Siegsdorf
Gemeinde im Landkreis Traunstein in Bayern
From Wikipedia, the free encyclopedia
Siegsdorf (im bair. Dialekt: „Siagsdorf“), bis 1934 Obersiegsdorf, ist eine Gemeinde und ein Pfarrdorf im Landkreis Traunstein in Oberbayern.
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
| ||
| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 47° 49′ N, 12° 39′ O | |
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Oberbayern | |
| Landkreis: | Traunstein | |
| Höhe: | 615 m ü. NHN | |
| Fläche: | 57 km² | |
| Einwohner: | 8314 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 146 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 83313 | |
| Vorwahl: | 08662 | |
| Kfz-Kennzeichen: | TS, LF | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 1 89 145 | |
| LOCODE: | DE SOF | |
| Gemeindegliederung: | 98 Gemeindeteile | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Rathausplatz 1 83313 Siegsdorf | |
| Website: | www.siegsdorf.de | |
| Erster Bürgermeister: | Thomas Kamm (UW) | |
| Lage der Gemeinde Siegsdorf im Landkreis Traunstein | ||
Geografie
Geografische Lage
Die Gemeinde Siegsdorf liegt im südlichen Landkreis Traunstein, etwa 85 km Luftlinie südöstlich der Landeshauptstadt München. Die nächstgelegene Großstadt ist das österreichische Salzburg, welches ca. 30 km östlich entfernt liegt. Die Kreisstadt Traunstein grenzt unmittelbar nördlich an das Gemeindegebiet. Siegsdorf ist Sitz einer politischen Gemeinde und einer römisch-katholischen Pfarrei (frühere Wallfahrt zum geneigten Haupt). Nahe Siegsdorf vereinigen sich die Rote Traun und die Weiße Traun zur Traun, die weiter über Traunstein und Altenmarkt fließt und in die Alz mündet.
Die Gemeinde befindet sich im Alpenvorland in der Planungsregion Südostoberbayern. Im Süden des Gemeindegebietes befinden sich bereits die Ausläufer der Chiemgauer Alpen – hier des Hochfelln.
Die Gemeindefläche beträgt 57 km². Der niedrigster Punkt ist Nähe Eßbaum mit 581 m ü. NHN. Der mittlere Punkt am Bahnhof in Siegsdorf befindet sich auf 605 m ü. NHN. Den höchsten Punkt der Gemeinde bildet der Zinnkopf mit 1227 m ü. NHN.
Größere Orte
- Siegsdorf (Hauptort und heutiger Verwaltungssitz der Gemeinde Siegsdorf)
- Eisenärzt (zweitgrößter Ort und ehemaliger Verwaltungssitz der Gemeinde Eisenärzt)
- Hammer (drittgrößter Ort und ehemaliger Verwaltungssitz der Gemeinde Hammer)
- Vogling (viertgrößter Ort und ehemaliger Verwaltungssitz der Gemeinde Vogling)
Gemeindegliederung
Es gibt 98 Gemeindeteile:[2]
- Adlgastag
- Aich
- Aicher
- Aigen
- Alm
- Alzing
- Auli
- Aumann
- Bad Adelholzen
- Bernbichl
- Bichl
- Bucheck
- Daxa
- Daxbach
- Daxlberg
- Eisenärzt
- Embach
- Farnbichl
- Feichten
- Feilenreit
- Felln
- Frauenstätt
- Gastag
- Gerhartsreit
- Grünreit
- Hachau
- Hallaich
- Hammer
- Haunerting
- Häusern
- Hinterwelln
- Höll
- Holnstein
- Höpfling
- Hörgering
- Hub
- Knappenfeld
- Kohlbrenn
