Radetzky-Denkmal (Stubenring)
Denkmal in Innere Stadt (20947)
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Das Radetzkydenkmal am Stubenring in Wien erinnert an den österreichischen Feldmarschall Johann Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz (1766–1858). Es wurde in den Jahren 1886–1892 im Auftrag von Franz Joseph I. nach Entwurf von Caspar von Zumbusch errichtet.
Aufgrund des Neubaus des k.u.k. Kriegsministeriums wurde das Radetzkydenkmal im Jahr 1912 vom ursprünglichen Standort Am Hof zum heutigen Standort Stubenring versetzt.
Geschichte
Das Reiterstandbild ist dem wohl bedeutendsten Heerführer des Kaisertums Österreich, Feldmarschall Josef Wenzel Radetzky von Radetz, gewidmet. Nachdem ein Aufruf zur Errichtung eines Radetzky-Denkmales im Jahr 1859 infolge des Sardinischen Krieges erfolglos war, kam es am 27. Juni 1886 zu einem erneuten Aufruf.[1] Darin hieß es unter anderem:
„Nach dem Hinscheiden des unvergeßlichen Feldmarschalls Grafen Radetzky, 5. Jänner 1858, machte sich bald der allgemeine Wunsch bemerkbar, diesem ruhmgekrönten Feldherrn, der während zweiundsiebzig Dienstjahren unter fünf Monarchen neunzehn Feldzüge mitmachte, den wahren Vater seiner Soldaten, dem durch dynastische Treue und wahre Vaterlandsliebe voranleuchtenden Patrioten, ein würdiges Denkmal in Wien zu setzen … Radetzkys Monument soll dereinst unsere Nachkommen daran erinnern, was ein zweiundachzigjähriger Heerführer zu leisten vermochte, …“
Im gleichen Jahr wurde aufgrund des Aufrufes dem bedeutendsten Monumentalbildhauer der Wiener Ringstraßenzeit (Beethoven-Denkmal, Maria-Theresien-Denkmal, Reiterstandbild Erzherzog Albrecht) Caspar von Zumbusch „auf kurzem Wege“ (ohne Wettbewerbsausschreibung) von einem Komitee mit dem Vorsitzenden Erzherzog Albrecht der Auftrag erteilt, ein Radetzky-Denkmal zu errichten.[1]
Für die Aufstellung standen 21 Standorte zur Diskussion. Unter anderem vor dem Justizpalast (heutiger Schmerlingplatz) und vor der Votivkirche. Letztendlich wurde es Am Hof vor Nummer 2, dem damaligen Gebäude des Reichskriegsministeriums, aufgestellt und am 24. April 1892 enthüllt.[2]
1912 wurde das Denkmal an den heutigen Standort vor das neu errichtete Kriegsministerium am Stubenring versetzt und am 27. Juli 1912 enthüllt.
- Einweihungsfeier Am Hof, 1892
- Radetzkydenkmal Am Hof, ca. 1900
- Aquarell von Carl Wenzel Zajicek, 1908
Beschreibung
Der Sockel mit dem roten Marmor wurde nach den Plänen des Architekten George Niemann ausgeführt.[3]
Die Reiterstatue, die Caspar von Zumbusch in den Jahren von 1886 bis 1892 schuf, stellt Radetzky zu Pferd dar – haltend auf dem Schlachtfeld, überschauend und lenkend den Kampf.[1]
Die Reliefs links und rechts am Sockel sind Werke von Hans Bitterlich.[4] Das linke stellt Radetzky beim Kriegsrat mit seinen Generälen Heinrich von Heß, Karl von Schönhals, Konstantin d’Aspre, Eugen Wratislaw von Mitrowitz und Georg von Thurn und Valsassina dar und das rechte Radetzky, wie er von Soldaten aller Waffengattungen und Nationen umjubelt wird. An der Vorderseite des Sockels befindet sich ein bronzener Doppeladler und darüber eine Tafel mit den berühmten Worten von Franz Grillparzer: „In deinem Lager ist Österreich“. Diese stammen aus einem Lobgedicht, das Grillparzer 1848 an Radetzky schrieb.[5]
- Vorderseite des Sockels mit Doppeladler
- Rückseite des Sockels mit Gedenktafel
- Rechtes Relief am Sockel
- Linkes Relief am Sockel
Sonstiges
In Prag stand ebenfalls ein monumentales Radetzky-Denkmal. Es wurde 1858 enthüllt und befand sich auf dem Kleinseitner Ring im historischen Stadtzentrum. Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurde das Denkmal abgebaut (1918/19).[6]
Derzeit (Stand 2025) prüft der Prager Magistrat eine Wiedererrichtung des Radetzkydenkmals auf dem Kleinseitner Ring. Geplant ist die Errichtung einer Kopie, da sich das Original im Lapidarium des Nationalmuseums befindet.[7]
Literatur
- Kapner, S. 382 Dehio, S. 929.
- Zur Errichtung eines Radetzky-Denkmals in Wien. 1886.
- Die Enthüllung des Radetzky-Denkmals in Wien. In: Die Gartenlaube. Heft 11, 1892, S. 354 f. (Volltext [Wikisource]).
- Oskar Regele: Feldmarschall Radetzky. 1957, S. 468 f. (Standortvorschläge).
- Renate Wagner-Rieger (Hrsg.): Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. Band 1. Steiner 1969–1981, Wiesbaden, S. 187.
- Felix Czeike (Hrsg.): Historisches Lexikon Wien. Band 4, Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00546-9, S. 622 (Digitalisat).
- Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag, Wien 1993, S. 185.
- Gerhardt Kapner: Freiplastik in Wien. Jugend & Volk, Wien [u. a.] 1970, S. 382.
- Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hrsg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Jugend & Volk, Wien 1956, S. 62.