Renzendorf

Ortsteil von Schwalmtal (Hessen) From Wikipedia, the free encyclopedia

Renzendorf ist ein Ortsteil und Sitz der Gemeindeverwaltung der Gemeinde Schwalmtal im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Schnelle Fakten Gemeinde Schwalmtal ...
Renzendorf
Gemeinde Schwalmtal
Koordinaten: 50° 42′ N,  19′ O
Höhe: 313 m ü. NHN
Fläche: 1,15 km²[1]
Einwohner: 183 (30. Juni 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 159 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36318
Vorwahl: 06638
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Ortsgeschichte

Mittelalter

Der Ort wird 1336 erstmals erwähnt. Erhalten ist diese Erwähnung in einem Kopiar aus dem 16. Jahrhundert. Dabei geht es um eine Abgabe in „Rentzendorff“. In dem Eintrag wird auch eine Mühle erwähnt: „super moelndino in Rentzendorff“. (unter der Mühle in Renzendorf).[3] 1375 lautet in einem Kopiareintrag von 1448 der Ortsname „Renczendorff“. Dabei geht es um Besitzungen der Riedesel,[4] ebenso wie 1467 „Rentzedorff“.[5] Auch hier handelt es sich um einen Kopiareintrag, jetzt aus dem 16. Jahrhundert. Die Brüder Hermann und Georg von Riedesel verkauften dem Alsfelder Bürger Gramhans u. a. ein Gut zu Renzendorf, das Mole (Müller) Wigand von Renzendorf innehatte sowie die Molenwiese halb. Gramhan stiftete die Güter vor seinem Tod dem Augustinerkloster in Alsfeld. 1707 wird erstmals die Siedlungsform Dorf für „Renzendorff“ genannt: „des Dorffs Renzendorff“.[6] Der Ortsname wird in der Namensforschung als „Siedlung des Renzo“ gedeutet. Dabei kann der Rufname, welcher den Ortsnamen bestimmt, nicht eindeutig geklärt werden. Entweder dürfte dies „Randizo“ oder „Reginzo“ sein.[7]

Renzendorf ist seit Jahrhunderten durch gemeinsame Nutzung von Kirche und Schule eng mit dem Nachbarort Brauerschwend verbunden.

Neuzeit

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war der Ort dem Gericht Schwarz (heute Stadtteil von Grebenau) zugeordnet.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Renzendorf:

„Renzendorf (L. Bez. Alsfeld) evangel. Filialdorf; liegt an der Schwalm, 114 St. von Alsfeld, hat 17 Häuser und 112 Einwohner, die außer 1 Katholiken evangelisch sind, so wie 2 Mahlmühlen. Unter den Einwohnern sind 6 Bauern, 6 Bauern und Handwerker und 2 Taglöhner.“[8]

Gebietsreform

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen bildet Renzendorf zusammen mit weiteren acht zuvor selbständigen Ortschaften seit dem 31. Dezember 1971 die Gemeinde Schwalmtal.[9]

Territorialgeschichte und Verwaltung

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Renzendorf lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][10][11]

Gerichtszugehörigkeit seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Renzendorf das Amt Alsfeld zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Alsfeld“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Alsfeld, das heutige Amtsgericht, das für Renzendorf zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[20] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung

 1791:95 Einwohner[14]
 1800:96 Einwohner[21]
 1806:80 Einwohner, 14 Häuser[16]
 1829:112 Einwohner, 17 Häuser[8]
 1867:86 Einwohner, 12 Häuser[22]
Renzendorf: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2015
Jahr  Einwohner
1791
 
95
1800
 
96
1806
 
80
1829
 
112
1834
 
97
1840
 
107
1846
 
99
1852
 
92
1858
 
82
1864
 
79
1871
 
87
1875
 
102
1885
 
88
1895
 
69
1905
 
79
1910
 
108
1925
 
108
1939
 
112
1946
 
217
1950
 
189
1956
 
179
1961
 
178
1967
 
175
1970
 
170
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2005
 
206
2010
 
200
2011
 
195
2015
 
183
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Gemeinde Schwalmtal (aus Webarchiv):[2]; Zensus 2011[23]

Religionszugehörigkeit

 1829:111 evangelische, ein römisch-katholischer Einwohner[8]
 1961:143 evangelische (= 80,34 %), 33 katholische (= 18,54 %) Einwohner[1]

Politik

Ortsvorsteher ist Andreas Loll.[24]

Verkehr

Der Ortsteil besaß einen Haltepunkt am Streckenkilometer 66,9 der Bahnstrecke Gießen–Fulda. Renzendorf erhielt den Haltepunkt, nachdem der Nachbarort Brauerschwend es abgelehnt hatte, Gelände für einen Bahnhof zur Verfügung zu stellen, als im Jahre 1870 mit dem Bau der Bahnstrecke begonnen wurde.

Der Haltepunkt Renzendorf wurde zusammen mit dem Bahnhof Wallenrod im Rahmen des neuen Fahrplankonzeptes der Vogelsbergbahn zum Fahrplanwechsel 2011/2012 am 10. Dezember 2011 aufgelassen. Während Wallenrod noch als Betriebsbahnhof dient, wurde der Renzendorfer Haltepunkt komplett stillgelegt.[25][26] Jedoch erinnern noch heute (2014) das Stationsschild und der ehemalige Bahnsteig an den einstigen Haltepunkt.

Einzelnachweise

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