Ratenelle

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Ratenelle [ˈʁatnɛl] ist eine französische Gemeinde im Département Saône-et-Loire in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Sie gehört zum Arrondissement Louhans und zum Kanton Cuiseaux. Die Gemeinde hat 363 Einwohner (Stand: 1. Januar 2023)[1], sie werden Ratenellais, resp. Ratenellaises genannt[2]. Zusätzlich tauchen die Bezeichnungen Ratenaloux und Rotenalats auf[3].

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Geografie

Lage der Gemeinde im Arrondissement Louhans
Karte der Gemeinde Ratenelle - INSEE Code 71366
Karte der Gemeinde Ratenelle - INSEE Code 71366

Die Gemeinde liegt in der Landschaft der Bresse, an der Südgrenze dea Arrondissement Louhans. Die westlichen Gemeindegebiete bilden den Übergang zur Landschaft des Vallée de la Saône[4]. Der Nachbarort im Süden ist Sermoyer, er gehört bereits zum Département Ain. Im Westen grenzt die Gemeinde an La Truchère und an Préty, die beide zum Arrondissement Mâcon gehören. Bis 2016 gehörte Ratenelle ebenfalls zum Arrondissement Mâcon, per 1. Januar 2017 wurde der Wechsel zum Arrondissement Louhans vollzogen.

Die Gemeinde ist lediglich im Bourg besiedelt, Außenwachten und Weiler finden sich keine. Große Teile der Gemeinde bestehen aus Ackerflächen, lediglich im Nordwesten finden sich größere zusammenhängende Waldflächen.

Die Ost- und Südgrenze der Gemeinde bildet die Seille[5], sie nimmt im Süden der Gemeinde etliche Biefs auf, die hier Biez genannt werden. Dazu gehören der Biez de la Culod[6] und der Biez de Benod[7], die das südliche Gemeindegebiet entwässern. Von Süden her mündet der Biez des Bourdons[8] in die Seille. Dieser entspringt bereits in den Ausläufern des Jura, verbunden mit entsprechend hohen Wassermassen.

Die Gemeinde wird von der Departementsstraß D37[9] in West-Ost-Richtung durchquert. Sie ist im Norden und Westen recht stark bewaldet, im Auengebiet der Seille finden sich häufig Pappelplantagen. Zur Gemeinde gehören die folgenden Weiler und Fluren: Biez-de-Benod (Gewässer), Biez-de-la-Culod (Gewässer), le Chaudron, la Croix-Blanche, Port-Seille, Pra[10].

Klima

Das Klima in Ratenelle ist warm und gemäßigt. Es gibt das ganze Jahr über deutliche Niederschläge, selbst der trockenste Monat weist noch hohe Niederschlagsmengen auf. Die Klassifikation des Klimas nach Köppen und Geiger ist Cfb ((Gemäßigtes) Ozeanklima). Die Temperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 12,1 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 21,2 °C, der kälteste der Januar mit 3,4 °C. Über ein Jahr verteilt summieren sich die Niederschläge auf 1121 mm, dabei ist der November mit 118 mm der niederschlagsreichste, während März als trockenster Monat 77 mm aufweist. Über das ganze Jahr werden etwa 2755 Sonnenstunden gezählt.

Schnelle Fakten Klimadiagramm ...
Ratenelle
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
94
 
6
1
 
 
79
 
8
1
 
 
77
 
12
3
 
 
93
 
16
7
 
 
99
 
20
10
 
 
83
 
24
14
 
 
82
 
26
16
 
 
88
 
26
16
 
 
99
 
22
13
 
 
109
 
17
9
 
 
118
 
11
5
 
 
100
 
7
2
_ Temperatur (°C)   _ Niederschlag (mm)
Quelle: climate-data.org Daten 1991–2021
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Ratenelle
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) 3,4 4,0 7,6 11,2 15,1 19,2 21,2 20,8 17,0 13,0 7,5 4,2 12,1
Mittl. Tagesmax. (°C) 6,3 7,7 12,0 15,8 19,5 24,0 25,9 25,6 21,5 17,0 10,6 6,9 16,1
Mittl. Tagesmin. (°C) 0,8 0,7 3,3 6,5 10,4 14,3 16,4 16,0 12,9 9,4 4,6 1,6 8,1
Niederschlag (mm) 94 79 77 93 99 83 82 88 99 109 118 100 Σ 1121
Quelle: climate-data.org Daten 1991–2021

Toponymie

Ratenelle wird im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt im Zusammenhang mit einem Peroninus de Ratenella, alias de Ratanello. 1314 wird bereits der Hafen von Ratenelle erwähnt. Die Entstehung des Namens ist ungewiss, im Mittelalter führte der Ort im Wappen drei Heurechen, man glaubte also, der Ortsname gehe auf dieses Gerät (frz.: râteau) zurück. Wahrscheinlicher ist jedoch die Herkunft von ratis (lat.: Farnkraut), ohne jedoch quellenmäßig belegt zu sein.

