Regina Stephan

deutsche Kunsthistorikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Regina Rose Stephan (* 1963 als Regina Rose Weber in Stuttgart[1]) ist eine deutsche Kunsthistorikerin, Kuratorin und Professorin für Architektur- und Stadtbaugeschichte an der Hochschule Mainz.

Biografie

Der Vater und der Großvater von Regina Weber waren Architekten.[2] Sie studierte zwischen 1982 und 1988 Kunstgeschichte, Neuere Geschichte und Didaktik der Künste an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Sie schloss 1988 mit dem Magister artium zum Thema „Das Lustschlösschen Favorite in Ludwigsburg“ ab. Nach einem Aufenthalt in der Lombardei ab 1989 errang sie 1992 ihre Promotion mit „Studien zu Waren- und Geschäftshäusern Erich Mendelsohns in Deutschland“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München.[1]

Zwischen den Jahren 1992 und 1999 arbeitete sie sowohl als wissenschaftliche Mitarbeiterin als auch als Freie Mitarbeiterin für die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg sowie für den Staatsanzeiger für Baden-Württemberg. Von 1994 bis 1999 hatte sie einen Lehrauftrag an der Universität Stuttgart am Lehrstuhl von Dieter Kimpel inne. Ihre erste Elternzeit lag im Jahr 1999. Zwischen 2000 und 2008, mit einer Unterbrechung von 2002 bis 2005 (zweite Elternzeit)[3], war sie als Postdoc am Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur der Technischen Universität Darmstadt tätig. 2011 erlangte sie ihre Habilitation und Venia Legendi für Geschichte und Theorie der Architektur. 2008 wurde sie als Professorin für Architektur- und Stadtbaugeschichte an die Hochschule Mainz berufen. Zwischen 2012 und 2015 war sie Dekanin des Fachbereichs Technik, danach bis 2017 Prodekanin. Von 2017 bis 2021 wirkte sie als Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Hochschule und hat zusammen mit Piotr Kuroczynski die Leitung des Architekturinstituts der Hochschule Mainz inne.[4]

Forschungsschwerpunkte

Plakat zur Ausstellung der Künstler-Kolonie Darmstadt 1901

Stephan forscht zur Architektur- und Stadtbaugeschichte in der Zeit zwischen 1890 und 1950. Dabei hat sie sich insbesondere mit dem Werk und Wirken von Joseph Maria Olbrich, Friedrich Pützer, Erich Mendelsohn[5] und Theo Pabst befasst. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist die Mathildenhöhe Darmstadt. Die Waren- und Geschäftshäuser des 20. Jahrhunderts sowie das Planen und Bauen im Nationalsozialismus bearbeitete sie in Ausstellungen und Schriften. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Forschung sind die Moderne der 1920er und 1930er Jahre im Britischen Mandatsgebiet Palästina sowie deren Wechselwirkungen mit dem Staatlichen Bauhaus in Dessau.[1][4]

Regina Stephan ist seit 2009 sachverständiges Mitglied im Landesdenkmalbeirat Rheinland-Pfalz. Von 2010 bis 2011 war sie sachverständiges Mitglied beim Fachforum Mathildenhöhe Darmstadt.[3] In den Jahren 2013 bis 2019 war sie als sachverständiges Mitglied des Beirats Weiße Stadt Tel Aviv beim Aufbau der Beit Liebling tätig. Im Jahr 2014 wurde sie in die Historische Kommission für Hessen berufen.[3] Von 2014 bis 2021 gehörte sie als sachverständiges Mitglied zum Advisory Board der Welterbenominierung Darmstädter Künstlerkolonie Mathildenhöhe. Seit dem Jahr 2022 gehört sie dem Welterbebeirat der Stadt Darmstadt an. In der Zeit von 2015 bis 2017 war sie Vorsitzende des Gestaltungsbeirats der Kunsthalle Darmstadt. 2017 wurde sie Mitglied der Unabhängigen Historikerkommission „Bauen und Planen im Nationalsozialismus. Voraussetzungen, Institutionen, Wirkungen“. 2021 war sie mit Jörg Haspel Initiatorin und Gründerin der Erich Mendelsohn-Initiative. In den Ländern Polen, Tschechien, Norwegen, Israel, Großbritannien, den USA und Deutschland soll die Initiative die Vorbereitung der Nominierung ausgewählter Bauten Erich Mendelsohns für die UNESCO-Welterbeliste übernehmen.[4] Ebenfalls im Jahr 2021 war sie Gründungsmitglied des Komitees zum Erbe des 20. Jahrhunderts des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS.[3]

Tätigkeit als Kuratorin (Auswahl)

