Rainer Jogschies

deutscher Politologe und Publizist From Wikipedia, the free encyclopedia

Rainer Jogschies (auch Rainer B. Jogschies, * 10. November 1954 in Hamburg) ist ein deutscher Politologe und Publizist. Er veröffentlichte zahlreiche Essays unter anderem zur Atommüll-Semiotik[1] sowie zur bundesdeutschen Popmusik vor und nach der Neuen Deutschen Welle.[2]

Rainer Jogschies (2020)

Ausbildung und Beruf

Rainer Jogschies studierte 1973 nach einem humanistischen Abitur klassische Politikwissenschaften, Geschichte und Philosophie an der Universität Hamburg, unter anderem bei Peter Reichel und Günter Trautmann. 1979 schloss er als Diplom-Politologe ab.

Während er als Journalist arbeitete, promovierte er 1984 bei Winfried Steffani und Hans Kleinsteuber mit einer demokratie-theoretischen Schrift zur Bürgerbeteiligung an der Stadtplanung.[3]

Er war von kurz nach der Gründung bis 2023 Mitglied der Deutschen Vereinigung für Parlamentsfragen.

Als Journalist schrieb Jogschies ab Ende der 1970er Jahre freiberuflich für die Wochenzeitungen vorwärts und das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt, die Illustrierte stern, das Magazin Der Spiegel, für die „Jugendzeitschriften“ Sounds und Musikexpress[4] sowie das gewerkschaftliche Monatsheft kunst & kultur.

Seine Themen waren die andauernde Ökologie-Nichtachtung in Deutschland sowie die sich anscheinend (nicht) wandelnde „deutsche“ Pop-Szene.

Anfang der Achtziger war er für zwei Jahre Redakteur der wieder gegründeten Illustrierten Twen, neben dem früheren Sounds-Kollegen Michael O. R. Kröher und dem ehemaligen konkret-Redakteur Hartmut Schulze.[5]

Als der Staatsminister für Außenpolitik Jürgen W. Möllemann (FDP) später mit einer PR-Agentur die Zeitschrift „Twen“ übernahm, zeigte Rainer Jogschies ihn 1983 bei der Staatsanwaltschaft München I wegen Verdachts des Betruges und Verstoßes gegen das „Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Parlamentarischen Staatssekretäre“ an.[6] Anfangs bestritt Möllemann diese Vorwürfe, schloss jedoch im September 1984 einen Vergleich, wenn der Autor seine Klage vor dem Landgericht München fallenließe.[7]

Ende der 1990er Jahre konzipierte Rainer Jogschies ein neuerliches Twen-Revival.[8] Die Heftideen wurden nicht realisiert.

Jogschies verfasste seit den Siebzigerjahren viele Hörfunk-Beiträge für den NDR und den WDR. Ab den 1990er Jahren schrieb er Drehbücher für den NDR und das ZDF. Er führte dabei teils Regie.

1992 erhielt er für sein Fernsehspiel Vier Wände[9] den letztmalig verliehenen Medienpreis „Glashaus“.[10]

Er veröffentlichte zahlreiche Sach- und Fachbücher sowie Romane,[11] beginnend 1985 mit der mehrfach wieder aufgelegten Reportage Wo, bitte geht´s zu meinem Bunker?[12] und zuletzt 2021 dem Essay Guttenberg goes Purple – ‚Zapfenstreich‘ des Bundesverteidigungsministers und andere Vereinnahmungen der Pop-Geschichte.[13]

Mit den Schriftstellern Gunter Gerlach, Lou A. Probsthayn, Michael Weins und anderen gründete er 1999 die Autorengruppe Hamburger Dogma mit umstrittenen „Regeln“ zu einer zeitgemäßen Formensprache.

Mit der Organisationspsychologin Antje Hadler, die ihn nach zwanzig Jahren Beziehung 2000 heiratete,[14] baute er in Berlin ab 2004 den unabhängigen Kleinverlag Nachttischbuch auf. Nach ihrem Tod am 22. März 2021[15] blieb er der alleinige Verleger.

Ehrenamtliches Engagement

Rainer Jogschies gründete 1974 die „Arbeitsgemeinschaft Harburger Rockmusiker“ (AHR) und vernetzte sie mit anderen lokalen oder regionalen Musikerinitiativen,[16] beispielsweise mit der lokalen „Musikerinitiative München“ (MIM) oder mit der regionalen „Musikerinitiative-Ostwestfalen/Lippe“ (MOL), die jährlich das legendäre Open-Air-Festival in Vlotho „umsonst & draußen“ veranstaltete.[17]

Er konzipierte 1979 gemeinsam mit Dieter Baacke die bilanzierenden Pop-Dekadentagungen,[18] die er über fünf Jahrzehnte als Debattenraum kuratierte und leitete.[19]

Mit Hermann Rauhe entwarf er 1981 den Modellversuch Popularmusik, den ersten Ausbildungsweg für Pop-Musiker an einer bundesdeutschen Hochschule.[20]

Monographien, Anthologien (Auswahl)

Drehbücher/Regie (Auswahl)

Einzelnachweise

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