Reutles
Ortsteil von Nürnberg in Bayern
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Reutles (fränkisch „Raidles“[1]) ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Nürnberg (Mittelfranken, Bayern).[2] Reutles liegt in der Nordwestlichen Außenstadt im statistischen Bezirk 79 und in der Gemarkung Großgründlach.[3]
Reutles Statistischer Distrikt 790 Kreisfreie Stadt Nürnberg | |
|---|---|
| Koordinaten: | 49° 32′ N, 11° 1′ O |
| Höhe: | 302 m ü. NHN |
| Postleitzahl: | 90427 |
| Vorwahl: | 0911 |
Luftaufnahme von Reutles von Süden (2020). Im rechten Hintergrund Tennenlohe, links Erlangen | |

Geographie
Die Stadtrandsiedlung bildet mit dem südwestlich gelegenen Großgründlach eine geschlossene Siedlung und liegt im Norden der Stadt. Nachbarorte sind (dem Uhrzeigersinn folgend und im Norden beginnend) der Erlanger Stadtteil Tennenlohe sowie die Nürnberger Stadtteile Neunhof und Boxdorf. Im Osten liegen die Waldgebiete Eichenlohe und Neunhofer Forst. Im Westen grenzt das Flurgebiet Bei der Marter an. Über die Reutleser Straße besteht eine Verbindung zur Bundesstraße 4 und über diese zur Anschlussstelle Erlangen-Tennenlohe der Bundesautobahn 3.[4]
Geschichte
Das Dorf entstand im 12. Jahrhundert durch eine Rodung der Herren von Gründlach und wurde 1329 als „Revtleins“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „riute“ mit Diminutivsuffix ab und bedeutet demnach kleine Rodung.
Die Grundherrschaft lag ab 1329 bei den Patrizierfamilien Ortlieb und Ebner; sie oblag ab 1625 den Pfinzing von Henfenfeld, die gleichzeitig die Burgherren von Großgründlach waren, zu dem es seitdem gehört.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Reutles 16 Anwesen (2 Halbhöfe, 6 Güter, 8 Gütlein). Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte der Nürnberger Eigenherr von Haller.[5]
Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Reutles dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Großgründlach und der im selben Jahr gegründeten Ruralgemeinde Großgründlach zugeordnet. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstand der ganze Ort von 1821 bis 1848 dem Patrimonialgericht Großgründlach.[6]
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs es infolge reger Bautätigkeit mit Großgründlach zusammen und wurde am 1. Juli 1972 im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Nürnberg eingemeindet.[7]
Baudenkmäler
In Reutles gibt es sechs Baudenkmäler:[8]
- Reutleser Straße 49: Wohnstallhaus, Backofen und Einfriedung
- Reutleser Straße 51: Wohnstallhaus;
- Reutleser Straße 53, 63: Wohnstallhaus mit Einfriedung
- Reutleser Straße 80: Felicitaskapelle von 1379
- ehemalige Baudenkmäler
- Reutleser Straße 61: Gasthof Höfler. Am zweigeschossigen Neubau dreigeschossiger Giebel mit übernommenen Eckvoluten und Kugelbekrönung; Stein mit Inschrift „MR 1792“.[9]
- Reutleser Straße 62: Hofanlage. Zweigeschossiges erneuertes Satteldachhaus. Der zweigeschossige Giebel mit flachem Gesimsband; Ecklisenen, Kugelbekrönung. Am Giebel Sandstein mit Inschrift „17 JS. 21“. Weiter oben Tafel mit Inschrift „J. Kropf 1929“.[9]
- Reutleser Straße 65: Erdgeschossiges Wohnstallhaus. Sandstein, getüncht; die Fenster mit Profilumrahmung. Wohl um 1800. 1974 durch Brand beschädigt.[9]
- Reutleser Straße 71: Zweigeschossiges, 1932 erneuertes Wohnhaus. Am neuen Giebel eingelassener Sandstein mit Inschrift „18 MH 59“ und klassizistischer Umrahmung. Weiterer Inschriftstein „Konr[ad] Kropf 1932“.[9]
- Reutleser Straße 74: Hofanlage. Erdgeschossiges Wohnstallhaus, wohl Mitte des 18. Jahrhunderts; Sandsteinquader, traufseitig verputzt. Straßengiebel mit Eckvoluten, Zierpostament und Kugelaufsatz; flaches Gesims. Fensterwände mit Wulstprofil. Hofmauer aus Sandsteinquadern mit profilierten Decksteinen.[9]
Einwohnerentwicklung
Religion
Reutles ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und nach St. Laurentius (Großgründlach) gepfarrt.[5] Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Hedwig (Großgründlach) gepfarrt.
Verkehr
Im Nahverkehr erschließen die Stadtbuslinien 29 und 290 den Stadtteil.
Literatur
- Johann Kaspar Bundschuh: Reutles. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 4: Ni–R. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1801, DNB 790364301, OCLC 833753101, Sp. 501 (Digitalisat).
- Günter P. Fehring, Anton Ress, Wilhelm Schwemmer: Die Stadt Nürnberg (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 10). 2. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 1977, ISBN 3-422-00550-1, S. 405–408.
- August Gebeßler: Stadt und Landkreis Fürth (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 18). Deutscher Kunstverlag, München 1963, DNB 451450957, S. 141–142.
- Frhr. Bertold Haller von Hallerstein: Reutles. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8, S. 898 (online).
- Hanns Hubert Hofmann: Nürnberg-Fürth (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 4). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1954, DNB 452071224, S. 163 (Digitalisat). Ebd. S. 228 (Digitalisat).
- Georg Paul Hönn: Reutles. In: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises. Johann Georg Lochner, Frankfurt und Leipzig 1747, OCLC 257558613, S. 521 (Digitalisat).
- Wolfgang Wiessner: Stadt- und Landkreis Fürth (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Mittelfranken. Band 1). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1963, DNB 455524629, S. 78–79.
Weblinks
- Reutles in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 22. November 2021.
- Reutles in der Topographia Franconiae der Uni Würzburg, abgerufen am 26. September 2019.
- Reutles im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 7. Oktober 2025.
