Renate Ludwig
deutsche Archäologin und Denkmalpflegerin
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Renate Ludwig (* 12. Januar 1955; † 14. November 2024[1]) war eine deutsche Archäologin, deren Forschungsschwerpunkte im Bereich der Provinzialrömischen Archäologie und der archäologischen Denkmalpflege im Raum Heidelberg lagen.
Leben und Wirken
Renate Ludwig stammte aus Wiesbaden und legte dort ihr Abitur ab. Ab dem Wintersemester 1974/1975 studierte sie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Fächer Klassische Archäologie, Kunstgeschichte sowie Ur- und Frühgeschichte. Dort gaben die Hochschullehrer Kurt Böhner und Michael Müller-Wille die Anregung zum Thema ihrer Dissertation. Darin untersuchte und analysierte sie ein römisches Gräberfeld in der Gemeinde Schankweiler in der Eifel, das im frühen und mittleren 1. Jahrhundert n. Chr. angelegt worden war. Die Arbeit wurde in Mainz zunächst von Robert Fleischer betreut. Nach einer durch Fleischer vermittelten Grabungstätigkeit in der Lagerstadt des Militärlagers Carnuntum (nahe dem heutigen Wien) wechselte sie die Universität und setzte ihr Studium im Fach Provinzialrömische Archäologie bei Hans Ulrich Nuber an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg fort. Dort war sie für einige Jahre als wissenschaftliche Hilfskraft angestellt und wurde nach Fertigstellung ihrer Untersuchung zum Gräberfeld von Schankweiler im Wintersemester 1985/1986 promoviert.[2]
Nach der Promotion war Ludwig von 1986 bis 1990 wissenschaftliche Angestellte und Grabungsassistentin in einem Langzeit-Forschungsprojekt zur römischen Siedlung von Sontheim an der Brenz. Anschließend war sie von 1990 bis 1993 am Römischen Museum Augsburg angestellt und verantwortete dort ein Projekt zur vollständigen Inventarisation der Museumsbestände inklusive der Stücke im Depot und der Archivalien. Schließlich wechselte sie zum April 1993 an das Kurpfälzische Museum Heidelberg, wo sie als Nachfolgerin von Berndmark Heukemes die Leitung der Archäologischen Abteilung übernahm. Diesen Posten hatte Renate Ludwig bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand mit Ende Oktober 2022 inne. In ihrer Dienstzeit wurde ihre Abteilung offiziell als Untere Denkmalschutzbehörde für das Stadtgebiet von Heidelberg institutionalisiert und in diesem Zusammenhang in „Abteilung Archäologie und Denkmalschutz“ umbenannt.[3]
Zu Ludwigs ersten Projekten in Heidelberg gehörte die vollständige Neugestaltung der archäologischen Abteilung des Museums, die 1995 abgeschlossen wurde. Zwei Jahre später erschien begleitend der dazugehörige Einführungsband „Kelten, Kastelle, Kurfürsten – Archäologie am Unteren Neckar“. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit war die Erforschung der Gräberfelder des römischen Heidelbergs. Diesem Thema widmete sich unter ihrer leitenden Beteiligung ein langjähriges Forschungsprojekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde und 2009 in einer umfangreichen Publikation der Grabungsergebnisse endete.[4] Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt waren die archäologischen Befunde auf dem Heiligenberg, die 2011 zum Grabungsschutzgebiet erklärt wurden.[5] In Zusammenarbeit mit der Epigraphischen Datenbank Heidelberg erarbeitete Ludwig eine Publikation der römischen Inschriften und sonstigen Steindenkmäler des Kurpfälzischen Museums.[6] Zu den von Ludwig mitverantworteten Sonderausstellungen gehörten „Kulturgeschichten: Archäologie am unteren Neckar“ (1997),[7] „Unbekannte Krim – Archäologische Schätze aus drei Jahrtausenden“ (1999),[8] „Straße ins Jenseits. Die römischen Gräberfelder von Heidelberg“ (2005),[9] „Herkules – unsterblicher Held“ (2020)[10] und „Krieg und Frieden: Konfliktarchäologie an Rhein und Neckar“ (2022/2023).[11]
Ab 2005/2006 war Ludwig neben ihrer Tätigkeit im Museum und auch während ihres Ruhestandes Geschäftsführerin des Förderkreises Archäologie in Baden, zu dessen Ehrenmitglied sie im Oktober 2024 ernannt wurde.[12] In ihren letzten Lebensjahren arbeitete sie ehrenamtlich im Seniorenzentrum Wieblingen.[13]
Schriften
- Das frührömische Brandgräberfeld von Schankweiler, Kreis Bitburg-Prüm. Mit einem Beitrag von Joachim Wahl. In: Trierer Zeitschrift. Band 51, 1988, S. 51–422, DOI:10.11588/tz.1988.1.107629 (Open Access).
- Kelten, Kastelle, Kurfürsten. Archäologie am unteren Neckar (Schriftenreihe des Kurpfälzischen Museums der Stadt Heidelberg). Theiss, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1241-4.
- mit Peter Marzolff: Der Heiligenberg bei Heidelberg (= Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg. Band 20). Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1416-6 (2., verbesserte und ergänzte Auflage, ebenda 2009, ISBN 978-3-8062-2261-6).
- als Bearbeiterin und Koordinatorin: Thomas Werner (Hrsg.): Unbekannte Krim. Archäologische Schätze aus drei Jahrtausenden. Kehrer, Heidelberg 1999, ISBN 3-933257-07-7.
- mit Andreas Hensen: Straße ins Jenseits. Die römischen Gräberfelder von Heidelberg. Greiner, Remshalden 2005, ISBN 3-935383-77-0.
- mit Francisca Feraudi-Gruénais: Die Heidelberger Römersteine. Bildwerke, Architekturteile und Inschriften im Kurpfälzischen Museum Heidelberg. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2017, ISBN 978-3-8253-6693-3.
Weblinks
- Literatur von und über Renate Ludwig im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Das Kurpfälzische Museum nimmt Abschied von Dr. Renate Ludwig (1955–2024), Nachruf auf der Website des Kurpfälzischen Museums Heidelberg vom 21. November 2024.
Literatur
- Gabriele Seitz: Dr. Renate Ludwig (12. Januar 1955 – 14. November 2024). Sie hat Spuren erforscht und Spuren hinterlassen. In: Mitteilungsblatt des Förderkreises Archäologie in Baden. Ausgabe 2024/2025, S. 13–15 (PDF des Heftes).