Geschichte

In gallorömischer Zeit war die Gegend nur dünn besiedelt, im Mittelalter entstanden schließlich Zwei Dörfer dicht nebeneinander. Sie waren jedoch voneinander unabhängig, eines gehörte zur Kastellanei Cuisery, das andere dem Prior der Benediktinerabtei Ambronay. 1306 zählte das Oberdorf 62 Familien und war im Besitz von Amadeus V. von Savoyen. Im Unterdorf residierte der Prior in einer stark befestigten Residenz über der Seille. Als Inhaber der geistlichen und weltlichen Macht, ist er der Herr des Dorfes und kassiert Zins und Steuern der rund 35 Familien. Die Bewohner dieses Dorfes waren zum Priorat kirchhörig, während die von oben zur Bernhardskirche gehörten. Beide Dörfer hatten also ihre Kirche, ihren Friedhof, ihren Pfarrer. Da aber die Bernhardskirche dem Prior unterstand, bildeten sie letztlich doch eine gemeinsame Pfarrei, die der Diözese von Chalon-sur-Saône unterstand. Diese Verbindung endete mit der Revolution, die beide Dörfer vereinigte und Ratenelle zu einer Gemeinde machte. Allerdings blieben von der Bernhardskirche und dem Friedhof keinerlei Spuren übrig. Die heutige Kirche ist Mariae Himmelfahrt geweiht[11][12].

Die Herren von Ratenelle

Es ist anzunehmen, dass sich in Ratenelle schon früh Mönche niederließen, möglicherweise aus der nahegelegenen Abtei Saint-Philibert in Tournus. Jedenfalls deuten Spuren der Kirche auf eine Entstehung vor dem 13. Jahrhundert hin.

1289 kam es zum Gebietsabtausch zwischen Herzog Robert II. und Amé (Amadeus) V., Graf von Savoyen. Dadurch gehörte die Kastellanei von Cuisery mit den zugehörigen Orten endgültig zum Herzogtum Burgund.

Nach dem Gebietsabtausch im Jahr 1289 wurden die Burgunderherzöge zusehends überheblich. Sie ließen die Mönche plagen und quälen, beraubten sie und zerstörten ihre Gebäude. Die Benediktiner klagten beim Parlement de Paris und machten einen Schaden von über 25.000 Livres geltend. Herzog Hugues V. lehnte aber die Zuständigkeit des Gerichtes ab, das 1308 den Herzog zu Schadensersatz verpflichtete. Die Mönche vermochten sich allerdings nicht gegen die Macht der Herzöge durchzusetzen. Nach und nach wurden deshalb die kirchlichen Besitzungen aufgegeben.

Die Herzöge von Burgund ließen die Kastellanei von Cuisery weiter bestehen, sie umfasste insbesondere das Gemeindegebiet von Ratenelle. Die Herren waren die Kastellane. Über Einzellehen in der Gemeinde ist nichts bekannt.

Heraldik

Die Gemeinde Ratenelle benutzt ein Wappen mit drei stehende Rechen mit einer goldenen Mondsichel auf blauem Grund als Wappenzeichen. Blasonierung: Auf Blau drei braune Rechen pfahlweise mit den Griffen nach unten, der rechte schräg abgewandt, der linke und mittlere schräg, mit einer goldenenr Mondsichel, die Spitzen nach rechts unter den flankierenden Rechen auf dem mittleren brochiert. Das Wappen wird auf offiziellen Briefköpfen der Gemeindeverwaltung und der Internetseite benutzt, allerdings in abgewandelter Form, indem der Azurschild hellblau gebordet ist und zu fast weiß im Zentrum übergeht.[13]

Bevölkerung

Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption von Ratenelle
Ratenelle: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
 
