Ralf Evers

deutscher Theologe und Sozialwissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Ralf Evers (* 23. Februar 1965 in Strang, heute Bad Rothenfelde) ist ein deutscher evangelischer Theologe und Sozialwissenschaftler. Er war Rektor der Evangelischen Hochschule Dresden sowie der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf.

Ralf Evers (2018)

Leben

Ralf Evers verbrachte seine Kindheit und Jugend in Versmold und besuchte dort das Gymnasium der Jugenddorf Christophorusschule. Nach dem Abitur 1984 studierte er Evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Bethel, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg sowie der Philipps-Universität Marburg. Außerdem studierte er Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung/Sozialpädagogik bei Micha Brumlik sowie Gerontologie bei Andreas Kruse an der Universität Heidelberg von 1988 bis 1993. Am Diakoniewissenschaftlichen Institut in Heidelberg studierte er Diakoniewissenschaft von 1991 bis 1995.

1997 wurde er an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit einer bildungstheoretischen Arbeit in Evangelischer Theologie zum Dr. theol. promoviert. Erstbetreuer der praktisch-theologischen Promotion waren Henning Luther und nach dessen Tod Gert Otto.

Von 1992 bis Ende 1993 arbeitete Evers als Referent für Hochschulfragen beim Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands in Ebersbach. Freiberuflich war er zudem von 1992 bis Anfang 1999 als Theologe, Coach und Sozialwissenschaftler tätig mit Schwerpunkten in Erwachsenenbildung, Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Coaching. Sein Vikariat absolvierte er von 1996 bis Anfang 1998 in der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

1999 wurde Evers als Professor für Praktische Theologie und Generationenbeziehungen an die Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden (FH) berufen. Von 2004 bis 2013 war er Rektor der Hochschule (Wiederwahl 2009).[1] Von 2007 bis 2009 sowie von 2011 bis 2012 war er Präsident der Rektorenkonferenz Kirchlicher Fachhochschulen in Deutschland.

Von 2017 bis 2019 vertrat Evers neben seiner sozialwissenschaftlichen Professur die Professur für Evangelische Religionspädagogik an der Technischen Universität Dresden. Dort wurde er 2017 im Fach Sozialpädagogik/Erziehungswissenschaften zum Dr. phil. promoviert.

Ab 2019 war Evers Rektor der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf.[2] 2025 verließ er die Hochschule und ist seitdem wieder als Hochschullehrer in Dresden tätig.

Evers ist Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie, der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit sowie der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Zudem ist er als Gutachter tätig, unter anderem in Akkreditierungsverfahren von AHPGS, AQAS und Wissenschaftsrat.

Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Wissenschaft

Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit von Ralf Evers liegen im Bereich einer anwendungsorientierten Theologie in Verbindung mit sozialwissenschaftlichen Zugängen; Evers spricht von „Angewandter Theologie“. Innerhalb der Praktischen Theologie widmet er sich insbesondere Fragen der Diakonik sowie theologischen Zugängen zu Generationenbeziehungen, Alter und Kindheit. Hier verbindet er theologische Hermeneutik mit empirischen und sozialwissenschaftlichen Perspektiven und entwickelt Konzepte einer bildungsorientierten, praktisch-theologischen Deutung gesellschaftlicher Transformationsprozesse.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt im Feld der Sozialpädagogik. Evers arbeitet hier sozialphilosophisch unter Rückgriff auf den Neukantianismus, insbesondere auf Paul Natorp, und die Phänomenologie Emmanuel Lévinas, sowie bildungstheoretisch und sozialisationstheoretisch. Themen wie Solidarität, Generationengerechtigkeit und Sozialisation unter Bedingungen gesellschaftlicher Pluralisierung stehen im Zentrum seiner sozialpädagogischen Forschung. Dabei verbindet er historische und systematische Zugriffe mit aktuellen Debatten zu einer „Sozialen Pädagogik“.

Daneben beschäftigt sich Evers mit ästhetischen Fragestellungen in Theologie, Pädagogik und Sozialer Arbeit. Er arbeitet an einer ästhetischen Theorie helfenden und sozialpädagogischen Handelns, in der Formen ästhetischer Erfahrung für Bildungs- und Professionalisierungsprozesse in sozialen Berufen fruchtbar gemacht werden.

