Rathaus Idstein
verputzter Fachwerkbau mit Walmdach, kleiner mittiger Haubenlaterne für die Rathausglocke und Gebäudeorientierung an der Hauptfassade zum tiefergelegenen König-Adolf-Platz in Idstein im Rheingau-Taunus-Kreis, Hessen
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Rathaus Idstein im Zentrum von Idstein ist ein zweistöckiges verputztes Fachwerkhaus, das seit dem Bau 1698 durchgehend als Rathaus genutzt wird. Das Gebäude im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis steht unter Denkmalschutz.
| Rathaus Idstein | ||
|---|---|---|
Rathaus Idstein am König-Adolf-Platz in Idstein | ||
| Daten | ||
| Ort | Idstein | |
| Bauherrin | Rat der Stadt Idstein | |
| Baujahr | 1698 | |
| Grundfläche | 173 m² | |
| Koordinaten | 50° 13′ 17,3″ N, 8° 16′ 10,1″ O | |
| Besonderheiten | ||
| Denkmalschutz aus geschichtlichen und städtebaulichen Gründen | ||
Lage
Das Gebäude liegt am heutigen König-Adolf-Platz im Zentrum der Altstadt von Idstein. Es ist ein Bindeglied zwischen der Burg Idstein und der Bürgerstadt, da es erhöht neben der Rampe vom Kanzleitor liegt. Aufgrund dieser erhöhten Stellung dominiert es den Platz.[1]
Geschichte
Vorgeschichte
Das heutige Rathaus ist nicht der erste Rathausbau der Stadt. Ursprünglich stand das erste nachweisbare Rathaus „am Marktplatz“ mitten auf dem heute freien König-Adolf-Platz vor dem jetzigen Gebäude. Um einen repräsentativen Zugang von der Obergasse zum Kanzleitor zu ermöglichen, regte Landgraf Georg August Samuel an, das Rathaus abzureißen und wenige Meter versetzt zur Burg ein neues zu errichten. Abriss und Neubau unterstützte er mit erheblichen finanziellen Mitteln.[2][3]
Baugeschichte
Ab 1690 konnte sich der Rat der Stadt dem Wunsch des Landesherrn nicht mehr verschließen. Die Stadt verlegte ihren Ratssitz vorübergehend in das gerade frei gewordene Killingerhaus, anschließend folgte der Abriss des alten Rathauses und die Beseitigung des Felses auf dem Baugrund. Im ehemaligen Halsgraben der Burg entstand im Untergeschoss ein Pferdestall, der vom Landgrafen bezahlt wurde und in seinem Besitz blieb. Über die weitere Baugeschichte ist wenig bekannt. Ab 1697 wurde das neue Gebäude genutzt, 1698 kamen die Arbeiten zum Abschluss.[4]
Raumnutzung
Die Verteilung der Räume wurde im Laufe der Zeit immer wieder geändert. Konstant blieb die Nutzung des Obergeschosses als Ratszimmer und Büro des Ratsdieners. Bereits seit 1717 befand sich dort als besondere Komfort eine Toilette.[5] Ebenfalls konstant untergebracht war im Erdgeschoss eine Küche und eine an einen städtischen Bediensteten vermietete Wohnung sowie eine Arrestzelle. Wechselnde Nutzungen gab es bei der Wachstube, ab 1934 Polizei- und Meldestelle, die in der Regel im Erdgeschoss lagen, zeitweise aber auch im Obergeschoss. Ebenso wurde schon mal ein Teil des Obergeschosses der vermieteten Wohnung zugeschlagen.[6]
Vor dem Erdgeschoss gab es wahrscheinlich nur in der Frühzeit den Trilles, eine Sonderform des Prangers, bei der insbesondere Felddiebe in einen drehbaren hölzernen Korb gesteckt wurden und dieser solange gedreht wurde, bis die Delinquenten ohnmächtig wurden.[6]
Unverzichtbar für das damalige Rechtsverständnis war auch das Gefängnis und eine Folterkammer. Das Gefängnis im Haus war Frauen und Kindern vorbehalten, da es das angenehmste der Stadt war. Bis ca. 1730 lag im Erdgeschoss auch die Folterkammer. Aufgrund der Menschenaufläufe infolge der Schreie, vor allem aber nachdem das Schiefe Haus gebaut worden war und nicht mehr genügend Licht zum Foltern in die Kammer fiel, wurde die Folterkammer in ein anderes Gebäude verlegt. Vor dem Rathaus befand sich zudem eine Remise, in der die Feuerspritzen zentral bereit standen.[7]
Der Speicher war ebenfalls vermietet, musste im Kriegsfall aber geräumt werden. Dann wurden dort – wie zur Zeit der französischen Besetzung während der Koalitionskriege – Soldaten einquartiert oder Verletzte behandelt.[5]