  • 2000 bis 2013 Erich Mendelsohn – Dynamik und Funktion, Tourneeausstellung ifa Stuttgart
  • 2008 Theo Pabst – Architektur im Kontinuum über alle Zeiten, Kunsthalle Darmstadt
  • 2010 Joseph Maria Olbrich – Architekt und Gestalter der frühen Moderne, Institut Mathildenhöhe Darmstadt und Leopold Museum
  • 2014 Erich Mendelsohn – Architekt in Deutschland, England, Palästina und den USA, Dauerausstellung, Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
  • 2016 Friedrich Pützer – Bauten und Projekte, Landesmuseum Mainz
  • 2019 More than Bauhaus – The Architecture of the White City Tel Aviv, tournierenden Ausstellung
  • 2023 Macht Raum Gewalt. Planen und Bauen im Nationalsozialismus, Akademie der Künste (Tätigkeit als Koordinatorin der Unabhängigen Historikerkommission)

Mitgliedschaften

Schriften (Auswahl)

Herausgeberschaften

  • Erich Mendelsohn, Gebaute Welten, Hatje, Ostfildern-Ruit 1998. ISBN 978-3-7757-0758-9
  • Alexander II., Sohn der Charlotte von Preußen, Kaiser und Zar von Rußland, Reformer und Befreier der Bauern: sein Leben und Wirken in Zarskoe Selo/St. Petersburg, Kulturstiftung Schloss Britz, Berlin, 1998.
  • Eric Mendelsohn: Architect, 1887 - 1953, Monacelli Press, New York, 1999. ISBN 1-58093-034-4
  • mit Ita Heinze-Greenberg: Erich Mendelsohn, Gedankenwelten, Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit, 2000. ISBN 978-3-7757-0925-5
  • Erich und Luise Mendelsohn, Eine Partnerschaft für die Kunst, Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2004. ISBN 978-3-7757-1414-3
  • Erich Mendelsohns Bauten heute: Architekturführer zu seinen Bauten in Deutschland, Polen, Russland, Norwegen, Großbritannien, Israel und in den Vereinigten Staaten von Amerika, Akademie der Künste, Berlin 2004. ISBN 978-3-88331-077-0
  • Erich Mendelsohn, Wesen, Werk, Wirkung, Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2006. ISBN 978-3-7757-1781-6
  • Theo Pabst, Architektur im Kontinuum über alle Zeiten, Spurbuchverlag, Baunach 2008. ISBN 978-3-88778-331-0
  • mit Ralph Beil: Joseph Maria Olbrich, Architekt und Gestalter der Frühen Moderne, Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2010. ISBN 978-3-7757-2549-1
  • Friedrich Pützer, In die Umgebung hineingedichtet. Spurbuchverlag, Baunach 2015. ISBN 978-3-88778-447-8
  • More than Bauhaus. The architecture of the White City Tel Aviv. Spurbuchverlag, Baunach 2019. ISBN 978-3-88778-560-4
  • mit Wolfgang Benz, Tilman Harlander, Elke Pahl-Weber, Wolfram Pyta, Adelheid von Saldern, Wolfgang Schäche: Macht Raum Gewalt, Planen und Bauen im Nationalsozialismus, Hrsg. von der Unabhängigen Historikerkommission (UHK) in Kooperation mit der Akademie der Künste, Berlin, Katalog, Berlin 2023. ISBN 978-3-88331-254-5
  • mit Wolfgang Benz, Tilman Harlander, Elke Pahl-Weber, Wolfram Pyta, Adelheid von Saldern, Wolfgang Schäche: Planen und Bauen im Nationalsozialismus. Voraussetzungen Institutionen Wirkungen, Hrsg. von der Unabhängigen Historikerkommission (UHK), 4 Bände, Hilmer, München 2023. ISBN 978-3-7774-4114-6

Monografien

  • Studien zu Waren- und Geschäftshäusern Erich Mendelsohns in Deutschland, Dissertation, Tuduv-Studien, Reihe Kunstgeschichte, Band 55, tuduv-Verlags-Gesellschaft, München, 1992. ISBN 978-3-88073-455-5
  • mit Roger Wohlwend: Erich Mendelsohn und die Moderne in Luckenwalde, Stadt Luckenwalde, 2004.
  • mit Patricia Peschel: Grabkapelle auf dem Württemberg, Kunstführer, Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (Hrsg.), Michael Imhof Verlag, Petersberg, 2017. ISBN 978-3-7319-0554-7
  • mit Wolfgang Lück: Unterwegs in die Moderne: Friedrich Pützers (1871-1922) Bauten, Straßen, Plätze in Darmstadt, Jovis-Verlag, Berlin, 2021. ISBN 978-3-86859-654-0

Einzelnachweise

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