- Königswiesen
- Krutzling
- Kühleiten
- Lettengruben
- Linden
- Lindl
- Lohhäusl
- Mahd
- Maria-Eck
- Mauer
- Mauerriedl
- Meisau
- Molberting
- Mosen
- Obereck
- Obergalling
- Oberheutau
- Oberunterberg
- Oed
- Osterham
- Pattenau
- Paulfischer
- Plereit
- Prüll
- Reichhausen
- Rettenbach
- Reuten
- Rudhart
- Sankt Johann
- Scharam
- Scheiblegg
- Schöneck
- Schweinbach
- Siegsdorf
- Spatzreit
- Spirka
- Stein
- Tauernstein
- Thal
- Thalham
- Traundorf
- Unterberg
- Untereck
- Untergalling
- Unterheutau
- Venusberg
- Vitzthum
- Vogling
- Vorauf
- Vorderwelln
- Wagenau
- Wald
- Weiher
- Weitwies
- Wernleiten
- Wiese
- Wiesen
- Wimm
- Wolfsberg
- Zuhausen
Es gibt die Gemarkungen Eisenärzt, Hammer, Haslach (Gemarkungsteil 0), Hochberg (GT 0), Obersiegsdorf, Untersiegsdorf und Vogling.[3]
Geschichte

Bis zum 19. Jahrhundert
Siegsdorf wird um 1120 erstmals schriftlich genannt. Im Mittelalter spielte Eisenerzbergbau, insbesondere in den heutigen Gemeindeteilen Eisenärzt und Hammer, eine wichtige Rolle. Durch das Gemeindegebiet verlief ein Salzsäumerweg von Reichenhall nach Traunstein, der erst um 1590 zur Salzstraße ausgebaut wurde. Seit 1618 führte die Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein und ab 1809 nach Rosenheim entlang der Roten Traun über Hammer (Brunnhaus) und Siegsdorf (Brunnhaus). Die spätgotische Pfarrkirche „Mariä Empfängnis“ wurde 1779 barockisiert und mit einem großflächigen Deckengemälde des Trostberger Malers Franz Soll versehen.
Durch das Gemeindeedikt von 1818 wurden die Gemeinden Obersiegsdorf und Untersiegsdorf gebildet. 1896 wird Siegsdorf an die Eisenbahn angeschlossen.
20. Jahrhundert
Am 17. August 1936 reicht der erste Bauabschnitt der Reichsautobahn (Strecke 47) von München bis Siegsdorf.
Am 1. April 1934 wurde der Gemeindename Obersiegsdorf gleichzeitig mit der Eingemeindung von Untersiegsdorf amtlich in Siegsdorf geändert.[4]

Am 11. Oktober 1975 entdeckte und barg der damals 16-jährige Schüler Bernard Raymond von Bredow in einem Bachbett bei Siegsdorf (im Gemeindeteil Höpfling) eines der größten Mammutskelette der Welt. In die Schlagzeilen geriet Siegsdorf 1985, als Bredow seinen Mammutfund mit dem Filmemacher Ulli Weißbach veröffentlichte. Der Fund war Anlass, in Siegsdorf 1991 das Mammutheum und 1995 das Südostbayerische Naturkunde- und Mammut-Museum zu errichten.
Eingemeindungen durch die Gebietsreform in Bayern
Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Eisenärzt eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kamen Vogling sowie der südliche Teil der aufgelösten Gemeinde Hochberg hinzu.[4] Am 1. Mai 1978 fand die Gemeindegebietsreform ihren Abschluss durch den freiwilligen Anschluss der Gemeinde Hammer und des südöstlichen Teils der Gemeinde Haslach.[5]
Einwohnerentwicklung
Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 7277 auf 8355 um 1078 Einwohner bzw. um 14,8 %.