Ereignisse im 20. Jahrhundert
Im Jahr 1921 wurde das Rathaus trotz der schwierigen Nachkriegsjahre renoviert. Sieben Jahre später kam es am 14. Februar 1928 zum schwerwiegendsten Ereignis in der Geschichte des Hauses. Ein Felssturz hinter dem Haus löste 15 bis 20 Kubikmeter Fels und drückte das gesamte Haus rund 20 Zentimeter nach vorne in Richtung Platz. Da es ein Samstagnachmittag war, wurde niemand verletzt. Lediglich 10 Hühner im Hinterhof waren zu beklagen.[8]
Das Gebäude wurde sofort abgestützt und zunächst ging man davon aus, das Haus niederlegen zu müssen. Es dauerte bis August 1929 bis die letzten Felsen entfernt worden waren.[9] Mehr als ein Jahr stand weiter fest, dass das Haus nicht zu erhalten sei. Erst im Februar 1929 wurde aus städtebaulichen und historischen Gründen entschieden, das Rathaus wiederherzustellen. 1932 wurden die ersten Wiederherstellungsarbeiten vorgenommen. Anfang 1933 wurde alle Arbeiten aufgrund der Machtergreifung der Nationalsozialisten und neuer Ämtervergaben in der Stadt eingestellt und erst im August 1933 die Entscheidung zur Fortführung der Arbeiten getroffen.[10]
Im Zuge der Wiederherstellungsarbeiten wurde die unter dem Gebäude durchführende Gasse verbreitert, die zuvor vorhandene Rampe vom Platz zum Eingangsbereich des Rathauses auf die bis heute kaum geänderte Terrasse umgestaltet. Der Türbereich wurde umgestaltet und die Fenster im Erdgeschoss neu angeordnet. Zuletzt wurde eine Hinweistafel auf das Alter und die Geschichte des Gebäudes angebracht. Am 24. Oktober 1934 zog die Verwaltung wieder in das Gebäude ein.[1][11]
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Dachgeschoss ausgebaut, um der damaligen Raumnot entgegenzuwirken. Am 8. November 1947 kam es zu einem Brand im Obergeschoss des Hauses, der eine weitere Nutzung vorübergehend unmöglich machte.[12][1][13] Ab 1948 wurde eine Erweiterung der Büroflächen nachgedacht, zunächst in der Form einer Verbindung zu den Schlossgebäuden. Erst in der Zeit von 1963 bis 1965 konnte diese Lösung umgesetzt werden. Eine zweite Erweiterung fand 1997 statt, als das Rathaus mit den erweiterten Büroflächen im Schiefen Haus verbunden wurde. Ebenfalls 1997 wurde im Dachreiter ein Glockenspiel installiert.[14]
Beschreibung
Das Rathaus ist ein zweigeschossiger Bau mit Walmdach und mittig liegender Dachreiter mit Rathausglocke. Es umfasst eine Grundfläche von 14,80 Metern Länge und 11,70 Meter Tiefe. Ursprünglich hatte das Haus Sichtfachwerk, das aber auf der ersten bildlichen Darstellung aus der Zeit um 1840/45 bereits verputzt war. Nach Süden zum König-Adolf-Platz waren fünf Dachgauben in zwei Reihen eingebaut, an den Stirnseiten jeweils zwei Dachgauben. Das Obergeschoss war mit fünf großen Doppelfenstern ausgestattet. Am mehrfach leicht umgebauten Erdgeschoss befanden sich neben der Tür außen eine Sonnenuhr, eine Tafel für Bekanntmachungen sowie ein Halseisen und/oder einen Pranger.[15][1]
Die Amtsräume im Obergeschoss waren bis 1789 nur über eine überdachte Außentreppe an der östlichen Seite des Gebäudes zu erreichen. Im Erdgeschoss befand sich eine Küche mit einer vermieteten Wohnung. Unter dem Haus war ein Ziehbrunnen angelegt worden.[16]
Literatur
- Magistrat der Stadt Idstein: Das Idsteiner Rathaus 1698–1998. Geschichte und Geschichten. Rimac Verlag, Idstein 1998, ISBN 3-933532-01-9.
- Dagmar Söder: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Rheingau-Taunus-Kreis II: Altkreis Untertaunus. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Konrad Theiss Verlag, Aalen und Wiesbaden 2003, ISBN 3-8062-1649-5.
Weblinks
- Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): König-Adolf-Platz 2 Rathaus Idstein In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.
- Alt Idstein. Historisches Idstein, abgerufen am 2. Oktober 2025
