung, Oberfläche) vertrieben. Hinzu kommt Zubehör wie Arbeitsbekleidung, Baugeräte und Werkzeuge. Das Sortiment von Raab Karcher ist ausgerichtet auf private und gewerbliche Bauprojekte aller Größen, zu den Kunden zählen Bauunternehmer, Handwerker, Architekten, private Bauherren, Ämter oder Behörden.[41]
Im Raum Berlin betreibt Raab Karcher auch mehrere Handwerker-Fachmärkte ausschließlich für Handwerker.[42]
Raab Karcher bietet zudem Produkte unter seinen Eigenmarken an. Produktlinien für die Innenraumausstattung, wie etwa Akustikpaneele, Bodenbeläge, Fliesen und Wandverkleidungen werden unter der Marke Kermos angeboten.[43][44] Produkte im Bereich Garten- und Landschaftsbau, beispielsweise Zaun-, Verlege- und Mörtelsysteme sowie Terrassendielen, Platten- und Pflasterserien, vertreibt das Unternehmen unter der Marke Terralis.[45][46][47] Baumaterialien für Handwerker, zum Beispiel im Bereich Dach, Tief-, Hoch- und Ausbauprodukte, werden unter der Marke Raw vertrieben.[43] Die Marke Raptor umfasst Werkzeuge und Handwerkerausstattung.[48][45]
Sponsoring
Raab Karcher ist seit der Saison 2022/23 Hauptsponsor des Eishockey-Bundesligisten Iserlohn Roosters.[49] Zudem ist das Unternehmen seit 2024 Partner des Basketball-Bundesligisten Skyliners Frankfurt.[50]
Literatur
- Rüdiger Ganslandt (Autor), Andreas Dahms (Gesamtkoordination), Raab Karcher AG (Hrsg.): Raab Karcher. Wachstum und Wandel in 150 Jahren. Bertelsmann, Gütersloh 1998.
- Fritz Pudor: Wachstum in 110 Jahren. Raab Karcher 1848–1958. West-Verlag, Essen 1958.
- August Heinrichsbauer, Hans Gattenhof: Festschrift zur 100-Jahres-Feier von Raab Karcher. Eine Darstellung der Geschichte der Gesellschaft. West-Verlag, Kettwig 1948.
- Front und Heimat, Werkschrift der Betriebsgemeinschaft Raab Karcher GmbH (erschienen von 1941 bis 1943 in Düsseldorf)
- Raab Karcher in Bild und Wort, Heft 1. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1953.
- Raab Karcher in Bild und Wort, Heft 2. Druck A. Bagel, Düsseldorf 1955.
- Raab Karcher in Bild und Wort, Heft 3. (herausgegeben zum 120-jährigen Bestehen) Druck A. Sutter, Essen 1955.
- Franz Georg Bender: F. D. Bender's Söhne. Eine Familie und ihre Brauerei in Kaiserslautern. 2. berichtigte und ergänzte Auflage, Berlin 2023, S. 13, S. 27.