| Jahr | 1840 | 1900 | 1925 | 1939 | 1950 | 1961 | 1970 | 1987 | 2011 | 2016 | 2025 |
| Einwohner | 2233 | 2835 | 3354 | 4057 | 6140 | 5648 | 6020 | 7219 | 8099 | 8382 | 8.627 |
Politik
Gemeinderat und Bürgermeister
Die Gemeinderatswahlen 2014 führten zu folgenden Ergebnissen:
Zum Ersten Bürgermeister wurde ab 1. Mai 2008 Thomas Kamm (UWG) gewählt. Er wurde am 16. März 2014 und am 15. März 2020 (78,37 %) wieder gewählt.[8]
Gemeindepartnerschaften
Partnergemeinden sind Pfunders in Südtirol (Italien), Venusberg im Erzgebirge im deutschen Bundesland Sachsen und Daone im Trentino (Italien).[9]
Wappen
| Blasonierung: „Geteilt durch den Umriss eines Zweibergs von Blau und Silber; oben eine flache silberne Schale mit Fuß, unten gekreuzt ein blauer Schmiedehammer und ein blaues Griesbeil.“[10] | |
|
Wappenführung seit 1963 |
Wappengeschichte: Der Zweiberg versinnbildlicht die geografische Lage der Gemeinde am Fuß der Berge Hochfelln und Hochgern. Die Trinkschale verweist auf die bekannten Heilquellen von Siegsdorf und Adelholzen, die seit dem 19. Jahrhundert für das Wirtschaftsleben der Gemeinde große Bedeutung erlangten. Die Adelholzer Alpenquelle und die Siegsdorfer Petrusquelle sind bekannte Mineralwasserlieferanten. Der Hammer symbolisiert das früher weithin bekannte Schmiedehandwerk von Siegsdorf (Nagel-, Huf-, Ketten-, Messer- und Waffenschmiede). Das Griesbeil, ein so genannter Sapie, gibt das regionale Arbeitsgerät der Waldarbeiter wieder und unterstreicht den Waldreichtum ebenso wie die wirtschaftliche Bedeutung der Holzwirtschaft in der Gegend. Hämmer als Symbole für Eisenerzbergbau und Hüttenwerke und zugleich als auf Ortsnamen verweisende Elemente enthielten auch die Wappen der bis 1972 bzw. 1978 selbstständigen Gemeinden Eisenärzt (oben zwei gekreuzte schwarze Hämmer, unten ein Edelweiß) und Hammer (vorne ein senkrechter schwarzer Hammer, hinten ein goldener Laubbaum).
Wappen der Gemeinden, die im Zuge der Gebietsreform in Bayern eingegliedert wurden:
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
Bauwerke

Es gibt 18 Baudenkmäler in der Gemeinde.
- Wallfahrtskirche, Kapelle und Kloster Maria Eck
- Pfarrkirche Mariä Empfängnis
- Schwesternheim Bad Adelholzen
- Kirche St. Rupertus Hammer
- Katholische Filialkirche St. Johannes der Täufer in Sankt Johann
Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur
In der Gemeinde Siegsdorf existiert eine ganze Reihe von mittelständischen Unternehmen, sowie Kleingewerbe, Landwirtschaft und Handwerk. Als Luftkurort trägt ebenso der Tourismus zur Wertschöpfung bei. Eine Touristinformation wird von der Gemeinde betrieben. Im Gewerbegebiet "Gastager Feld" nördlich der A 8 haben sich größere Unternehmen niedergelassen. Der Hebesatz der Gewerbesteuer beträgt 340 %, die Hebesätze der Grundsteuer A (land- und forstwirtschaftliche Flächen) und Grundsteuer B betragen 240 % (Stand 2025).
Ansässige Unternehmen
Das Anlagenbauunternehmen Brückner Group hat seit 1960 einen Standort in Siegsdorf. Über die Region hinaus bekannt sind die beiden Mineralwasserbrunnen Adelholzener Alpenquellen und Siegsdorfer Petrusquelle.
In der Ortsmitte Siegsdorfs befinden sich Geschäftsstellen der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost und der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg.
Verkehr
Siegsdorf liegt direkt an der A 8 von München nach Salzburg und kann über die Ausfahrten Siegsdorf-West (AS 111) oder Traunstein/Siegsdorf-Ost (AS 112) angefahren werden. Östlich des Hauptortes verläuft die Bundesstraße 306 (Traunstein ↔ Inzell). Außerdem liegt Siegsdorf an der Bahnstrecke Traunstein–Ruhpolding.
Bad Adelholzen und Siegsdorf liegen am Bodensee-Königssee-Radweg, welcher in Lindau beginnt und zum Königssee bei Berchtesgaden führt.
