Reliance Retail
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Reliance Retail Limited ist ein indisches Einzelhandelsunternehmen mit Sitz in Mumbai. Es wurde 2006 als Tochtergesellschaft des Konzerns Reliance Industries von Mukesh Ambani gegründet und hat sich seither zum umsatz- und filialstärksten Einzelhändler Indiens entwickelt. Die Geschäftstätigkeit umfasst Supermärkte, Fachgeschäfte und Online-Handel in verschiedenen Sparten. Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte Reliance Retail einen Bruttoumsatz von rund ₹3,3 Billionen (ca. 40 Mrd. US-Dollar) und betrieb mehr als 19.000 Verkaufsstellen landesweit.[1]
| Reliance Retail Limited | |
|---|---|
| Rechtsform | Tochterunternehmen |
| Gründung | 2006 |
| Sitz | Mumbai, |
| Leitung | Mukesh Ambani (Vorsitzender) Isha Ambani (Managing Director) |
| Mitarbeiterzahl | 207.552 (2024) |
| Umsatz | 3,3 Billionen INR (2024/25) 36,4 Mrd. EUR |
| Branche | Einzelhandel |
| Website | www.relianceretail.com |

Geschichte

Reliance Industries kündigte 2006 den Einstieg ins Einzelhandelsgeschäft an und plante dafür, rund 6 Mrd. US-Dollar in den Aufbau eines landesweiten Vertriebsnetzes mit über 1.500 Filialstandorten zu investieren. Konzernchef Mukesh Ambani erklärte, er wolle eine „Wal-Mart in Indien“ schaffen und bis 2011 einen Jahresumsatz von 25 Mrd. US-Dollar erreichen.[2] Ende 2006 eröffnete Reliance Retail in der südindischen Stadt Hyderabad die ersten Reliance Fresh-Supermärkte (Nachbarschaftsläden für Lebensmittel), insgesamt elf Filialen.[3] In den Folgejahren expandierte das Unternehmen zügig in weitere Segmente: 2007 startete die Elektronikhandelskette Reliance Digital, 2008 folgten Bekleidungsgeschäfte unter dem Namen Reliance Trends, und 2011 eröffnete Reliance Retail mit Reliance Market die ersten Cash-&-Carry-Großhandelsmärkte. 2010 hatte das Unternehmen bereits 1000 Verkaufsstellen erreicht.[4]
Im Geschäftsjahr 2013/14 übertraf Reliance Retail erstmals die bisherige Nummer 1, die Future Group, und wurde gemessen am Umsatz zum größten Einzelhändler des Landes. Das Unternehmen betrieb zu diesem Zeitpunkt 1.691 Läden in 146 Städten und damit ebenfalls mehr Filialen als der vormalige Marktführer.[5] In den späten 2010er-Jahren setzte sich das starke Wachstum fort: Im Finanzjahr 2017/18 verdoppelte sich der Umsatz, womit Reliance Retail als erster indischer Händler die Marke von 10 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz überschritt.[6] 2019 expandierte das Unternehmen erstmals ins Ausland und übernahm für rund 68 Mio. £ die britische Spielwaren-Handelskette Hamleys, die zu den ältesten Spielzeughändlern der Welt zählt.[7]
Seit 2020 forciert Reliance Retail zudem den E-Commerce: So startete im Frühjahr 2020 die Online-Plattform JioMart für Lebensmittel und Konsumgüter.[4] Im selben Jahr vereinbarte Reliance Retail die Übernahme der Einzelhandelssparte der Future Group für 3,4 Mrd. US-Dollar, jedoch scheiterte dieses Vorhaben nach Einsprüchen des US-Onlinehändlers Amazon und einem langwierigen Gerichtsprozess bis 2022.[8] Später übernahm Reliance Retail mehr als 200 Filialen der Future Group, darunter Big Bazaar, Central und Brand Factory, da die Future Group ihre Mietzahlungen nicht geleistet hatte, und eröffnete sie unter den Namen Smart Bazaar, Centro und Fashion Factory wieder.[9][10]
2021 stieg Reliance Retail in den Pharmahandel ein, als es die Online-Apotheke Netmeds übernahm und in der Folge auch eigene stationäre Apotheken eröffnete.[4] 2022 erwarb Reliance Retail das Indien-Geschäft der deutschen Metro AG (Cash-&-Carry-Großmärkte) für ₹28,5 Mrd. (ca. 344 Mio. US$) und integrierte dessen 31 Großhandelsmärkte in das eigene Filialnetz.[11] Im Jahr 2023 führte das Unternehmen neue Einzelhandelsformate ein, darunter die Parfümerie- und Kosmetikkette Tira sowie die Modemarke Azorte, und brachte mit Independence eine eigene Marke für Verbrauchsgüter auf den Markt. Im selben Jahr überschritt Reliance Retail zudem die Marke von über einer Milliarde Einzeltransaktionen pro Jahr.[4]