700
1800
 
616
1806
 
707
1821
 
700
1831
 
726
1836
 
680
1841
 
662
1846
 
694
1851
 
694
1856
 
678
1861
 
679
1866
 
660
1872
 
660
1876
 
741
1881
 
705
1886
 
655
1891
 
649
1896
 
618
1901
 
588
1906
 
577
1911
 
569
1921
 
517
1926
 
520
1931
 
493
1936
 
482
1946
 
465
1954
 
390
1962
 
336
1968
 
327
1975
 
321
1982
 
310
1990
 
286
1999
 
340
2006
 
353
2009
 
373
2014
 
391
2020
 
377
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 2006,[14] ab 2009 INSEE[15]
Anmerkung(en): • Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz • Höchste Einwohnerzahl 1876 mit 741, tiefste Einwohnerzahl 1990 mit 286 (38,6 % vom Maximum)
Weitere Informationen Bevölkerungsstruktur, Anzahl Einwohner ...
Bevölkerungs- und Wohnstruktur[16]
BevölkerungsstrukturAnzahl Einwohnermännlichweiblichdavon AusländerAnteil %
374 185 189 14 3,7
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Weitere Informationen Männer, Alterstufe ...
Alterspyramide für Ratenelle
Männer Alterstufe Frauen
0 
90 + älter
4 
17 
75–89
24 
37 
60–74
41 
39 
45–59
31 
37 
30–44
34 
18 
15–29
23 
38 
0–14
33 
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Die Bevölkerungsstruktur zwischen Männern und Frauen ist weitgehend ausgeglichen. Dabei sind 49 % der Bevölkerung jünger als 45 Jahre. Demgegenüber sind 33 % der Einwohner älter als 60 Jahre und damit im Rentenalter.

Weitere Informationen Wohnstruktur, Anzahl Wohneinheiten ...
WohnstrukturAnzahl Wohneinheitendavon HäuserWohnungensonstige
220 214 6
davon Hauptwohnsitz 165
Zweit- oder Ferienwohnsitz 26
vakant 21
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Wirtschaft und Infrastruktur

Unternehmen, Betriebe, Ladengeschäfte und Einrichtungen

In der Gemeinde gibt es nebst Kirche und Mairie (Gemeindehaus) folgende Unternehmen nach Branchen:

Weitere Informationen Branche, Anzahl Betriebe ...
Betriebe in der Gemeinde nach Branchen[17]
BrancheAnzahl Betriebe
Industrie und verarbeitendes Gewerbe 2
Baugewerbe 3
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie 3
Information und Kommunikation
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
Grundstücks- und Wohnungswesen
Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen 4
Öffentliche Verwaltung, Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen 5
Sonstige Dienstleistungen 1
Land- und Forstwirtschaftsbetriebe[18] 4
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In der Gemeinde befinden sich ein Coiffeursalon, zwei Bauhandwerksbetriebe, eine Schreinerei/Zimmerei und ein Elektriker. Im Weiteren verfügt die Gemeinde über einen Fußball- und einen Pétanqueplatz, eine Touristeninformation und eine Post. Mit den Gütern des täglichen Bedarfs versorgen sich die Einwohner in Cuisery oder in Tournus[19].

Geschützte Produkte in der Gemeinde

Als AOC-Produkte sind in Ratenelle Crème et beurre de Bresse[20][21] zugelassen, ferner Volaille de Bresse[22][23][24] und Dinde de Bresse[25].

Bildungseinrichtungen

In der Gemeinde besteht eine École primaire[26] (École maternelle und École élémentaire), die der Académie de Dijon[27] untersteht und von 24 Schulpflichtigen besucht wird. Für die Schule gilt der Ferienplan der Zone A[28].

Sehenswürdigkeiten

Literatur

  • Claude Courtépée (1721–1781): Description historique et topographique du Duché de Bourgogne. Band 5. Chez Causse, Dijon 1780 (französisch, google.fr [abgerufen am 3. Februar 2026]).
  • Lucien Guillemaut (1842–1917): Histoire de la Bresse Louhannaise. Les temps anciens et le Moyen Âge. Band 1. Imprimerie Auguste Romand, Louhans (französisch, google.com [abgerufen am 3. Februar 2026]).
  • Lucien Guillemaut (1842–1917): Histoire de la Bresse Louhannaise. Les temps modernes jusqu’à 1789. Band 2. Imprimerie Auguste Romand, Louhans (französisch, google.com [abgerufen am 3. Februar 2026]).
  • Lucien Guillemaut (1842–1917): Armoiries et familles nobles de la Bresse louhannaise: armoiries ouvrières, armoiries particulières et de familles. Vve L. Romand, Louhans 1909 (französisch, bnf.fr [abgerufen am 3. Februar 2026]).
Commons: Ratenelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Ratenelle. auf INSEE. Institut national de la statistique et des études économiques, abgerufen am 16. Februar 2026 (französisch).
  • Ratenelle. in der POP Plateforme ouverte du patrimoine. Ministère de la Culture, abgerufen am 14. Februar 2026 (französisch).
  • Ratenelle. in Patrimoine en Bourgogne-Franche-Comté. Direction Culture, Sport et Jeunesse, abgerufen am 16. Februar 2026 (französisch).
  • Webpräsenz der Gemeinde. Ratenelle. Mairie de Ratenelle, abgerufen am 16. Februar 2026 (französisch).

Siehe auch

Einzelnachweise

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