Ratzeburger See

See im Südosten Schleswig-Holsteins im Naturpark Lauenburgische Seen From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Ratzeburger See, auch Großer Ratzeburger See genannt, ist ein See im Naturpark Lauenburgische Seen im Südosten Schleswig-Holsteins. Er erstreckt sich von der sogenannten Dominsel – einer Halbinsel, auf der sich die Altstadt von Ratzeburg befindet – ungefähr neun Kilometer nach Norden. Zusammen mit dem Domsee, dem Kleinen Küchensee und dem Küchensee (auch „Großer Küchensee“ genannt) umgibt er die Dominsel.

Schnelle Fakten
Ratzeburger See
(Großer Ratzeburger See)
Bootsanleger am südöstlichen Ufer in Römnitz
GKZ DE: 962437
Geographische Lage im Südosten Schleswig-Holsteins
Zuflüsse Schaalseekanal über die südlichen Ratzeburger Seen; Bäche, Quellen, Oberflächenwasser des Einzugsgebiets
Abfluss Wakenitz
Inseln Dominsel (historisch; heute eine Halbinsel)
Orte am Ufer im Süden Ratzeburg;
am Westufer Groß Sarau, Pogeez, Buchholz; am Ostufer Utecht, Römnitz
Daten
Koordinaten 53° 44′ 4″ N, 10° 45′ 22″ O
Ratzeburger See (Schleswig-Holstein)
Ratzeburger See (Schleswig-Holstein)
Höhe über Meeresspiegel 3,4 m ü. NN
Fläche 12,57 km²[1]
Volumen 144,9 Mio. m³[1]
Maximale Tiefe 24,4 m[1]
Mittlere Tiefe 11,5 m[1]
Die Ratzeburger Domhalbinsel, Blick nach Osten, links der Ratzeburger Dom. Am unteren Bildrand der Lüneburger Damm. Links davon der Ratzeburger See, rechts der Küchensee. Im Hintergrund: Domsee (links) und Kleiner Küchensee (zwischen den beiden östlichen Dämmen).
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Die vier genannten Seen werden als die Ratzeburger Seen bezeichnet. Ursprünglich bildeten sie eine zusammenhängende Seefläche, heute sind sie überwiegend durch Dämme voneinander getrennt.

Manchmal bezieht sich die Bezeichnung „Ratzeburger See“ auf die vier Ratzeburger Seen zusammen beziehungsweise auf die ursprünglich zusammenhängende Seefläche; so etwa bei der Angabe, die Altstadt von Ratzeburg liege „inmitten des Ratzeburger Sees“.[2]

Geographie

Lage

Der Große Ratzeburger See grenzt mit seinem nordöstlichen Ufer an Mecklenburg-Vorpommern (Gemeinde Utecht) und an das Biosphärenreservat Schaalsee. An seinem westlichen Ufer liegen die Gemeinden Groß Sarau, Pogeez und Buchholz.

Die vier Seen umschließen gemeinsam die Altstadt von Ratzeburg auf der sogenannten Dominsel. Die Dominsel (auch „Altstadtinsel“ genannt) war ursprünglich nicht mit dem Festland verbunden. Heute ist sie eine Halbinsel, sie wird deshalb auch „Domhalbinsel“ genannt.

Dämme

Zur Aufteilung des Seegebietes kam es, als Dämme zwischen der Dominsel und dem westlichen und östlichen Seeufer aufgeschüttet wurden.

  • Die historisch älteste Verbindung der Inselstadt mit dem Umland war der Lüneburger Damm, der Ratzeburg nach Westen mit der „Alten Salzstraße“ als bedeutender Handelsstraße verband.
  • Von 1842 bis 1847 wurde die Insel dann durch die Errichtung des Königsdamms auch im Osten an das Umland angebunden. Der Königsdamm erhielt 1854 in Anwesenheit und zu Ehren des dänischen Königs Friedrich VII. in Ratzeburg offiziell diesen Namen.
  • 1894 erfolgte dann die Errichtung eines weiteren Damms zwischen Insel und Ostufer, nämlich des Kleinbahndamms, der ein wenig südlich des Königsdamms liegt. Der Kleinbahndamm wurde für die Ratzeburger Kleinbahn errichtet und sollte eine Verbindung nach Ziethen und Mustin herstellen. Schienenverkehr findet auf diesem Damm allerdings seit 1934 nicht mehr statt.

Da die Dämme passierbare Durchfahrten aufweisen, ist es möglich, mit entsprechenden (nicht allzu hohen) Booten alle Ratzeburger Seen zu befahren.

Die vier Ratzeburger Seen

Hauptsächlich durch die genannten drei Dämme wird die ursprünglich zusammenhängende Seefläche in vier einzelne Seen gegliedert; nur am Übergang vom Großen Ratzeburger See zum Domsee befindet sich kein Damm. Die vier Ratzeburger Seen, von Norden nach Süden geordnet:

  • Ratzeburger See[3] (auch Großer Ratzeburger See genannt[4]). Ein langgestreckter See, die nord-südliche Länge von der Domhalbinsel bis Rothenhusen an der Nordspitze beträgt 9 Kilometer.
  • Der Domsee, er liegt nordöstlich der Domhalbinsel und nördlich des Königsdamms. Er geht mit nordwestlicher Biegung in den Großen Ratzeburger See über. An diesem Übergang liegt die „Römnitzer Enge“, eine etwas schmalere Passage zwischen der Domhalbinsel und dem Seeufer bei Römnitz.
  • Der Kleine Küchensee, er liegt südöstlich der Domhalbinsel und zwischen den beiden östlichen Dämmen (Königsdamm im Norden und Kleinbahndamm im Süden). Die Stadt Ratzeburg nennt ihn auch „Stadtsee“.[5] Bei Einheimischen hat er wegen seiner überschaubaren Größe den Spitznamen „Spucknapf“.
  • Küchensee (auch Großer Küchensee genannt[6]). Er liegt südlich von Lüneburger Damm, Domhalbinsel und Kleinbahndamm und erstreckt sich im Süden bis Farchau.