Im Februar 2025 startete Reliance Retail Shein in Indien neu, fast fünf Jahre nachdem die App aufgrund von Datenschutzbedenken von der indischen Regierung verboten worden war.[12] Dies folgte auf eine Partnerschaft zwischen Reliance Retail und Shein aus dem Jahr 2023, um Produkte lokal aus Indien zu beziehen.[13]
Tätigkeit
Reliance Retail operiert in sämtlichen großen Konsumgüterbranchen des indischen Einzelhandels. Das Unternehmen ist sowohl im Lebensmitteleinzelhandel (Supermärkte und Convenience-Stores), in der Unterhaltungselektronik, im Mode- und Lifestyle-Segment, im Pharmaziehandel als auch im Online-Handel tätig. Im Lebensmittel- und Verbrauchsgütersegment betreibt Reliance Retail verschiedene Ladenformate vom Nahversorger bis zum großen Supermarkt – darunter Marken wie Reliance Fresh, Smart Bazaar, Smart Point sowie 7-Eleven-Kioskmärkte im Franchise-Verbund. Zum Bereich Unterhaltungselektronik gehören die Fachmärkte Reliance Digital und MyJio, in denen ein breites Angebot von Haushaltsgeräten, Computern und Mobiltelefonen verkauft wird. iese Geschäfte werden durch den eigenen Service-Dienstleister ResQ für Kundenbetreuung und Reparaturen unterstützt. Im Mode- und Lifestyle-Sektor deckt Reliance Retail verschiedene Preissegmente vom Value- bis zum Luxus-Bereich ab. Zu den Ketten im Konzern gehören unter anderem Reliance Trends (Bekleidung, mit Untermarken wie Trends Women/Men und Yousta für junge Mode), Reliance Jewels (Schmuck) sowie Warenhaus-Formate wie Centro. Über die Tochtergesellschaft Reliance Brands Limited ist das Unternehmen zudem Franchise-Partner für rund 50 internationale Marken in Indien, darunter bekannte Modemarken wie GAP, Armani, Burberry, Diesel, Marks & Spencer und Pret A Manger.[14]
Auch im Pharma- und Gesundheitssektor ist Reliance Retail aktiv: Nach Übernahme der Online-Apotheke Netmeds im Jahr 2021 bedient das Unternehmen den indischen Markt sowohl durch E-Commerce-Angebote als auch mit einem wachsenden Netz an Netmeds-Präsenzapotheken. 2023 eröffnete Reliance Retail mit Tira eine eigene Beauty-Handelskette für Kosmetikprodukte, die stationäre Geschäfte und einen Online-Shop kombiniert. Im Bereich E-Commerce betreibt der Konzern neben JioMart (Online-Supermarkt für Lebensmittel und Alltagswaren) auch den Mode-Onlineshop AJIO sowie weitere digitale Vertriebskanäle. Im Finanzjahr 2024/25 zählte Reliance Retail insgesamt 1,4 Milliarden Einkaufs-Transaktionen und bediente über alle Vertriebsschienen hinweg rund 349 Millionen registrierte Kunden.[14]
Struktur und Investoren
Reliance Retail ist Teil des Firmenkonglomerats von Reliance Industries Limited (RIL). Die operative Hauptgesellschaft Reliance Retail Ltd. wird über die Holding Reliance Retail Ventures Ltd. (RRVL) geführt, einer hundertprozentigen Tochter von RIL. RRVL fungiert als Dachgesellschaft für sämtliche Retail-Aktivitäten der Gruppe.[15]
Im Jahr 2020 öffnete Reliance Retail sich erstmals für externe Investoren: RIL veräußerte in diesem Jahr insgesamt rund 10 % der Anteile an RRVL an ein Konsortium globaler Investoren (darunter KKR, General Atlantic, Mubadala und der saudische Public Investment Fund) und erzielte dadurch einen Erlös von etwa 5,7 Mrd. US-Dollar. Diese Transaktion bewertete das Retail-Geschäft mit etwa 52 Mrd. US-Dollar; innerhalb von drei Jahren verdoppelte sich diese Bewertung nahezu, als die Qatar Investment Authority rund 1 % an Reliance Retail Ventures für rund 1 Mrd. US-Dollar erwarb. Kurz darauf erhöhte der US-Finanzinvestor KKR seine Beteiligung durch eine zusätzliche Investition von 250 Mio. US-Dollar auf nun 1,42 % der Anteile.[16]
RIL behält weiterhin die klare Mehrheit an RRVL. Ein Börsengang des Einzelhandelsgeschäfts wird in der Branche seit längerem erwartet – Mukesh Ambani hatte 2019 angekündigt, Reliance Retail innerhalb von fünf Jahren an die Börse zu bringen.[16]