Reichenthal
Marktgemeinde im Bezirk Urfahr-Umgebung, Oberösterreich
From Wikipedia, the free encyclopedia
Reichenthal ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Urfahr-Umgebung im oberen Mühlviertel mit 1553 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025).
| Marktgemeinde Reichenthal | ||
|---|---|---|
| Wappen | Österreichkarte | |
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Land: | ||
| Politischer Bezirk: | Urfahr-Umgebung | |
| Kfz-Kennzeichen: | UU | |
| Fläche: | 18,85 km² | |
| Koordinaten: | 48° 33′ N, 14° 23′ O | |
| Höhe: | 683 m ü. A. | |
| Einwohner: | 1.553 (1. Jän. 2025) | |
| Bevölkerungsdichte: | 82 Einw. pro km² | |
| Postleitzahl: | 4193 | |
| Vorwahlen: | 0 72 14 | |
| Gemeindekennziffer: | 4 16 20 | |
| NUTS-Region | AT313 | |
| UN/LOCODE | AT RTL | |
| Adresse der Gemeinde- verwaltung: |
Oberer Markt 11 4193 Reichenthal | |
| Website: | ||
| Politik | ||
| Bürgermeisterin: | Karin Kampelmüller (ÖVP) | |
| Gemeinderat: (Wahljahr: 2021) (19 Mitglieder) |
||
| Lage von Reichenthal im Bezirk Urfahr-Umgebung | ||
Ortsansicht | ||
| Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria | ||
Geografie
Reichenthal liegt auf 683 m Höhe im oberen Mühlviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 5,4 km, von West nach Ost 7,3 km. Die Gesamtfläche beträgt 18,8 km². Durch den Ort fließt der Kettenbach, der nicht wie im Mühlviertel üblich zur Donau, sondern zur Moldau nach Tschechien fließt.
Flächenverteilung

Gemeindegliederung
Das Gemeindegebiet umfasst folgende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2025[1]):
- Allhut (35)
- Böhmdorf (57) samt Altmühle
- Hayrl (65)
- Kohlgrub (19)
- Liebenthal (68)
- Miesenbach (44)
- Niederreichenthal (49)
- Reichenthal (986)
- Schwarzenbach (65)
- Stiftung (120)
- Vierhöf (45)
Die Gemeinde gehörte bis 2012 zum Gerichtsbezirk Leonfelden und ist seit dem 1. Jänner 2013 Teil des Gerichtsbezirks Freistadt.
Nachbargemeinden
| Vyšší Brod (CZ) | Rainbach | |
| Schenkenfelden | Waldburg |
Geschichte
Ortsgeschichte
Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte das Ortsgebiet seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich, seit 1490 zum Fürstentum Österreich ob der Enns. Im 13. Jahrhundert wurde der Ort Reichenthal planmäßig mit regelmäßigem Marktplatz und romanischer, 1890 abgebrochener Kirche am Rande des Nordwaldes als Mittelpunkt des Rodungsbereiches der Grundherrschaft Waldenfels angelegt.[2]
Im Jahr 1357 wurde der Ort als Reychenthal erstmals urkundlich erwähnt,[3] wobei der Ortsname von einem reichen, ertragreichen Tal herzuleiten ist.[2]
Über den Saumpfad „Hellmonsödt – Schenkenfelden – Reichenthal – Oberhaid“, einer Variante des Linzer Steigs, wurde jahrhundertelang Salz nach Böhmen transportiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele Bewohner von Raifmaß (heute die Wüstung Radvanov in der tschechischen Gemeinde Vyšší Brod) eine erste Unterkunft nach ihrer Vertreibung oder Flucht.[4][5]
Im Jahr 1950 wurde Reichenthal zur Marktgemeinde erhoben.[6]
Einwohnerentwicklung
| Reichenthal: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1869 | 1.200 | |||
| 1880 | 1.259 | |||
| 1890 | 1.247 | |||
| 1900 | 1.286 | |||
| 1910 | 1.341 | |||
| 1923 | 1.278 | |||
| 1934 | 1.333 | |||
| 1939 | 1.325 | |||
| 1951 | 1.253 | |||
| 1961 | 1.219 | |||
| 1971 | 1.225 | |||
| 1981 | 1.303 | |||
| 1991 | 1.264 | |||
| 2001 | 1.385 | |||
| 2011 | 1.471 | |||
| 2021 | 1.499 | |||
| 2025 | 1.553 | |||
| Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1.1.2021 | ||||
Kultur und Sehenswürdigkeiten
- Pfarrkirche Reichenthal: erbaut im 19. Jahrhundert, auch 'Mühlviertler Dom' genannt, da sie die größte Kirche des Mühlviertels ist. Sehenswert ist die Sieben-Todsünden-Kanzel. Die Kanzel wird von einem Baumstamm getragen, um den sich eine Riesenschlange mit sieben Menschenköpfen windet, die die sieben Todsünden symbolisieren.
- Schloss Waldenfels: Das Schloss wurde um 1300 erbaut. 1636 erwarb es Konstantin Grundemann, der als Belohnung für seinen Einsatz in der Gegenreformation das Patronatsrecht über Reichenthal und Waldburg erhielt.
- Mühlenmuseum Reichenthal-Hayrl:[7] Das Mühlenmuseum Reichenthal-Hayrl befindet sich am Beginn des 10-Mühlen-Wanderweges. Im Mittelpunkt des Museums befindet sich die Hausmühle mit der Müllerstube, die einen Blick in das einstige Handwerk und Müllerleben ermöglicht.
- 10-Mühlen-Wanderweg:[8] Der 10-Mühlen-Wanderweg hat eine Länge von 15,5 km und führt an einer Vielzahl von Mühlen vorbei (Altmühle und Graslmühle am Graslbach sowie Süßmühle, Holzmühle, Lorenzmühle, Adammühle, Hammermühle, Hofmühle, Herrenmühle und Hausmühle am Kettenbach).[9]
- Waldkapelle Liebenthal: Die Waldkapelle wurde 1936 auf einem Hügel erbaut. Rund um die Kapelle führt ein aus 14 Bildstöcken bestehender Kreuzweg.
- Pfarrkirche Reichenthal
- Sieben-Todsünden-Kanzel – Zorn
- Schloss Waldenfels
- Mühlenmuseum in Reichenthal mit Hausmühle und Venezianersäge (rechts)
- Venezianersäge im Mühlenmuseum
- Mühlenmuseum – Übersichtsplan
- Waldkapelle Liebenthal
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaftssektoren
Von den 65 landwirtschaftlichen Betrieben des Jahres 2010 waren 39 Haupterwerbsbauern. Diese bewirtschafteten 85 Prozent der Flächen. Im Produktionssektor arbeiteten 107 Erwerbstätige im Bereich Herstellung von Waren, 36 in der Bauwirtschaft, 3 in der Energieversorgung und 1 in der Wasserver- und Abfallentsorgung. Die wichtigsten Arbeitgeber des Dienstleistungssektors waren die Bereiche soziale und öffentliche Dienste (72) und der Handel (37 Mitarbeiter).[10][11][12]
| Wirtschaftssektor | Anzahl Betriebe | Erwerbstätige | ||
|---|---|---|---|---|
| 2011 | 2001 | 2011 | 2001 | |
| Land- und Forstwirtschaft 1) | 65 | 87 | 64 | 72 |
| Produktion | 24 | 13 | 147 | 172 |
| Dienstleistung | 58 | 35 | 146 | 146 |
1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999
Bildung
In Reichenthal befinden sich ein Kindergarten, eine Volksschule und eine Mittelschule.[13]
Der erste Kindergarten war 1907 durch die Ordensfrauen des Ordens der Marienschwestern im heutigen Pfarrhof eröffnet worden.[6] 1918 liegt erstmals eine Schulchronik auf, die einen Schulbetrieb belegt. 1969 fand der Spatenstich für das neue Schulgebäude statt, das seit dem Schuljahr 1971/72 für den Schulbetrieb genutzt wird (zuerst als Volksschule und später als Hauptschule bzw. Mittelschule). 1976 erfolge der Zubau des Hauptschulturnsaals und der Neubau der Volksschule, 1985 eine Erweiterung von Volksschule und Hauptschule sowie der Kindergarten-Neubau.[6]
Feuerwehr
Im Gemeindegebiet von Reichenthal gibt es mehrere Freiwillige Feuerwehren:[6]
- Die FF Reichenthal wurde 1888 gegründet. Im Jahr 2016 erfolgte ein Neubau des Feuerwehrhauses Reichenthal.
- Die FF Stiftung wurde 1904 gegründet. 1974 wurde die Doppelgarage neu errichtet, 1997 ein Zubau.
- Die FF Miesenbach wurde am 15. Mai 1931 gegründet. 1938 wurde die FF Miesenbach der FF Stiftung angegliedert, nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sie 1947 ihre Selbständigkeit zurück.[14] Das Feuerwehrhaus Miesenbach wurde im Jahr 2023 abgebrochen und neu errichtet.
Politik

Gemeinderat
Der Gemeinderat besteht aus 19 Mitgliedern.
- Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 1997 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 ÖVP und 6 SPÖ.[15]
- Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 ÖVP und 6 SPÖ.[16]
- Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2009 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 ÖVP und 6 SPÖ.[17]
- Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 10 ÖVP, 5 FPÖ und 4 SPÖ.[18]
- Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2021 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 12 ÖVP, 4 SPÖ und 3 FPÖ.[19][20]
Bürgermeister
Bürgermeister seit 1850 waren:[21]
- 1850–1861 Johann Seiberl
- 1861–1879 Johann Etzelsdorfer
- 1879–1885 Josef Lang
- 1885–1888 Johann Übermasser
- 1888–1903 Josef Lang
- 1903–1919 Karl Lengauer
- 1919–1924 Alois Etzlstorfer
- 1924–1929 Karl Lengauer
- 1929–1938 Hermann Etzelstorfer
- 1938–1945 Fritz Greiner
- 1945–1946 Hermann Etzelstorfer
- 1946–1967 Ernst Grundemann
- 1967–1973 Gottfried Bodingbauer
- 1973–1991 Felix Denkmayr
- 1991–2015 Karl Jaksch (ÖVP)
- seit 2015 Karin Kampelmüller (ÖVP)
Wappen
Offizielle Beschreibung des Gemeindewappens:
- Gespalten; rechts in Rot auf der erhöhten Mittelkuppe eines grünen Dreiberges ein silberner, einwärts gewendeter Falke, links dreimal gespalten von Silber und Rot.
Der Jagdfalke aus dem Familienwappen der Grafen Grundemann von Falkenberg, die seit 1636 im Besitz von Schloss Waldenfels sind, symbolisiert die enge historische Verbundenheit der jungen Marktgemeinde mit der seinerzeitigen Grundherrschaft. Die Landesfarben Weiß-Rot deuten auf die neuzeitliche Verleihung des Wappens im Jahr 1950 durch die oberösterreichische Landesregierung.[21]
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
- Johann Jakob Greimbl († 1633), Bauernrebell[22]
- Franz Ser. Sailer (1792–1847), österreichischer Botaniker und Geistlicher[23]
- Ernst Grundemann-Falkenberg (1903–1987), Land- und Forstwirt, Politiker (ÖVP), Mitglied des Bundes- und des Nationalrats
- Helmuth Pree (* 1950), römisch-katholischer Kirchenrechtler
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten
- Johann Jax (1842–1937), Nähmaschinen-Fabrikant[24]
- Bernd Preinfalk (* 1966), Komponist und Musiker
Literatur
- zur Gemeinde
- Norbert Mayer: Festschrift anläßlich der Markterhebung des Ortes und der Gemeinde Reichenthal im Juli 1950. Gemeinde Reichenthal, 1950.
- Johann Pammer: Chronik der Gemeinde & Pfarre Reichenthal. Verlag Easy Media, Linz 2022, ISBN 978-3-902773-50-0, 389 S.
- Naturraumkartierung Oberösterreich. Landschaftserhebung Gemeinde Reichenthal. Endbericht. Gutachten Naturschutzabteilung Oberösterreich. 2008, S. 1–45 (zobodat.at [PDF]).
- zu Teilbereichen
- Gunthilde Kampelmüller: Böhmdorf. Heimat an der Grenze. Hrsg. vom Kultur- und Bildungsring Reichenthal und vom Oberösterreichischen Volksbildungswerk, Druckerei Haider, Schönau im Mühlkreis 2011, ISBN 978-3-200-02231-7 (mit vielen Informationen über die Gemeinde Reichenthal).
- Johann Schöftner: Mühlen-Museum Reichenthal/Hayrl OÖ. ARGE Hausmühle Reichenthal, Reichenthal um 1990.
- Josef Glasner: Das Fürlingerhaus. Ein Beitrag zur Geschichte des Hauses 4193 Reichenthal 12. Hirschbach im Mühlkreis 1990.
- Johann Pammer, Engelbert Lasinger: Haus- und Familienchronik Preinfalk. Reichenthal Nr. 7 und Nr. 8. Hirschbach im Mühlkreis/Thierberg 2000.
- Johann Pammer: Haus-, Hof- und Familienchronik des Moertlgutes in Boehmdorf 7. Thierberg 1989.
- Johann Pammer, Sonja Pammer: Baunlenzn oder Braitengut in Liebenthal 18. Hof- und Familiengeschichte. Selbstverlag, Hirschbach im Mühlkreis 2016.
Weblinks
- Webpräsenz der Marktgemeinde Reichenthal
- 41620 – Reichenthal. Gemeindedaten der Statistik Austria
- Weitere Infos über die Gemeinde Reichenthal auf dem Geo-Infosystem des Bundeslandes Oberösterreich.
- Karte im Digitalen Oberösterreichischen Raum-Informations-System (DORIS)
- Bibliografie zur oberösterreichischen Geschichte. Literatur zu Reichenthal. In: ooegeschichte.at. Virtuelles Museum Oberösterreich