Zuflüsse und Abfluss

In den Ratzeburger See entwässern vor allem die südlich vorgelagerten Ratzeburger Seen. Der vom Salemer See kommende Schaalseekanal, der eines der wenigen Wasserkraftwerke in Schleswig-Holstein antreibt, mündet in den Küchensee; die Bäk, ein Überlauf des Mechower Sees, mündet in den Domsee. Das Wasser fließt jeweils weiter in den Ratzeburger See.

Der Abfluss befindet sich im Norden bei Rothenhusen. Der See entwässert über die Wakenitz und die Trave in die Ostsee.

Erreichbarkeit

Durch die Stadt Ratzeburg und als Lüneburger Damm und Königsdamm auch durch den See verläuft in West-Ost-Richtung die Bundesstraße 208 von Bad Oldesloe nach Gadebusch und Wismar. Unweit des Westufers verläuft parallel zum See die B 207 (Alte Salzstraße) von Lübeck nach Lüneburg, die etwa einen Kilometer nördlich von Rothenhusen von der Bundesautobahn 20 gekreuzt wird. Neben der neuen Autobahnbrücke ist die im Jahre 2009 erneuerte Wakenitzbrücke bei Rothenhusen die einzige Straßenverbindung von Schleswig-Holstein nach Mecklenburg-Vorpommern zwischen Lübeck und Ratzeburg.

Die von Ratzeburg und von Lübeck kommenden Ausflugsschiffe legen in Rothenhusen an.

Geomorphologie und Naturraum

Der fast zehn Kilometer lange, bis zwei Kilometer breite und maximal 24 Meter tiefe Ratzeburger See ist ein weichseleiszeitlicher Gletscherzungensee. Im Hoch- und Spätglazial entwässerten die Schmelzwässer nicht nach Norden, sondern zunächst bei Farchau nach Süden und in einer späteren Phase bei Einhaus nach Westen zur Einhaus-Fredeburger-Rinne in Richtung Elbe-Urstromtal.

In einer Seen-Typologie wird der Ratzeburger See als Typ 10 eingeordnet.[7] Es handelt sich demnach um einen geschichteten, calciumreichen Tieflandsee mit relativ großem Einzugsgebiet, nennenswert über Grundwasser.[8]

Das steile Ufer des Sees ist dicht bewaldet. Am Ufer tritt an zahlreichen Stellen Wasser aus kleineren, von Erlen gesäumten Quellen aus. Auch findet man hier weite Flächen mit Riesen-Schachtelhalm.

Am Westufer des Sees sind Campingplätze, Badestellen und Stege eingestreut. Das Ostufer ist weitgehend naturbelassen und im Abschnitt zwischen Rothenhusen und Kalkhütte als Naturschutzgebiet „Ostufer des Großen Ratzeburger Sees“ ausgewiesen. Im Herbst und Winter dient der See Blässhuhn und Reiherente als Rastgebiet. Rohrdommel, Rohrweihe, Rohrschwirl und Drosselrohrsänger sind Brutarten am See, die auf der Roten Liste verzeichnet sind.[9]

Panorama-Blick beim Anleger in Buchholz am Westufer

Fischvorkommen

Der Ratzeburger See ist bekannt für die dort vorkommende Große Maräne, einen Speisefisch, der zu den Salmoniden zählt.

Gewässergüte

Zwei Kläranlagen (der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen[10]) leiten ihre gereinigten Abwässer in den Ratzeburger See ein. Das Einzugsgebiet ist geprägt durch landwirtschaftliche Nutzflächen. Der Große Ratzeburger See hat die Trophiestufe meso- bis eutroph 1. Das Tiefenwasser weist ein Sauerstoffdefizit auf.[9]

Das Land Schleswig-Holstein hatte für den Ratzeburger See im Jahr 2010 eine Badewarnung wegen des Befalls mit Zerkarien ausgesprochen.[11] Zerkarien sind Saugwurmlarven, die beim Menschen allergische Hautreaktionen, die sogenannte Badedermatitis, hervorrufen können. Es wurde auf die Gefahr durch das Füttern von Wasservögeln hingewiesen, die Zwischenwirte für die Saugwurmlarven sind.[12]

Geschichte

Am nördlichen Ostufer des Sees verlief bis 1990 die innerdeutsche Grenze. Er wurde mit Motorbooten als operative Grenzschleuse für Agenten der DDR genutzt.

Sagen

Der Ratzeburger See wird in mehreren Sagen erwähnt.[13][14]

Siehe auch

Literatur

  • Herbert Höpfner: Der Ratzeburger See. Damaschke, Büchen 1977.
Commons: Ratzeburger See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Ratzeburger See – Reiseführer

Einzelnachweise

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