Bildung
Es gibt zwei allgemeinbildende Schulen mit 39 hauptamtlichen Lehrkräften und 571 Schülerinnen und Schüler (SJ 2023/24)
- Grundschule Siegsdorf: 17 hauptamtliche Lehrkräfte, 320 Schülerinnen und Schüler[11]
- Mittelschule Siegsdorf: 22 hauptamtliche Lehrkräfte, 251 Schülerinnen und Schüler[12]
Außerdem gibt es eine Außenstelle der VHS Traunstein und eine Gemeindebücherei.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
- Franz Xaver Huber (1769–1842), Forstmann, geboren in Hammer
- Alois Irlmaier (1894–1959), Hellseher, Endzeit-Visionär, u. a. Vision des Dritten Weltkriegs bzw. Apokalypse
- Matthias Engelsberger (1925–2005), Politiker (CSU); gehörte von 1969 bis 1990 dem Deutschen Bundestag an
- Peter Angerer (* 1959), ehemaliger Biathlet
- Bernard von Bredow (1959–2021), Weltreisender und Urzeitforscher; Entdecker des Siegsdorfer Mammutskeletts
- Christian Gerhartsreiter (* 1961), ein in den USA wegen Mordes inhaftierter deutscher Hochstapler, der als Clark Rockefeller bekannt wurde
- Markus Eisenbichler (* 1991), Skispringer
Persönlichkeiten mit Verbindungen zur Gemeinde
- Alfred Kliegl (1877–1953), Professor für pharmazeutische Chemie in Tübingen, besaß ein Haus in Siegsdorf (Villa Trauneck) und starb dort.
- Ernst von Salomon (1902–1972), Schriftsteller, erlebte 1945 das Kriegsende in Siegsdorf und berichtete davon in seinem Buch Der Fragebogen.
- Marianne Hoppe (1909–2002), Schauspielerin, verbrachte hier ihre letzten Jahre und starb hier.
- Jimmy Carl Black (1938–2008), US-amerikanischer Schlagzeuger, lebte seit den 1990er Jahren hier und verstarb auch hier.
- Sepp Ferstl (* 1954), ehemaliger deutscher Skirennläufer, lebt hier.
Wissenswertes über Gemeindeteile
Vorauf
Vorauf ist eine Feriensiedlung, die Anfang der 1970er Jahre entstand. Typisch ist die „Vogelhaus“-Architektur vieler Gebäude, von denen die meisten in Südhanglage gebaut wurden.
Das Ferienparkgebiet selbst besteht aus drei Teilen: Feichten, Mosen und dem eigentlichen Vorauf. Im Ferienpark gibt es die für Urlauber typischen Einrichtungen, wie eine Minigolfanlage, Tischtennisplatte, Tennisplatz. Früher gab es auch ein Speiserestaurant, ein kleines Hallenbad und eine Sauna, welche aber derzeit geschlossen und als abrissreif zu bezeichnen sind. Des Weiteren gab es ein Gestüt, wo Pferde gemietet werden konnten. Ob dies heute noch möglich ist, ist unklar. Der alte Reitstall ist 2006 am gleichen Tag unter der Last der Schneemassen zusammengebrochen wie die Eissporthalle im 30 km entfernten Bad Reichenhall.
Im Gebiet Vorauf leben nur 200 Personen, während es ca. 500 Ferienhäuser unterschiedlicher Größe gibt. Durch die Abnahme des Massentourismus in der Region gibt es nicht mehr dieselbe Palette der Versorgung wie früher Beispielsweise existiert der Dorfladen, der über 30 Jahre lang Gäste mit Lebensmitteln versorgt hat, nicht mehr. Stattdessen muss nach Wernleiten, Siegsdorf, Traunstein oder nach Neukirchen a. Teisenberg gefahren werden.
Problematisch für den Ferienpark ist auch die ungeklärte Wohnsituation. Manche Leute leben lange Zeit ihres Lebens in dem Ferienpark und sind als „Alteingesessene“ offiziell Einwohner des Ferienparks und damit der Gemeinde. Neu hinzugezogene oder Feriengäste dürfen hingegen die Wohnungen nur zum Zwecke des Urlaubes, nicht aber als Dauerwohnstätte nutzen.
Der Ferienpark wird mehrheitlich von Gästen aus dem (ober)bayerischen Raum genutzt, da viele der Hausbesitzer aus diesem Raum stammen und sie an Freunde, Verwandte oder Touristen vermieten. Ebenfalls kommen Gäste aus dem In- und Ausland.
Literatur
- Meinrad Schroll: Gemeinde und Pfarrei Siegsdorf. ...eine Heimatgeschichte. Drei Bände. Gemeinde Siegsdorf 2012–2014, ISBN 978-3-939548-08-9, ISBN 978-3-939548-07-2 bzw. ISBN 978-3-939548-12-6.
Weblinks
- Siegsdorf: Amtliche Statistik des Bayerischen Landesamtes für Statistik
- Gemeinde Siegsdorf
- Gemeinde Siegsdorf in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 2. April 2023.
- Siegsdorf in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 2. April 2023.