Hochschulmanagement

Als Prorektor und Rektor war er 15 Jahre lang hochschulleitend tätig und an der Profilierung der Hochschule als Hochschule für angewandte Wissenschaften im Sozialwesen beteiligt. Schwerpunkte seiner Arbeit liegen in Fragen der Hochschulgovernance, insbesondere der Weiterentwicklung von Leitungs-, Gremien- und Entscheidungsstrukturen unter den Bedingungen stiftungs- und privatrechtlicher Hochschulträgerschaft.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner hochschulischen Tätigkeit gilt der Personalentwicklung sowie der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Evers engagierte sich für den Auf- und Ausbau hochschuldidaktischer Qualifizierung, für strukturelle Nachwuchsförderung und für die Stärkung akademischer Karrierewege an Hochschulen für angewandte Wissenschaften.

Schließlich widmet er sich in Forschung und Praxis den Leistungsbereichen Forschung und wissenschaftliche Weiterbildung an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Dazu gehören der Aufbau entsprechender Strukturen, die Entwicklung von Weiterbildungs- und Forschungsinstituten sowie die Profilierung anwendungsorientierter Forschung im Sozial- und Gesundheitswesen. Seine Tätigkeit als Rektor der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf knüpfte an diese Arbeit an und zielte auf eine weitere Akademisierung und Profilierung sozial- und gesundheitswissenschaftlicher Studienangebote.

Schriften (Auswahl)

Monografien

  • Erzählen und Werden. Subjektwerdung in einer ästhetischen Theorie helfenden Handelns. Opladen: Budrich Academic Press 2025 (Beiträge zur Wechselwirkung von Ästhetik, Theologie und Sozialer Pädagogik).
  • Exodus und Hilfe. Altern und Identität in einer ästhetischen Theorie helfenden Handelns. Opladen: Budrich Academic Press 2025 (Beiträge zur Wechselwirkung von Ästhetik, Theologie und Sozialer Pädagogik).
  • Religion und soziale Pädagogik. Der Beitrag Paul Natorps zur Begründung einer kritischen Sozialpädagogik. Weinheim/Basel: Beltz Juventa 2019 (Dresdner Studien zur Erziehungswissenschaft und Sozialforschung).
  • Perspektiven diakonischer Profilbildung. Ein Arbeitsbuch am Beispiel von Einrichtungen der Diakonie in Sachsen. Mit Maik Arnold u. a. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2017.
  • Alter – Bildung – Religion. Eine subjekt- und bildungstheoretische Untersuchung. Stuttgart / Berlin / Köln: Kohlhammer 1999.

Aufsätze und Beiträge (Auswahl)

  • Identität und Verständigung – auch in Hochschulen. In: Uwe Hirschfeld u. a. (Hg.): Verstehen und Verantwortung in Organisationen und Bildungsprozessen. Weinheim/Basel: Beltz Juventa 2024, S. 90–105.
  • Gemeinschaft, Individualität und Werden. In: Sozialpädagogische Impulse 4 (2022), S. 14–19.
  • Kommentar. In: Beate Hofmann (Hg.): Merkmale diakonischer Unternehmenskultur in einer pluralen Gesellschaft. Stuttgart: Kohlhammer 2020, S. 248–253.
  • Lob der Vielheit. In: Eva Harasta / Carolin Küppers (Hg.): Familie von morgen. Opladen: Budrich 2019, S. 179–190.
  • Bildung als uneingelöstes Versprechen. In: Miriam Beier u. a. (Hg.): Religion und Bildung – Ressourcen im Alter? Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2016, S. 213–235.
  • Einsicht in das Werden. In: Johanna Schneider / Sylvi Sehm-Schurig (Hg.): Vom Sinn für den Augenblick. Münster: LIT 2015, S. 49–62.
  • [Art.] Erzieherinnen / Erzieher. In: Uwe Sandfuchs u. a. (Hg.): Handbuch Erziehung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2012, S. 490–495.
  • Diakonie und Subjektwerdung. Acht Gedankensprünge. In: Praktische Theologie 30 (1995), H. 4, S. 278–290.

Herausgeberschaften

  • Engagement mit Wirkung – Kinder- und Jugendhilfe zwischen Praxis und Politik. Opladen: Budrich 2025.
  • Forschung trifft Praxis. Selbstverständnis und Perspektiven der Forschung an kirchlichen Hochschulen. Freiburg: FEL 2012.
  • Theologie und Soziale Wirklichkeit. Grundbegriffe. Stuttgart: Kohlhammer 2010.
  • Gerechtigkeit und Frieden. Dresden: Hille 2008.
  • Hauptsache Fußball. Geistes- und sozialwissenschaftliche Einwürfe zum Phänomen Fußball. Gießen: Psychosozial-Verlag 2006.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI